Fernand Hoffmann

Pseud.: F.H. ; f.h. ; Fred Laroche ; Nepomuk Loquipossum ; NoNo ; Sioux

Düdelingen - Luxemburg


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Fernand Hoffmann
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Fernand Hoffmann ist der Sohn eines Volksschullehrers und der Vater von Jean-Paul Hoffmann. Er verbrachte seine Kindheit in Hollerich. Nach seinen Sekundarstudien am Athenäum studierte er Germanistik, Altphilologie und Geschichte an den Cours supérieurs und an den Universitäten Paris und Tübingen. Von 1953 bis 1957 unterrichtete er am Lycée de garçons in Luxemburg, bis 1959 am Lycée de garçons in Esch/Alzette. Dann kehrte er an das Lycée de garçons in Luxemburg zurück. 1970 wechselte er an das Institut pédagogique, das spätere Institut supérieur d'études et de recherche pédagogique, wo er deutsche und luxemburgische Literatur und Linguistik lehrte. 1972 promovierte er an der Universität Nancy über Thomas Mann als Philosoph der Krankheit bei Professor Albert Schneider, dem er 1992 eine Festschrift widmete. Von 1977 bis 1991 lehrte Fernand Hoffmann deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft am Centre universitaire de Luxembourg. Daneben hielt er Gastvorlesungen an der Universität Sheffield. Von 1978 bis 1997 war Fernand Hoffmann Präsident des Institut grand-ducal, Section des arts et des lettres. Er war ebenfalls Mitglied des Institut grand-ducal, Section de linguistique, d'ethnologie et d'onomastique. Auch war er Präsident des Internationalen Dialektinstituts in Wien und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Instituts für deutsche Sprache in Mannheim.

Der Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeiten von Fernand Hoffmann liegt auf dem Gebiet der Luxemburger Literatur und Linguistik. Die zweibändige Geschichte der Luxemburger Mundartdichtung gilt bis heute als Standardwerk. Nach dieser literarhistorischen Untersuchung widmete sich Fernand Hoffmann der Dialektologie und veröffentlichte u. a. in Deutschland eine Reihe grundlegender Arbeiten zur sprachwissenschaftlichen und literarhistorischen Triglossiesituation Luxemburgs. Unter dem Titel Dialektologie heute gab er 1979 eine Festschrift für die Luxemburger Dialektologin Helène Palgen heraus. Auch die literarischen Arbeiten deutscher und luxemburgischer Autoren wie Thomas Mann, Willem Enzinck, Gerhard Meier, Michel Rodange und Dicks waren Gegenstand seiner Untersuchungen. 1974 war er an der Herausgabe von Michel Rodanges Gesamtwerk beteiligt. Er unterhielt Freundschaften mit Luise Rinser, Gerhard Meier, Alfred Gulden, Christoph Hein, Joseph Hurt und Max Goergen.

Literarisch ist Fernand Hoffmann als Schriftsteller und Kulturkritiker in Erscheinung getreten. Das erzählerische Werk in deutscher Sprache umfasst auf der einen Seite historische Themen wie die Zeit der nationalsozialistischen Besatzung Luxemburgs mit ihren dem Individuum eine Entscheidung zwischen Patriotismus und Anpassung abverlangenden Krisensituationen (Die Grenze und Nachträgliche Erhebungen). Auf der anderen Seite gibt es autobiografisch gefärbte Romane wie Die Streuwiese, Die zahme Krähe und Pitterchen, in denen Beruf und Familie reflektiert werden. Das lyrische Werk in luxemburgischer Sprache zeichnet sich durch Sprachexperimente und Satire aus. Die Theaterstücke wie D'Kiirch am Duerf weisen Fernand Hoffmann als Kenner experimenteller Dramaturgie aus. Viele seiner Theaterstücke wie Klappjuecht, Adamesstross 13 oder Hirer Fënnef liegen im Manuskript vor, das Gleiche gilt für das Hörspiel Pier Beautemps. Im gesamten schriftstellerischen Werk werden seine Liebe zum Ösling und die Beschäftigung mit den kulinarischen Vorlieben der Luxemburger deutlich z. B. in Öslinger Geschichten, Luxemburg bei Tisch. Auch zieht sich die Idee von Luxemburg als einem Kulturphänomen im gesamteuropäischen Zusammenhang wie ein roter Faden durch das Werk F. H.s.

Daneben war Fernand Hoffmann seit den 1950er Jahren der nicht unumstrittene, verantwortliche Kulturkritiker des Luxemburger Wort. In Die Warte-Perspectives betreute er die Feuilletonreihen Am Rande vermerkt, Lettres à Annette Françoise und Brief aus Hollerich. Mit seinen regelmäßig erscheinenden, Polemik nicht scheuenden Rezensionen, Theaterkritiken und Essays löste er nicht selten literarische Streitgespräche oder Literaturfehden aus. 1980 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Kulturzeitschrift nos cahiers, deren Redaktionskomitee er bis zu seinem Tode angehörte. Auch in d'Lëtzebuerger Land, Nouvelle revue luxembourgeoise-Academia, Galerie, in der vom Centre universitaire initiierten Zeitschrift Germanistik, in Stimmen der Zeit, Lore and Language und in Mitteilungen der Stefan Andres Gesellschaft finden sich viele Aufsätze und Essays aus seiner Feder. Durch seine zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn Jean-Paul Hoffmann gestaltete Rundfunkserie De Mischi a seng Leit war Fernand Hoffmann einem breiteren Publikum bekannt.

1990 erhielt Fernand Hoffmann den vom Rhein-Kreis Neuss (Nordrhein Westfalen) für besondere Verdienste um die Mundartforschung gestifteten Friedestrompreis.

Germaine Goetzinger

Werke

Titel Jahr Sprache Genres yearsort
Luxemburg bei Tisch. Ein nahrhaftes Lesebuch
Fernand Hoffmann [Autor]
1963
DEU
1963
Oeslinger Geschichten
Fernand Hoffmann [Autor]
1965
DEU
1965
Mëscheler. Luxemburgisches am Rande vermerkt
Fernand Hoffmann [Autor]
1968
DEU
1968
Das Luxemburgische im Unterricht
Fernand Hoffmann [Autor]
1969
DEU
1969
Die Grenze. Roman
Fernand Hoffmann [Autor]
1972
DEU
1972
Standort Luxemburg. Mit einem Vorwort von Christian Calmes und 9 Zeichnungen von Jean-Paul Hoffmann
Fernand Hoffmann [Autor]
1974
DEU
1974
Der Lyriker Willem Enzinck. "Singend mit geborstenen Lippen"
Fernand Hoffmann [Autor]
1975
DEU
1975
Thomas Mann als Philosoph der Krankheit. Versuch einer systematischen Darstellung seiner Wertphilosophie des Bionegativen
Fernand Hoffmann [Autor]
1975
DEU
1975
Die Neue Deutsche Mundartdichtung. Tendenzen und Autoren dargestellt am Beispiel der Lyrik
Josef Berlinger [Autor]
Fernand Hoffmann [Autor]
1978
DEU
1978
Sprachen in Luxemburg. Sprachwissenschaftliche und literarhistorische Beschreibung einer Triglossie-Situation
Fernand Hoffmann [Autor]
1979
DEU
1979
Etüden 1. Gedichter op Lëtzebuergesch
Fernand Hoffmann [Autor]
1980
LTZ
1980
Zu Gast bei Fred Laroche. Tischgespräche über Kultur und Literatur, vornehmlich luxemburgische, nebst einer Ouvertüre und etlichen Intermezzi
Fernand Hoffmann [Autor]
1980
DEU
1980
Kuurz a gudd oder De Rommel-de-Fiff. Sprëchelcher fir den Dag a fir d'Stonn
Fernand Hoffmann [Autor]
1981
LTZ
1981
Nachträgliche Erhebungen. Erzählung
Fernand Hoffmann [Autor]
1981
DEU
1981
Zwischenland. Dialektologische, mundartphilologische und mundartliterarische Grenzgänge
Fernand Hoffmann [Autor]
1981
DEU
1981
Heimkehr ins Reich der Wörter. Versuch über den Schweizer Schriftsteller Gerhard Meier
Fernand Hoffmann [Autor]
1982
DEU
1982
Brandstifter gesucht. Eine ländliche Kriminalgeschichte
Fernand Hoffmann [Autor]
1983
DEU
1983
Die zahme Krähe. Roman
Fernand Hoffmann [Autor]
1986
DEU
1986
Die Streuwiese. Roman
Fernand Hoffmann [Autor]
1988
DEU
1988
Pitterchen. Roman
Fernand Hoffmann [Autor]
1992
DEU
1992
Thomas Mann und seine Welt
Fernand Hoffmann [Autor]
1992
DEU
1992

Mitarbeit bei Zeitungen

Titel der Zeitung Benutzte Namen
Academia. Mitteilungen aus dem Luxemburger Katholischen Akademiker-Verein
Fernand Hoffmann
Bulletin des instituteurs réunis du Grand-Duché de Luxembourg
Fernand Hoffmann
Cahiers luxembourgeois (Les). revue libre des lettres, des sciences et des arts
Fernand Hoffmann
Eis Sprooch (Actioun Letzebuergesch)
Fernand Hoffmann
Galerie. Revue culturelle et pédagogique
Fernand Hoffmann
Germanistik. Publications du Centre universitaire de Luxembourg. Département des lettres allemandes
Fernand Hoffmann
Lëtzebuerger Land (d') / d'Letzeburger Land / LL. unabhängige Wochenschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur
Fernand Hoffmann
Lore and Language. Centre for English Cultural Tradition and Language
Fernand Hoffmann
Luxemburger Wort / d'Wort / LW
F.H.
Fernand Hoffmann
Mitteilungen der Stefan-Andres-Gesellschaft
Fernand Hoffmann
NEeuropa / Nuova Europa : revista d'arte e letteratura = Nouvelle Europe. Revue d'art et de littérature
Fernand Hoffmann
nos cahiers. Lëtzebuerger Zäitschrëft fir Kultur
Fernand Hoffmann
Nouvelle Revue luxembourgeoise : Academia. éditée par l'Association luxembourgeoise des universitaires catholiques
Fernand Hoffmann
Stimmen der Zeit. Die Zeitschrift für christliche Kultur
Fernand Hoffmann
Warte (Die) = Perspectives. Supplément culturel du Wort
Fernand Hoffmann
Fred Laroche
Nepomuk Loquipossum

Sekundärliteratur in Auswahl (Autor & Gesamtwerk)

Autor Jahr Info
1964-1967 Geschichte der Luxemburger Mundartdichtung. Erster Band: Von den Anfängen bis zu Michel Rodange. Zweiter Band: Von Aendréi Duchscher bis zur Gegenwart. Mit einer Bibliographie von Carlo Hury und einem Geleitwort von Prof. Dr Hugo Moser
1967 Fernand Hoffmann, Literaturprofessor, Sprachmeister und Kritiker. In: Le Phare 14.10.1967
Pit Schlechter
1974 Triviales Theater. Untersuchungen zum volkstümlichen Theater am Beispiel des luxemburgischen Dialektdramas von 1894-1940
1987 Radioscopie de la littérature luxembourgeoise sur la seconde guerre mondiale. Bibliographie annotée des publications autonomes des quarante dernières années
Robert Thill
1989 Plagiat als Methode. Fernand Hoffmann und seine Quellen. In: d'Lëtzebuerger Land 22.09.1989
1994 Brücken schlagen… "Weit draußen auf eigenen Füßen". Festschrift für Fernand Hoffmann
1999 Dictionnaire de la francophonie luxembourgeoise, suivi d’une Anthologie d’auteurs francophones luxembourgeois contemporains. [Cahiers francophones d’Europe Centre-Orientale; Hors série]
2000 Fernand Hoffmann - Pädagoge, Schriftsteller und Wissenschaftler (1929-2000) In: Die Warte-Perspectives 14.12.2000
Joseph Kohnen
2001 Bene meritus est. Zum Tode Fernand Hoffmanns. In: nos cahiers 22 (2001) 1, S. 9-15
2003 der aufstand der allliteraten. eine subjektive chronologie des zickzackkurses der federhalter. notizen zur entwicklung der luxemburger literatur in der zweiten jahrhunderthälfte
2005 Précis d’histoire de la littérature en langue luxembourgeoise
2013 Einer lateinischen Widmung auf der Spur. Fernand Hoffmanns "Standort Luxemburg". In: Die Widmung = La dédicace, S. 208-213
Nicole Sahl
2014 "Gibt es eine Luxemburger Literatur in fremden Sprachen, eine "wirkliche" Literatur in Luxemburg?" Zu einem Brief von Fernand Hoffmann an Michel Raus. In: Fundstücke = Trouvailles (1) 2012/2013, S. 230-237
Samuel Hamen
2016 Fernand Hoffmanns unveröffentlichtes Hörspiel "Der Hauptmann und sein Tabakhändler oder Ein Berliner in Luxemburg". In: Fundstücke = Trouvailles (2) 2014/2015, S. 220-221

Sekundärliteratur zu den einzelnen Werken

Titel Jahr yearsort
Standort Luxemburg. Mit einem Vorwort von Christian Calmes und 9 Zeichnungen von Jean-Paul Hoffmann 1974 1974
Sprachen in Luxemburg. Sprachwissenschaftliche und literarhistorische Beschreibung einer Triglossie-Situation 1979 1979
Etüden 1. Gedichter op Lëtzebuergesch 1980 1980
Zu Gast bei Fred Laroche. Tischgespräche über Kultur und Literatur, vornehmlich luxemburgische, nebst einer Ouvertüre und etlichen Intermezzi 1980 1980
Brandstifter gesucht. Eine ländliche Kriminalgeschichte 1983 1983
Pitterchen. Roman 1992 1992

Archiv


Privatbesitz
Rhein-Kreis Neuss, Internationales Mundartarchiv "Ludwig Soumagne", Nachlass Fernand Hoffmann

Mitgliedschaft

Name
Die Kogge. Europäische Autorenvereinigung e.V. (Minden)
Institut grand-ducal Section de linguistique, de folklore et de toponymie (1935-97)
Institut grand-ducal Section des arts et des lettres
Stefan-Andres-Gesellschaft
Zuletzt geändert 24.05.2016