Gab Weis

Gabriel Weis [geb.]

Pseud.: gab ; gabweis

Steinfort - Luxemburg


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Gab Weis
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Gab Weis besuchte die Grundschule in Steinfort und die Industrie- und Handelsschule in Luxemburg (1939-1944). Da er sich während der Kriegsjahre bei der Hitlerjugend engagiert hatte, kam er von Dezember 1944 bis Dezember 1945 in Untersuchungshaft, er war zuerst in einem Lager in Esch-Belval, dann in einem Arbeitslager in Fouhren, wo er bei Minenräumarbeiten und beim Bergen von Soldatenleichen im Oesling eingesetzt wurde. Ende 1945 wurde er vom Jugendrichter freigesprochen. Von 1946 bis 1948 leistete er seinen luxemburgischen Militärdienst in einer Kaserne in Bitburg. Von 1948 bis zum Ende der 1950er Jahre beteiligte sich Gab Weis, der Architekturkurse per Fernstudium belegt hatte, als „technicien en bätiment“ unter der Leitung vom Viandener Architekten Pierre Grach im Norden des Landes, vor allem in Vianden, am Wiederaufbau unzähliger öffentlicher Bauten, die durch die Rundstedt-Offensive zerstört worden waren. Gab Weis arbeitete bis zu seiner Pensionierung Anfang der 1990er Jahre im Architekturbereich.

Gab Weis zeichnete und malte seit seiner Jugend, u. a. angespornt durch seine Lehrer Harry Rabinger und Felix Glatz. Karikaturen, Comics, Illustrationen für Kurzgeschichten, Titelseiten von Benny und Jenny und Architekturzeichnungen aus seiner Feder erschienen ab 1945 trat in den Zeitungen und Zeitschriften Luxemburger Wort, Familienblatt (ab 1946), d’Lëtzebuerger Land, dort auf der Satireseite Ellespill, Luxemburger Bauernkalender (1952-1980), Luxemburger Marienkalender, den Cahiers luxembourgeois, An der Ucht (ab 1950), Benny a Jenny und Zack. Weis illustrierte Lokalbroschüren sowie Bücher von Marcel Noppeney, Jean Milmeister, John Thillens, Jean Haan, Hary Turpel und L.M. Frising. Nachdem Gab Weis die Comics 1972 eingestellt hatte, widmete er sich nur noch der Malerei und nahm zwischen 1982 und 1993 teil an Einzel- und Sammelausstellungen in Luxemburg-Stadt, wo er vor allem Aquarelle zeigte.

Am Bekanntesten ist Weis‘ Zusammenarbeit als Comiczeichner mit der Wochenzeitschrift Revue, in der er zuerst von 1946 bis 1951 eine eigene Witzseite innehatte. In der Nachfolge der Bildergeschichten von Pe'l Schlechter (De Bim an de Jopi, 1948 in der Revue) und von Felix Mersch (De Menn an de Benn, ab 1948 in den Zeitungen Letzeburger Kanner und Benny a Jenny) ist Gab Weis der dritte Luxemburger Comic-Zeichner. Texte und Bilder stammen, bis auf eine Ausnahme, immer von ihm selbst. Meist bedient er sich humoristischer Zeichnungen. Anfang 1952 startete er in der Revue mit dem Comic-Märchen Edelmut und Rosalinde, bei dem sich der erzählende Text unter den Bildern befindet. Der junge Prinz Edelmut muss allerlei Abenteuer bestehen, um die Prinzessin Rosalinde, Tochter des Nachbarkönigsreichs, von einem bösen König und einer grausamen Hexe zu befreien. Er wird begleitet von seinen getreuen Knappen Kuntz und Taro, die für witzige Einlagen sorgen.

Im Sommer 1952 erscheint die erste Folge der Bildergeschichten mit den Abenteuern vom jungen Mil, einem luxemburgischen Pfadfinder und späteren Hobby-Detektiv, der auf Verbrecherjagd geht. Zeichnerisch ist Mil der Ligne claire zuzurechnen. Besonders in der Anfangszeit finden sich auch in den Geschichten starke Anleihen bei Figuren von Hergé, wie etwa dem Pfadfinder Totor oder dem Journalisten und Detektiv Tintin. Mil wird oft begleitet vom Amerikaner Billy Brainless, der, wie Kapitän Haddock, Alkoholprobleme hat. An Mils Seite tauchen auch als regelmäßige Begleiter die Polizisten Bomlop in Luxemburg und Jim Bull in London, die Freunde Billy Brainless mit seinem Sohn Jimmy, Lord Allister mit seiner Tochter Margy oder die Bösewichte Dick Darm, Big Black, Fladenmisch und Quantakostopulos auf, der Name des letzteren erinnert an den Tintin-Gegner Rastapopoulos. Die Mil-Reihe wird von Gab Weis fast ohne Unterbrechung zwischen 1952 und 1972 fortgesetzt. Mils Abenteuer führen diesen schnell über die Landesgrenzen hinaus in die ganze Welt, unter den Meeresspiegel und sogar ins Weltall. Bei den ersten Mil-Geschichten befanden sich die Texte unter den Bildern und nicht in Sprechblasen. Ab 1955 wird der Text in Sprechblasen eingesetzt, angefangen bei Tour de Luxembourg (im Comic-Strip-Format) und bei Eine Fahrt ins Grüne, wo Mil zusammen mit seinen Pfadfinderfreunden Tunni und Metty auftritt. Mit der Zeit werden die Zeichnungen detailreicher durchgeführt. Ab 1968 erscheinen einzelne Folgen von Dartmoor hält nicht dicht mit einfarbig eingefärbtem Hintergrund, im Zwei- oder sogar Vierfarbdruck. Die Mil-Reihe wird nach einer zehnjährigen Pause in der Revue von Gab Weis‘ Sohn Serge Weis weitergeführt.

In der Revue wechseln die 18 Geschichten um den jungen Detektiv ab mit anderem Comics aus ganz verschiedenen Gattungen. Wir finden etwa zwei weitere Rittergeschichten, Ritter mit Furcht ohne Tadel (1954-1955), mit den Antihelden Himpo und Hampo sowie die in der Ritterzeit angesiedelte Parodie auf die deutsche Besatzung während des Zweiten Weltkriegs Klèng - ma: Rèng (1965-1967) mit den Helden Fôs und Klôs, die wie Asterix und Obelix daherkommen. In den 1950ern erscheinen auch immer wieder einzelne Comic Strips ohne Text über den Lausbuben Pit. Zirkus Bal, eine Reihe mit abgeschlossenen Kurzgeschichten rund um den Zirkusdirektor Hanni Bal und seine Familie (1957-1959, mit Unterbrechungen) hat keine Texte von Gab Weis, dieser Comic greift als Einziger auf Texte von Pol Mol alias Paul Weitz zurück; hier stehen die Texte, wie in den frühen Bildergeschichten, wieder unter den Bildern. Die Erlebnisse von Uff und Sammy (1962-1963) stellt die Freundschaft zwischen dem Indianerhäuptlingssohn Uff und dem Sheriffsohn Sammy im Wilden Westen in den Mittelpunkt. In den verschiedenen Kurzgeschichten beweisen die Jungs ihren Mut, aber auch ihre Schläue. Hier könnten als Vorbilder der Indianer Oumpah-Pah und sein weißer Freund Hubert de la Pâte Feuilletée aufgeführt werden, die ersten Figuren von René Goscinny und Albert Uderzo im Journal de Tintin (1958).

Auch in den katholischen Kinderzeitschriften Benny a Jenny und Zack erschienen Comics von Gab Weis. Vinz. Die Geschichte eines braven und mutigen Jungen (1959) ist noch in der Märchentradition angesiedelt und erzählt vom Sohn eines armen Holzhackers, der mit Hilfe einer Fee und zweier Zwerge aus einem bösen König einen guten König machen kann. In Ferien bei Onkel Metti (1959-1964) erleben die Kinder Benni und Jenni bei ihrem Onkel im Ösling einige Abenteuer und erbringen viele gute Taten, hier sind die Geschichten in der Gegenwart angesiedelt. Mit Weis erstem historischem Realcomic Otis (1964-1965) ist ein Zeitsprung in die Zeit der römischen Besiedlung Galliens angesagt, hier hilft ein gallisches Findelkind, das von Römern aufgezogen wurde, bei der Verständigung zwischen den bis dahin verfeindeten Völkern. In Von Zweien, die auszogen, das Wundern zu lernen: Die Wunderreise (1966-1967), nach einer Idee von Jean Milmeister (1966-1967) gewinnen zwei luxemburgische Kinder einen Flug und eine 30-tägige Rundreise durch Amerika und entdecken so die Wunder der Technik und der Natur der USA. Es handelt sich um einen in der Gegenwart angesiedelten Realcomic, mit Erzähltext unter den Bildern. Plim's Abenteuer (1967-1970) erzählen vom Jungen Plim, der mit der Hilfe einer Zauberfeder an seiner Mütze durch die Welt und durch die Zeit reist, zu den Eskimos auf Grönland, nach Afrika zur Safari oder als Retter einer Mondmission ins Weltall. Der Schluss der dritten Staffel fehlt.

Die Rotkreuz-Jugendschrift Revue de la jeunesse veröffentlicht ab 1977 Neuauflagen einiger Gab Weis-Comics. Edelmut und Rosalinde erscheint ungekürzt zwischen 1977 und 1980, mit schwarz-weißen Zeichnungen. Die ersten beiden Abenteuer von Mil, Die Burggespenster (1980/81) und Die große Jagd (1981/82) werden in abgeänderter Form veröffentlicht. Der Text, der sich im Original unter den Bildern und nicht in Sprachblasen befindet, wird ungekürzt unter einer Auswahl von teils von Paul Katow eingefärbten Bildern abgebildet. Zwischen 1982/83 und 1991/92 folgen mit ungekürzten Texte und wiederum von Paul Katow teilweise eingefärbten Bildern die Mil-Abenteuer Fliegende Untertassen, Eine Fahrt ins Grüne, Mil und der goldene Hund, Kommissar Bomlop unter Verdacht sowie Brainless und Co.

Die insgesamt 1424 Seiten Comics, die Gab Weis im Laufe der Jahre gezeichnet hat, entsprechen ca. 30 Standard-Comicalben zu 48 Seiten, sie erschienen jedoch nur in Zeitungen und Zeitschriften. Die in einzelnen Artikeln erwähnten Veröffentlichung von Alben oder Lizenzausgaben in Zeitungen im Ausland konnten nicht belegt werden. Die von Mil jahrelang verkörperte luxemburgische Comictradition sollte auch als Inspirationsquelle dienen für die in den 1980ern angedachte Schaffung einer nationalen Comicfigur, aus der sich der Superjhemp von Roger Leiner und Lucien Czuga entwickeln sollte.

Nicole Sahl

Werke

Titel Jahr Sprache Genres yearsort
Liste der Comics von Gab Weis 1952-1972 (& Reprints 1977-1992)
Gab Weis [Autor(in)]
Gab Weis [Comiczeichner(in)]
1952-1992
DEU
1952

Mitarbeit bei Zeitungen

Titel der Zeitung Benutzte Namen
An der Ucht. Letzeburger Familjekalenner
Gab Weis
Bauerekalenner / Letzeburger Bauere-Kalenner
Gab Weis
Benny a Jenny
Gab Weis
Cahiers luxembourgeois (Les). revue libre des lettres, des sciences et des arts
Gab Weis
Luxemburger Wort / d'Wort / LW
Gab Weis
Marienkalender / Luxemburger Marienkalender / Lëtzebuerger Panorama
Gab Weis
Revue / Lëtzebuerger illustréiert Revue
Gab Weis
Zack
Gab Weis

Sekundärliteratur in Auswahl (Autor & Gesamtwerk)

Autor Jahr Info
k. (Jean Kiefer)
1953 Wir stellen vor: Gab Weis. In: Revue 9(19.12.1953) Nr. 51, S. 14-15.
Maurice Spautz
Serge Weis
1981 BD in Luxemburg. Vor fast 30 Jahren debütierte Gab Weis in der BD [mit Bibliographie, erstellt von Serge Weis]. In: Pulps Magazine N° 2 1981, S. 22-23
jak (Nic Jakob)
1982 Gab Weis stellt Aquarelle aus. Mils Vater ist ein vielseitiger Künstler. In: Revue 37(6.2.1982) 6, S. 7
Roger Spautz
1982 [Rezension zu Ausstellungen]. In: Lëtzebuerger Journal 26.1 und 30.1.1982.
1987 Karikaturisten in Luxemburg: Gab Weis. In: Revue (19.03.1987) Nr. 12, S. 50-51.
Lambert Herr
1992 Anthologie des arts au Luxembourg
Carlo Kass
1993 "Weise Gab", der Karikaturist. Mil’s Vater. In: Lëtzebuerger Journal 23.9.1993, S. 8
2016 Dem Tintin seng Kollegen, dem Hergé seng Konkurrenten. In: radio 100 komma 7, 15.10.2016

Referenzwerke

Autor Jahr Info yearsort
Luke Haas
2007 Comics in, aus und über Luxemburg 2007
Zuletzt geändert 28.09.2018