Margret Steckel

Margret Morsh-Steckel

Ehmkendorf ()


Foto: Margret Steckel
Margret Steckel
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Margret Steckel wuchs in der Nähe von Rostock auf einem Gutshof auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Familie vom SED-Regime enteignet. Margret Steckel verließ die DDR nach dem Abitur 1955. In Westberlin absolvierte sie ein Dolmetscher- und Übersetzerstudium. Sie arbeitete zunächst als Dramaturgin für die Filmproduktionsgesellschaft 20th Century Fox Film Corporation, übersetzte Synchronbücher aus dem Englischen und schrieb selbst ein Drehbuch. 1964 ließ sie sich aus familiären Gründen in Irland, später in England nieder. In dieser Zeit schloss sie ein Fernstudium der deutschen Literatur ab. 1983 zog sie nach Luxemburg.

Margret Steckel, die seit 1962 Erzählungen schreibt, nahm 1989 am Literaturwettbewerb der Frauenzeitschrift Bild der Frau und der Lambda Edition in Hamburg teil und schrieb, angeregt von der Barschel-Affäre, die Erzählung Aus-Weg-Los über den Selbstmord eines Politikers. 1993 folgte ihr erster Roman, Nie wieder nirgendwo, in dem, ausgelöst durch das Wiedersehen der Ich-Erzählerin mit den Orten ihrer Kindheit, die Erinnerung an eine Jugendliebe in der DDR beschrieben wird. Margret Steckel beschäftigt sich in ihren Romanen, Novellen und Erzählungen immer wieder mit der deutschen Geschichte. So führt Der Letzte vom Bayrischen Platz (1996) in das nationalsozialistische Berlin der 30er Jahre und in Die Träne aus der Wand  (2000) werden in einer erzählerischen Doppelbewegung die in den 30er Jahren angesiedelte mecklenburgische Kindheit der Hauptfigur und ihr Wiedersehen mit dem längst verloren geglaubten Elternhaus nach der Wende geschildert.  Aus diesen oft autobiografisch geprägten Werken sticht Steckels akribische Analyse des Erinnerungsprozesses hervor, ein Thema, das auch den im Jahr 2010 publizierten Roman Servais durchzieht. Servais ist zugleich historischer Roman und Familienroman, und erzählt, am Beispiel der Familie Servais, über fünf Generationen, auch zu Emmanuel Servais, Félix Servais und Franz Servais, den politischen und wirtschaftlichen Aufschwung Luxemburgs und die persönlichen Krisenerfahrungen Einzelner.

Margret Steckel entlarvt in ihren Texten, zunehmend seit 2000, den Schein von angeblich funktionierenden individualen und gesellschaftlichen Beziehungen und schildert die Hilflosigkeit des Menschen im Konflikt zwischen Willensfreiheit und der Konfrontation mit dem Realen. Sie diagnostiziert Formen der Machtausübung in Beziehungen mittels der Darstellung privater Tragödien, zerbrechender Ehen sowie Generationen- und Geschlechterkonflikten. So sucht die weibliche Hauptfigur in Die Schauspielerin und ich (2003) in einer fiktiven Doppelbiografie nach ihrer eigentlichen Bestimmung und auch die Protagonistin aus Drei Worte hin und her (2014) sehnt sich inmitten der Zerrissenheit einer Dreiecksbeziehung nach einem tieferen emotionalen Halt. Im Wechselspiel zwischen Einsamkeit, Verlust und Trauer und der Kraft einer komplexen Gefühlswelt ruhen die Figuren letztlich in sich selbst, so auch in den Erzählungen der Sammlung Ins Licht sehen, die 2016 neue und bereits vorher publizierte Texte vereint. Hier findet sich u.a. der Text Ein Wiedersehen, aus dem der Roman Die Träne aus der Wand entstand.

Margret Steckel veröffentlicht in Galerie, Lëtzebuerger Almanach, Carrière, Les Cahiers luxembourgeois, Revue, d'Lëtzebuerger Land, WOXX und Westermanns Monatshefte. Sie steuerte Beiträge für das RTL-Magazin Frequenzen bei und schreibt Literaturkritiken in Journal und Livres-Bücher.

1982 erhielt sie den Literaturpreis für Kurzprosa der Hamburger Autorenvereinigung, 1990 den ersten Preis im OKR(Ostdeutscher Kulturrat)-Erzählwettbewerb Offene Grenzen, 1992 wurde die Kurzgeschichte Wenn Tante Anna kommt beim Concours littéraire national ausgezeichnet, 1997 erhielt Margret Steckel den Servais-Preis für Der Letzte vom Bayrischen Platz. Sie war Mitglied des LSV bis zu dessen Auflösung 2016 und ist Mitglied des P.E.N. Zentrum Deutschland.

Claude D. Conter / Nathalie Jacoby

Mitarbeit bei Zeitungen

Titel der Zeitung Benutzte Namen
Cahiers luxembourgeois (Les). revue libre des lettres, des sciences et des arts
Margret Steckel
Carrière. Eischte Lëtzebuerger Fraëmagazin
Margret Steckel
Galerie. Revue culturelle et pédagogique
Margret Steckel
Lëtzebuerger Almanach. Red.: Georges Hausemer ; Gestalt.: Heng Ketter
Margret Steckel
Lëtzebuerger Journal / Letzeburger Journal / Journal / LJ. Politik, Finanzen a Gesellschaft
Margret Steckel
Lëtzebuerger Land (d') / d'Letzeburger Land / LL. unabhängige Wochenschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur
Margret Steckel
Livres - Bücher. Un supplément du Tageblatt
Margret Steckel
Revue / Lëtzebuerger illustréiert Revue
Margret Steckel
Westermanns Illustrierte deutsche Monatshefte. ein Familienbuch für das gesamte geistige Leben der Gegenwart
Margret Steckel
WOXX / Grénge Spoun. déi aner Wochenzeitung = l’autre hebdomadaire
Margret Steckel

Sekundärliteratur in Auswahl (Autor & Gesamtwerk)

Autor Jahr Info
Danièle Michels
1993 Margret Steckel. In: Lëtzebuerger Revue 48 (1993), 16, S. 78f.
Claudia Feischen
1997 Literaturpreis der Fondation Servais für Margret Steckel. Interview. In: cid-info 3 (1997).
1998 Annäherungen, Abgrenzungen ... Laudatio. In: Remise du prix Servais 1997 à Madame Margret Steckel, S. 6-19
1998 Remise du prix Servais 1997 à Madame Margret Steckel
2003 der aufstand der allliteraten. eine subjektive chronologie des zickzackkurses der federhalter. notizen zur entwicklung der luxemburger literatur in der zweiten jahrhunderthälfte
[2009] Bibliographie sélective de Margret Steckel, avec articles et contributions, faite par le CNL [jusqu’en 2009]
Nathalie Jacoby
2017 Eine Fahrt ins Jetzt und Einst : Margret Steckels Gemälde "Ehmkendorf". In: Aufbewahrt! = À Conserver!, S. 378-387

Sekundärliteratur zu den einzelnen Werken

Titel Jahr yearsort
Der Letzte vom Bayrischen Platz. Erzählung 1996 1996
Die Träne aus der Wand 2000 2000
Rosen, Rosen. Drei Novellen 2000 2000
Die Schauspielerin und ich 2003 2003
Auf Rufweite. Erzählung 2007 2007
Servais. Roman einer Familie 2010 2010
Drei Worte hin und her. Roman 2014 2014
Ins Licht sehen. Erzählungen 2016 2016

Literaturpreise

Name Auszeichnung Ausgezeichnetes Werk Jahr
Literaturpreis der Hamburger Autorenvereinigung Literaturpreis für Kurzprosa 1982
OKR [Stiftung Ostdeutscher Kulturrat] Erzählerwettbewerb 1. Preis Wachen oder träumen (Thema: Offene Grenzen – Die Freiheit hat gesiegt) 1990
Concours littéraire national Preis - Kurzgeschichte Wenn Tante Anna kommt 1992
Prix Servais Servais-Preis Der Letzte vom Bayrischen Platz 1997

Mitgliedschaft

Name
LSV - Lëtzebuerger Schrëftstellerverband [1985-2016]
PEN International. Zentrum Deutschland
Zuletzt geändert 21.02.2017