Nathalie Ronvaux

Luxemburg


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Nathalie Ronvaux
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Nathalie Ronvaux ist die Tochter belgischer Eltern und besuchte die Grundschule in Bartringen, das Lycée technique Michel Lucius in Luxemburg und das Institut Sainte-Marie in Arlon. Nachdem sie ein Jahr Kriminalistik in Lausanne studiert hatte, arbeitete sie von 2000 bis 2008 für die Berufskammer in Luxemburg, wo sie als Beraterin für kleine und mittlere Betriebe zuständig war. Von 2008 bis 2009 war sie beim Kasemattentheater zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, Verwaltungs- und Produktionsfragen. 2011-2012 war sie Produktionsdirektorin für LuxAnimation. Ab 2012 arbeitete sie als Koordinatorin und Verwaltungsleiterin für den CEPA (Cercle européen pour la Propagation de l’Art). Seit 2016 arbeitet Nathalie Ronvaux als freie Schriftstellerin. Sie ist kürzlich dem Team der Kulturfabrik in Esch/Alzette beigetreten und arbeitet dort als Direktionsassistentin und Projektleiterin.

Nathalie Ronvaux, die Schauspielkurse am Musikkonservatorium in Luxemburg belegte, ist zunächst als Organisatorin, Regisseurin und Autorin im Theaterbereich aktiv. Sie führte Regie bei Theaterstücken, 2010 zusammen mit Marc Rettel bei der Inszenierung von Guy Foissys Stück La Dame au violoncelle, dann alleine im gleichen Jahr bei E Wäibierg an Alaska von Jay Schiltz beim Steinforter Festival sowie 2011 bei L’Atelier d’écriture von David Lodge am Théâtre ouvert Luxembourg. Im Dezember 2010 wurde ihr erstes Bühnenstück Échographie am Théâtre du Centaure im Rahmen der Reihe "Frauen und Gewalt" aufgeführt.

Seit 2010 ist Nathalie Ronvaux als Dichterin und Autorin tätig. Sie veröffentlichte Vignes et louves, ein Gedichtband, der den Prozess der Selbstfindung in Verbindung mit Beziehungsfragen und Selbsteinschätzung beschreibt. Die Gewalt ihrer Bildersprache, ihre surrealistischen Bilder sowie die Knappheit ihres minimalistischen Stils erinnern an Gedichte von Anise Koltz. Der Band La liberté meurt chaque jour au bout d’une corde, als Basis einer historischen Ausstellung im Musée de la Résistance in Esch/Alzette, ist eine poetische Hommage an luxemburgische Widerstandsbewegungen während des Zweiten Weltkrieges. Im Gedichtband Vol de nuit à ciel ouvert lädt die Dichterin mit einer präzisen und einschneidenden Sprache in eine Dämmer- und Traumwelt ein. 2014 veröffentlichte die Autorin eine Sammlung von Theatertexten, La Vérité m‘appartient, die ein gleichnamiges Stück sowie drei andere Texte für die Bühne beinhaltet. La Vérité m’appartient dreht um die Konfrontation zwischen zwei Frauen, Mia und Mannopper, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg gegenseitig der Kollaboration beschuldigen. Inspiriert von Archivdokumenten aus den Jahren 1946 bis 1957 folgt dieses fiktive Stück verschiedenen Befragungen, die die Komplexität des Unterscheidungsvermögen zwischen Wahrheit und Lüge in den Nachkriegsjahren anführen. 2016 wurde das Stück von Charles Muller inszeniert und im Kapuzinertheater sowie im Escher Stadttheater aufgeführt. Die drei anderen Texte - Histoire(s), Échographie, und Enterre-moi - schildern abwechselnd unklare Zeugenaussagen zu einem sexuellen Vergehen sowie die problematische Gegenüberstellung von Vergangenheit und Gegenwart, stellen den Monolog einer schwangeren Frau dar, die von der Erinnerung an die verstörte Mutter, die eine Kindstötung begangen hat, geprägt ist, und führen ein Gespräch zwischen zwei Frauen, die unter patriarchalischer Unterdrückung leiden, aus. 2015 veröffentlichte Nathalie Ronvaux zusammen mit Bertrand Ney das Künstlerbuch Les nuits blanches, das Gedichte und Siebdrucke beinhaltet. 2016 zeichnete sie verantwortlich für Il n'y a rien ... Il y a tout ..., ein Künstlerbuch mit Gedichten der Autorin und Zeichnungen des Künstlers Robert Brandy.

Nathalie Ronvaux veröffentlichte zudem Beiträge in der belgischen Literaturzeitschrift Traversée und in der Zeitschrift Sguardi e voci giovani sull’Europa von der Académie d’Espagne in Rom. Texte von ihr erschienen auch in Sammelbänden, etwa Hasta la vista, Johnny! (2011), Erënnerungsraim (2013), Fabula rasa (2013), Fragment 3793 (2013), e-gutenberg (2014), Fester feieren (2014), Migrant (2015), Quo vadis Europa? (2015) sowie im Ausstellungskatalog Korrekturspuren. Textmetamorphosen (2015). Des Weiteren lieferte sie Beiträge für die literarische Beilage Lesezeit–Lectures pour tous des Luxemburger Worts, u.a. mit Rezensionen zu Edmond Dune, Jean Krier und Hélène Tyrtoff, sowie für die Tageblatt Beilagen Livres-Bücher und kulturissimo, die Zeitschrift forum und die Cahiers luxembourgeois.

Nathalie Ronvaux nahm des Weiteren regelmässig an literarischen und kulturellen Veranstaltungen teil, etwa Lesungen in der Kulturfabrik oder im Kinneksbond, oder Performances, zum Beispiel während der Nacht der Museen 2013. Gemeinsam mit Serge Basso de March und Linda Ortolani leitete sie einen Schreibkursus für Schüler im Lycée Bel-Val, deren Gedichte im Sammelband Les yeux sans frontière du poème (2013) erschienen. 2014 wirkte sie mit sechs anderen luxemburgischen Autorinnen an „Mat Leif an Séil“ mit, einer Bühnenfassung verschiedener Texte um Liebe, Sexualität, Begierde, Fantasievorstellungen und Innigkeit. 2014 beteiligte sie sich auch am Projekt „Textes sans frontières“, einer luxemburgisch-lothringischen Zusammenarbeit um szenische Lesungen zeitgenössischer Texte. Im Rahmen des Festivals concordan(s)e zeichnete sie 2015, zusammen mit der Tänzerin Anne-Mareike Hess,  für eine Performance (Seule à seule) rund um die Begegnung zwischen Literatur und Tanz verantwortlich. 2016 nahm sie, in Zusammenarbeit mit der Mission culturelle du Luxembourg en France, an einer Autorenresidenz in der Stiftung Biermans-Lapôtre in Paris teil. 2017 gehörte sie zu den zehn Schriftstellern, die für das Projekt « New voices from Europe » ausgewählt wurden. Das Projekt bietet vielversprechenden, außerhalb ihres Landes jedoch weniger bekannten europäischen Schriftstellern eine Plattform.

2010 wurde Nathalie Ronvaux' Manuskript Vignes et louves mit dem Förderpreis der Fondation Servais ausgezeichnet und sie vertrat das Großherzogtum bei der Autorenresidenz im Schloss von Pont d’Oye. 2013 wurde sie für ihr Stück La Vérité m’appartient mit dem ersten Preis beim Concours littéraire national ausgezeichnet. 2015 wurde die Autorin von Le Jeudi zur « Frau des Jahres » in der Kategorie Kultur gewählt.

Frank Wilhelm / Ludivine Jehin

Mitarbeit bei Zeitungen

Titel der Zeitung Benutzte Namen
Cahiers luxembourgeois (Les). revue libre des lettres, des sciences et des arts
Nathalie Ronvaux
forum. fir kritesch Informatioun iwer Politik, Kultur a Relioun
Nathalie Ronvaux
kulturissimo. mensuel culturel et socio-politique
Nathalie Ronvaux
Lesezeit - Lectures pour tous. Supplément commun de Luxemburger Wort et d'Voix
Nathalie Ronvaux
Livres - Bücher. Un supplément du Tageblatt
Nathalie Ronvaux
Traversées. Revue littéraire trimestrielle
Nathalie Ronvaux

Sekundärliteratur in Auswahl (Autor & Gesamtwerk)

Autor Jahr Info
Janina Strötgen
2010 La richesse et la beauté se trouvent dans la simplicité. Prix d’encouragement pour Nathalie Ronvaux. In : Tageblatt, n° 155, 07.07.2010, p. 19
2010 Un vif esprit d’entreprise : rencontre avec Nathalie Ronvaux, lauréate du prix d’encouragement de la Fondation Servais. In: La Voix du Luxembourg, n° 107, 08.05.2010, p. 17
Nadine Ewerling
2010 Wéini hält en Dram op, en Dram ze sinn? Steinforter Festival: "E Wäibierg an Alaska" von Jay Schiltz, in einer Inszenierung von Nathalie Ronvaux. In: Tageblatt 21.07.2010, S. 20.
2011 Comment une jeune personne ose-t-elle vouer un culte à Polymnie? Éloge du manuscrit "Vignes et louves" de Nathalie Ronvaux, Prix d'Encouragement de la Fondation Servais 2010. In: Remise du Prix Servais 2010 à Monsieur Guy Rewenig (Tania Naskandy), p. 29-46
Chloé Murat
2011 'Pour moi, écrire c'est comme un besoin vital' . In : L'essentiel, n° 962, 06.12. 2011, p. 6
Marie-Laure Rolland
2011 Tous les chemins mènent à la scène : création de 'L'atelier d'écriture' au TOL. Premier projet d'envergure pour la metteuse en scène Nathalie Ronvaux. In : Luxemburger Wort, n° 16, 20.02.2011, pp. 14-15
Janina Strötgen
2014 „Die Neugierde treibt mich voran“. Interview mit Nathalie Ronvaux, Preisträgerin des diesjährigen Literaturwettbewerbs- Verleihung heute Abend. In: Tageblatt, 03.12.2014, S.12.
Janina Strötgen
2014 Mut zur Unsicherheit. Unabhängigkeit. Auf einen Kaffee mit der Schriftstellerin Nathalie Ronvaux. In: Tageblatt, 29.12.2014, S.29
Marie-Laure Rolland
2014 "Une véritable écriture théâtrale". Nathalie Ronvaux a été distinguée pour sa pièce de théâtre "La vérité m’appartient". In : Luxemburger Wort, 04.12.14, p. 13.
Florence Becanne
2015 À la rencontre de l'inconnu. Quand la danse et la littérature s'inspirent. In: Le Jeudi, 05.02.2015, p.25
Josée Zeimes
2015 „Ballottés entre deux pays“. In: Le Jeudi, n°13, 26.03-01.04.2015, p.24 [zu: Furcht und Wohlstand im Luxemburger Land]
Fabienne Gilbertz
2015 „"Don't laugh, because it's true". Sammelband "Migrant" verbindet humorvolle und ernsthafte Blicke auf das Thema Migration“. In: Livres = Bücher, mai-juin 2015, p.12
2015 Éternel entre-deux. In: WOXX, 13.03.2015, p.12-13
Josée Hansen
2015 „Faut pas être raciste“. In: d'Lëtzebuerger Land, 27.03.2015, p.15 [zu: Furcht und Wohlstand im Luxemburger Land]
Uli Botzler
2015 Früchte langer harter Arbeit. Nathalie Ronvaux. In: Télécran, Nr.52, 2015, S.138-139
M.-A.L. (?) (Marie-Anne Lorgé)
2015 Qualité : délicatesse. Nathalie Ronvaux - La Culture. In: Le Jeudi, 05.02.2015, p.6
Ludivine Jehin
2016 Petits compromis à la belge (1): Nathalie Ronvaux. Sonate en bleus majeurs. In: Livres-Bücher, janvier-février 2016, p.10
2017 Inspiratioun fir d'Lëtzebuerger Kulturzeen, Radio 100,7, 30.01.2017 [online]
Sebastian Thiltges
2017 La partie pris des choses (2). La danse des feuilles. In: Livres-Bücher, mars-avril 2017, p.9
Marie-Anne Lorgé
2017 L'écriture, d'où ça vient ? : Festival Booksa. In : Le Jeudi, No 3, 19.01.2017, p.25
Luka Ostojic
2017 New Voices from Europe 2017. In: Literature Across Frontiers, 16.03.2017 [online]

Sekundärliteratur zu den einzelnen Werken

Titel Jahr yearsort
Vignes et louves. Poèmes 2011 2011
La liberté meurt chaque jour au bout d’une corde 2012 2012
La Vérité m'appartient. Suivi de Histoire(s). Échographie. Enterre-moi 2014 2014
Vol de nuit à ciel ouvert [illustrations de Sandrine Ronvaux] 2014 2014

Archiv

CNL: L-126

Literaturpreise

Name Auszeichnung Ausgezeichnetes Werk Jahr
Prix Servais Förderpreis Vignes et louves 2010
Résidence d'auteurs au Château du Pont d'Oye (Habay-la-Neuve) 2010
Concours littéraire national 1. Preis - Theater La vérité m'appartient 2013
Zuletzt geändert 01.12.2017