Raoul Biltgen

Pseud.: Adam Klee

Esch/Alzette


Foto: Raoul Biltgen
Raoul Biltgen (2009)
Foto: ©

Raoul Biltgen besuchte in Esch/Alzette die Grundschule und das Lycée de garçons (1993). Nachdem er ein Übersetzer- und Dolmetscherstudium an der Universität Wien abgebrochen hatte, machte er am dortigen Konservatorium eine Schauspielausbildung (1999). Bis 2002 war Raoul Biltgen am Vorarlberger Landestheater tätig. Kurzzeitig arbeitete er als Dramaturg am Theater der Jugend in Wien. Beim Jugendprojekt dasprojekt leitete er u.a. die Schreibwerkstatt. 2015 schloss er eine Ausbildung zum Psychotherapeuten ab. Heute lebt Raoul Biltgen als freier Schauspieler und Schriftsteller in Wien.

Raoul Biltgen hat Theaterstücke, Kurzerzählungen, Romane und Gedichte in deutscher Sprache geschrieben. Die Texte verhandeln Generationenbilder und kreisen um die Themen Gewalt, Mord und Lust, welche das Verhältnis von Eros und Thanatos variieren. Von den zahlreichen unveröffentlichten Dramen (u. a. no excess to unauthorised persons, Scellerato, Phalloi, Aloha!, Falten, Restroom) wurden einige im Schauspielhaus Wien (Nachspiel 2002), im Gerhart-Hauptmann-Haus in Zittau (Ene mene mu 2002) und im Vorarlberger Landestheater (Sirtaki für Anfänger 2002), am Theater Hof (Der Traum vom Wolf 2011) oder auch am Theater an der Gumpendorfer Straße Wien (Die Geschichte der Menschheit in 90 Minuten 2011 u.a.) uraufgeführt. Das Theaterstück Die Chance nach der letzten zum Thema Arbeitslosigkeit wurde am Volkstheater Bautzen 2012 in nieder- und obersorbischer Sprache aufgeführt. Das Stück R.I.P. enthält Lieder, die Raoul Biltgen zusammen mit Nicole C. Weber und Stefan Tikatsch verfasste und vertonte. Der Band einer spricht umfasst nach Formen und Themen variierte Monologe. Das 2011 am Theater an der Gumpendorfer Straße in Wien inszenierte Stück Die Geschichte der Menschheit in 90 Minuten veröffentlichte er unter dem Titel Und danke für den Apfel als Buch, in dem er in kurzen monologischen Kapiteln 83 Wissenschaftler, Künstler, Politiker, Generäle, mythologische und fingierte Figuren auftreten lässt, am Beispiel derer Geschehnisse der Weltgeschichte exemplifiziert werden. Dabei überwiegen Anekdoten, Skurriles und Humorvorvolles. 2018 wurde Der freie Fall von Greg Liakopoulos ins Griechische übersetzt. Die Stücke werden in Österreich, Deutschland, Luxemburg, Mexiko und China aufgeführt.

Im Mai 2014 wurde Raoul Biltgens erstes Theaterstück in luxemburgischer Sprache aufgeführt. Im Auftrag des Kaleidoskop-Theaters von Jean-Paul Maes wurde De Wollef kënnt heem in Bettemburg uraufgeführt. An Stücke wie Friedrich Dürrenmatts Besuch der alten Dame anknüpfend handelt es von der Heimkehr des als jugendlicher Hofknecht aus dem Dorfe geekelten Emil Wolff, der im Ausland mit Bankgeschäften zu Reichtum gelangt ist und in sein Heimatdorf zurückkehrt, um in den Aufbau der maroden Dorfinfrastruktur zu investieren. Das Stück, mit dem Raoul Biltgen an die Luxemburger Volksstücke aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts anknüpft, zeichnet das Bild einer agrarisch geprägten Dorfgesellschaft, in der Betrug, Rache, Misstrauen und Missgunst herrschen und in der Angst vor Fremden durch soziale Kontrolle kompensiert wird. 2016 folgte die von Den theater.lu inszenierte Komödie Ze Verkafen: Haus an Haff, in der das Thema des Immobilienmarktes in Luxemburg weitergeführt wird. Im Mittelpunkt steht der Konflikt zwischen einem älteren Akademikerpaar, das sich zur Rente einen renovierten Bauernhof wünscht, und den Verkäufern, einem Landwirt und dessen Sohn, Professor an der Uni Luxemburg, die sich ungerne vom Familienbesitz trennen wollen. Intergenerationelle Konflikte, das Verhältnis von Stadt-Land, Familiengeheimnisse, Vorurteile, Gier und Misstrauen bilden den Hintergrund der Komödie, in der Scheinheiligkeit und Lügen als Zivilisationskrankheit entlarvt werden. Dentheater.lu inszenierte ebenfalls die Komödie Den Théid gëtt al (2017),  in der die kleinbürgerliche Scheinheiligkeit kritisiert und vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise und des Umgangs mit Alterskranken Themen wie Rassismus und Geldgier angesprochen werden.

In dem bisher einzigen Erzählband Heimweg überwiegen Adoleszenzgeschichten über die erste Liebe, die Entdeckung des Körpers und die Schule. Nebst Stadtimpressionen aus Wien fallen zudem Erzählungen zu Kunstwerken von Egon Schiele und Edward Hopper auf. Die ästhetische Reflexion und eine Satire auf die Gesellschaft und den Literaturbetrieb in Luxemburg ergänzen Raoul Biltgens Themenhorizont im Roman perfekt morden. Im Internet erschien der Online-Roman Labyrinth, in dem Raoul Biltgen mit Formen alinearen Erzählens experimentierte, und unter dem Pseudonym Adam Klee die Kolumne Adam spricht es aus, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen über genderspezifische Beobachtungen zum Sozial-und Sexualverhalten der Männer. Der in Bregenz und Wien spielende und achronisch in zwei Erzählsträngen aufgebaute Liebesroman Jahrhundertsommer handelt von der Geschichte eines Studenten, der sich während eines Sommers in eine andere Frau verliebt, bevor er, nachdem er verlassen wurde, todessehnsüchtig wird. Rekurrente Themen sind die Hingebung, Sehnsucht nach erfüllter Zweisamkeit und Selbstmordgedanken. Mit Schmidt ist tot legte Raoul Biltgen 2017 einen  Kriminalroman mit Anleihen aus dem Spionagegenre vor, in dem ein Luxemburger Grundschullehrer den plötzlichen Tod seines in Wien lebenden Bruders aufklärt, der des Terrorismus verdächtigt wird. Der Roman verbindet die Themen der brüderlichen Hassliebe und der unausgesprochenen Familiengeheimnisse mit genrespezifischen Motiven wie Korruption in der Polizei, Amtsmissbrauch von Sicherheitsbehörden und Terrorismusbekämpfung.

Der Lyrikband Manchmal spreche ich sie aus umfasst Reiseimpressionen, poetologische Motive des Fliegens, des Schreibens und der Körperlichkeit sowie das Thema der existenziellen Gefährdung. Gemäß Raoul Biltgens Interesse an der Intermedialität von Literatur integriert er eigene Fotos von Reisen nach Irland, Großbritannien und aus Wien im Gedichtband. Raoul Biltgen veröffentlichte mehrere Prosatexte und Gedichte in den Zeitschriften nos cahiers und Les Cahiers luxembourgeois sowie in internationalen Anthologien Anthologien (europa erlesen, Eros 2001,  Gemischter Satz 2010, E Buch am Zuch 2013, Erënnerungsraim – Texter iwwer Konscht, Kultur a Kollektiounen 2013,  Fragment 3793 2013). Raoul Biltgen schreibt Krimigeschichten, darunter mehrere kulinarische Krimis, die er in Anthologien veröffentlicht (Tatort Kaffeehaus 2011, Malz und Totschlag 2011, Berner Blut 2013, Porridge, Pies & Pistols 2013, Luxemburger Leichen 2013, Tatort Würstelstand 2013, Tatort Heuriger 2014. Tortillas, Tapas und Toxine 2014). Der Kurzkrimi Zwang heilt die Natur wurde 2013 für den Friedrich-Glauser-Preis in der Kategorie Kurzkrimi nominiert. Raoul Biltgen war Mitglied des LSV bis zu dessen Auflösung im Jahre 2016 und ist Mitglied der IG Autorinnen Autoren (A).

Claude D. Conter

Werke

Titel Jahr Sprache Genres yearsort
Manchmal spreche ich sie aus. Gedichte
Raoul Biltgen [Autor(in)]
1999
DEU
1999
Heimweg. Trilogien
Raoul Biltgen [Autor(in)]
2000
DEU
2000
Perfekt morden. Roman
Raoul Biltgen [Autor(in)]
2005
DEU
2005
Der Rattenfänger
Raoul Biltgen [Autor(in)]
[2006]
DEU
2006
Der Traum vom Wolf
Raoul Biltgen [Autor(in)]
[2006]
DEU
2006
Hinter den 7 Bergen. Ein Theaterstück für Kinder
Raoul Biltgen [Autor(in)]
[2006]
DEU
2006
I will survive
Raoul Biltgen [Autor(in)]
[2006]
DEU
2006
Einer spricht. Monologe
Raoul Biltgen [Autor(in)]
2007
DEU
2007
Und Danke für den Apfel. Eine kurze Geschichte der Menschheit.
Raoul Biltgen [Autor(in)]
2014
DEU
2014
Jahrhundertsommer. Roman
Raoul Biltgen [Autor(in)]
2015
DEU
2015
Schmidt ist tot.
Raoul Biltgen [Autor(in)]
2017
DEU
2017

Mitarbeit bei Zeitungen

Titel der Zeitung Benutzte Namen
Cahiers luxembourgeois (Les). revue libre des lettres, des sciences et des arts
Raoul Biltgen
nos cahiers. Lëtzebuerger Zäitschrëft fir Kultur
Raoul Biltgen

Sekundärliteratur in Auswahl (Autor & Gesamtwerk)

Autor Jahr Info
Sandra Sacchetti
2000 Ein anderer Blick auf Österreich: In: d'Lëtzebuerger Land 06.10.2000.
Thierry Hick
2005 Deux passions indissociables. L'acteur et auteur Raoul Biltgen, qui vit et travaille dans la capitale autrichienne, vient reprendre l'air du pays. In: La Voix du Luxembourg 15.03.2005.
2005 Gast im eigenen Land. In: WOXX 823 2005, 11.11.2005, S.7.
2005 Höchst persönlich. Im Ausland hat er sich seine Sporen als Schauspieler und Autor bereits verdient. Nun möchte sich Raoul Biltgen auch in Luxemburg einen Namen machen. In: Woxx 18.02.2005.
2014 Ganz ohne geht dann doch nicht. [Theaterkritik zu "De Wollef kënnt heem"] In: d’Lëtzebuerger Land 23.05.2014, S. 15.
Anina Valle Thiele
2014 Lëtzebuerger Bauernposse. [Theaterkritik zu "De Wollef kënnt heem"]. In: woxx, 16.05.2014, S. 4

Sekundärliteratur zu den einzelnen Werken

Titel Jahr yearsort
Manchmal spreche ich sie aus. Gedichte 1999 1999
Heimweg. Trilogien 2000 2000
Perfekt morden. Roman 2005 2005
Einer spricht. Monologe 2007 2007
Und Danke für den Apfel. Eine kurze Geschichte der Menschheit. 2014 2014
Schmidt ist tot. 2017 2017

Mitgliedschaft

Name
LSV - Lëtzebuerger Schrëftstellerverband [1985-2016]
Namasté
Syndikat (Vereinigung deutschsprachiger Kriminalschriftsteller)
Theatergruppe des LGE (Maroldt)
Zuletzt geändert 12.09.2018