Ulrike Bail

Metzingen ()


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Ulrike Bail
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Ulrike Bail studierte evangelische Theologie und Germanistik an der Universität Tübingen. Anschließend machte sie ihr Vikariat in der Württembergischen Landeskirche. 1997 promovierte sie in evangelischer Theologie an der Universität Bochum, wo sie sich 2003 auch habilitierte. 2003 war sie Privatdozentin für Altes Testament an der Universität Bochum, 2004 lehrte sie feministische Theologie und theologische Frauenforschung an der Humboldt Universität Berlin. Seit 2006 lebt sie in Luxemburg und arbeitet freiberuflich als Schriftstellerin und Dozentin für Altes Testament und Deutsch als Fremdsprache.

Ulrike Bail hat zahlreiche Veröffentlichungen zu den Psalmen, zum Umgang mit Gewalt und Trauma im Alten Testament und zur literaturwissenschaftlichen und genderorientierten Bibelauslegung vorgelegt, z. B. zwei Monographien Gegen das Schweigen klagen. Eine intertextuelle Studie zu den Klagepsalmen Ps 6 und Ps 5 und der Erzählung von der Vergewaltigung Tamars. (Gütersloh 1998) und ‘Die verzogene Sehnsucht hinkt an ihren Ort.’ Literarische Überlebensstrategien nach der Zerstörung Jerusalems im Alten Testament. (Gütersloh 2004). Sie ist Mitherausgeberin der Bibel in gerechter Sprache. 2004 erhielt sie den Henning-Schröer-Förderpreis für verständliche Theologie. In dem 2010 vom Cid-femmes herausgegebenen Band Not the girl you are looking for. Melusina rediscovered analysiert sie das literarische Schaffen luxemburgischer Schriftstellerinnen unter feministischem Blickwinkel: Von Sirenengesang, freien Samstagen und einem Schrei. Schriftstellerinnen Luxemburgs als intertextuelle Gefährtinnen Melusinas

Ulrike Bails literarische Vorliebe gilt der Lyrik. Ihr erster Gedichtband wundklee streut aus enthält 47 Gedichte über Theodora, die sowohl einzeln als auch als fortlaufende Geschichte gelesen werden können. Scheinbar abgehoben und verklärt und mit einer ihr eigenen Sensibilität geht Theodora, deren Name Geschenk Gottes oder Gottesgabe bedeutet, durch die Welt und eignet sie sich an. Dieser Prozess birgt in sich schmerzhafte Erinnerungen und generiert Trauer und Melancholie, verweist auf der anderen Seite auf die Erfüllung in der Musik und im Schreiben. Mit dem Bild der Heilpflanze Wundklee wird Linderung und Heilung in Aussicht gestellt. Für das in diesem Band enthaltene Gedicht die töne haben eine haut erhielt Ulrike Bail den Lyrikpreis der Gesellschaft für Osteuropa Förderung. Der 2016 erschienene Gedichtzyklus Sterbezettel wurde 2011 mit dem 2. Preis beim Concours littéraire national ausgezeichnet. Die kurzen, auf das Wesentliche reduzierten Gedichte verweisen auf Vergänglichkeit und Endlichkeit menschlichen Lebens, wobei die Bilder aus der Natur wie Stilleben angeordnet sind. Die Empfindlichkeit der Libelle enthält Gedichte, die in fünf thematische Zyklen gruppiert sind und durch ihre Knappheit, die Unmittelbarkeit der Sinneseindrücken und Wortassoziationen hervorstechen. Der 5. Zyklus zählt fünf brunen fünf verweist auf das Schicksal der während des Zweiten Weltkrieges im Kloster Fünfbrunnen internierten Juden, die von dort aus in die Vernichtungslager des Ostens deportiert wurden.

Germaine Goetzinger

Literaturpreise

Name Auszeichnung Ausgezeichnetes Werk Jahr
Henning-Schröer-Förderpreis für verständliche Theologie Die verzogene Sehnsucht hinkt an ihren Ort 2004
Lyrikpreis der Gesellschaft für Osteuropa Förderung Gedicht "die töne haben eine haut" aus "wundklee streut aus" 2008
Concours littéraire national 2. Preis - Lyrik Sterbezettel 2011
Concours littéraire national 2. Preis - Lyrik Die Empfindlichkeit der Libelle 2015
Zuletzt geändert 26.02.2018