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Foto: Tit Schroeder


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© Collection CNL

Tit Schroeder

Théodore Henri Schroeder
New York, NY () Luxemburg

Tit Schroeder war Sohn einer Französin und eines Luxemburgers, der 1900 in die Vereinigten Staaten ausgewandert war. Als die Mutter 1918 starb, kehrte der Vater 1920 mit seinem Sohn nach Useldingen zurück. Nach dem Abitur 1930 am Gymnasium in Diekirch, wo er ein Klassenkamerad von Jean Haan war, studierte Tit Schroeder Englisch und Latein an den Cours supérieurs in Luxemburg und an den Universitäten in Paris, London und München. Ab 1935 unterrichtete er Englisch und Latein am Athenäum und am Lycée de garçons in Esch/Alzette. Nach einer Zwangsversetzung nach Benrath bei Düsseldorf 1941 kam Tit Schroeder nach Esch/Alzette zurück. Von 1949 bis 1971 war er am Lycée de garçons in Luxemburg. Tit Schroeder war ab 1965 Mitglied des Institut grand-ducal, Section des arts et des lettres, ab 1967 gehörte er auch der Section de linguistique, de folklore et de toponymie an. Zwischen 1964 und 1978 war er Mitarbeiter am Luxemburger Wörterbuch.

Tit Schroeder veröffentlichte Gedichte und Theaterstücke in Eis Sprooch (Verein ES), Eis Sprooch (Verein AL), Nouvelle Revue luxembourgeoise-Academia, Academia und Arts et lettres. Bei Tit Schroeders Theaterstücken handelt es sich einerseits um Originaldichtungen wie De Scheffe vum ale Maart und D'Pöltches Famill oder De Pöltches Bärend a seng Leit (1964). Das historische Drama De Scheffe vum ale Maart erhielt 1963 ex aequo mit Norbert Webers Jean Chalop den ersten Preis beim Theaterwettbewerb anlässlich der Tausendjahrfeier der Stadt Luxemburg und erschien in Academia. Erst 1990 wurde es im Rahmen der Feierlichkeiten zur Unabhängigkeit Luxemburgs von Philippe Noesen uraufgeführt. Andererseits übersetzte und adaptierte Tit Schroeder englischsprachige Komödien wie 1961 Besuch um Wudderhaff (She stoops to conquer von Oliver Goldsmith) mit Musik von Pierre Nimax oder 1962 De Stëmmche vun Arel (The Dumb Wife of Cheapside von Ashley Dukes). Die zu Lebzeiten unveröffentlicht gebliebene Komödie Den Här Breedewee geet freien (1960) basiert auf Thornton Wilders Stück The Matchmaker. Die teilweise aus dem 18. Jahrhundert stammenden Stücke englischsprachiger Autoren adaptierte er, indem er die Geschehnisse und Örtlichkeiten an die Luxemburger Verhältnisse anpasste. Zudem verlagerte er das Interesse von historischen Kontexten und sozialen Milieucharakterisierungen hin zu Typendarstellungen von Menschen.

Tit Schroeder gehörte zu Beginn der 1960er Jahren zu den erfolgreichsten Theaterautoren in Luxemburger Sprache. Alle Stücke wurden zwischen 1960 und 1964 geschrieben, aber teils noch bis in die 1980er Jahre aufgeführt. Nach dem Erfolg von Besuch um Wudderhaff (1961) im Kapuzinertheater eröffnete das neu gegründete Stadttheater in Luxemburg 1964 mit D’Pöltches Famill oder De Pöltches Bärend a seng Leit unter der Regie von Eugène Heinen. Sowohl in den Originalstücken als auch in den Adaptionen stehen intergenerationelle und familiale Konflikte sowie Spannungen zwischen Stadt und Land im Mittelpunkt. In den Gegenüberstellungen von Gesichtspunkten jüngerer und älterer Protagonisten werden moralische und gesellschaftliche Probleme verhandelt, bei denen z.B. Vertrauens- und Loyalitätsverhältnisse im Widerspruch zu Traditionen stehen. Oftmals ergänzt Schroeder die Gegensätze auch durch Satiren auf Gelehrte und Bauern, die er nach dem Genre der Typenkomödie zeichnet. Schroeder entwickelt bewährte Modelle der Verwechslungskomödie und des Eheanbahnungsstücks weiter, indem er sie um die Beschreibung gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen durch Modernisierungsprozesse ergänzt. Vor allem kritisiert Schroeder in seinen Stücken die Auswirkungen des Kapitalismus auf die soziale Ordnung und beobachtet zwischenmenschliche Veränderungen aufgrund von Reichtum. In den Farcen und Komödien ist die Sprache der Protagonisten oft Ausdrucksmittel von Machtspielen im zwischenmenschlichen Gegeneinander.

1961 wurde Tit Schroeder mit dem Luxemburger Prix de littérature für den Gedichtband Um haalwe Wee ausgezeichnet, den er 1966 in Nouvelle Revue luxembourgeoise-Academia veröffentlichte. 1991 wurde er zusammen mit späteren Gedichten in De gaunze Wee von der Actioun Lëtzebuergesch neu herausgegeben. Seine im Préizerdauler Dialekt geschriebenen Gedichte gehören zur Gattung der impressionistischen Natur- und Stimmungslyrik. Neben Marcel Reuland ist Tit Schroeder einer der Erneuerer der luxemburgischen Lyrik. 1985 wurde er für sein Werk von der Actioun Lëtzebuergesch mit der silbernen Dicks-Rodange-Lentz-Plakette ausgezeichnet. Einige Gedichte wurden von Jul Christophory ins Englische übersetzt. Die Gedichte von Tit Schroeder wurden von Fernand Koenig und Pierre Nimax vertont.

Dieser Artikel wurde verfasst von Roger Muller

Veröffentlichungen

Mitarbeit bei Zeitungen

  • Titel der Zeitschriften
    Academia. Mitteilungen aus dem Luxemburger Katholischen Akademiker-Verein
    Verwendete Namen
    Tit Schroeder
  • Titel der Zeitschriften
    Arts et lettres. publication de la Section des arts et des lettres de l'Institut grand-ducal
    Verwendete Namen
    Tit Schroeder
  • Titel der Zeitschriften
    Bauerekalenner / Letzeburger Bauere-Kalenner
    Verwendete Namen
    Tit Schroeder
  • Titel der Zeitschriften
    Eis Sprooch (Actioun Letzebuergesch)
    Verwendete Namen
    Tit Schroeder
  • Titel der Zeitschriften
    Eis Sprooch (Eis Sprooch). Veräinsblaat fir alles waat lëtzebuurgesch ass
    Verwendete Namen
    Tit Schroeder
  • Titel der Zeitschriften
    Luxemburger Wort / d'Wort / LW
    Verwendete Namen
    Tit Schroeder
  • Titel der Zeitschriften
    nos cahiers. Lëtzebuerger Zäitschrëft fir Kultur
    Verwendete Namen
    Tit Schroeder
  • Titel der Zeitschriften
    Nouvelle Revue luxembourgeoise : Academia. éditée par l'Association luxembourgeoise des universitaires catholiques
    Verwendete Namen
    Tit Schroeder

Sekundärliteratur

Auszeichnungen

Mitgliedschaft

  • Institut grand-ducal Section de linguistique, de folklore et de toponymie (1935-97)
  • Institut grand-ducal Section des arts et des lettres

Archiv

Zitiernachweis:
Muller, Roger: Tit Schroeder. Unter: , aktualisiert am 14.05.2021, zuletzt eingesehen am .