Stéphane Ghislain Roussel

Charleroi ()


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Stéphane Ghislain Roussel
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Der Belgo-Luxemburger Stéphane Ghislain Roussel ging von 1980 bis 1985 zur Grundschule, sodann von 1985 bis 1992 ins Gymnasium an der Ecole européenne in Luxemburg. Er belegte daraufhin weiterführende Kurse im Bereich der Musikwissenschaft und nahm intensiven Geigenunterricht: von 1992 bis 1995 am hauptstädtischen Konservatorium, am Conservatoire Royal de Musique in Lüttich und in Brüssel (1994-1995), und von 1995 bis 1996 an der Guildhall School of Music and Drama in London. Von 1998 bis 2001 setzte er seine akademische Laufbahn am Conservatoire Supérieur de Musique in Paris fort und erlangte aufgrund seiner Abschlussarbeit La main heureuse: symbole d’une époque et emblème de la rencontre entre Wassily Kandinsky et Arnold Schönberg einen Premier prix in Musikgeschichte.

Sowohl in der Forschung als auch im literarischen Schaffen geht es Stéphane Roussel darum, die Verbindungen zwischen Musik, darstellender Kunst und bildender Kunst zu erkunden und Interdisziplinarität zu fördern. Diesen Ansatz gibt er auch im Rahmen von Seminaren, die er seit 2010 an der Universität Essen-Duisburg leitet, weiter.

Seit 2003 hat Stéphane Roussel zahlreiche Museumsprojekte konzipiert. Er war zunächst Co-Programmgestalter, Assistent des Kurators und Forschungsbeauftragter am Musée de la Musique, am Musée du Louvre und am Centre Georges Pompidou in Paris. Als Co-Kurator und Kurator gestaltete er dann Ne me touche pas (2004) in der Villa Vauban in Luxemburg und Arnold Schönberg. Visions et regards (2010) im Musée des Abattoirs de Toulouse. Im Jahr 2019 leitete er die sich dem Verhältnis von Oper und bildender Kunst im 20. und 21. Jahrhundert widmende Ausstellung Opéra Monde im Centre Pompidou Metz.

Als Forschungsobjekt und schöpferische Grundlage bildet die Musik den Ausgangspunkt für viele seiner künstlerischen Projekte, insbesondere im Bereich der Performance und der Inszenierung. Mit der Cellistin Julie Läderach entwickelte er AVc, le petit théâtre sonore et privé de Rebecca von Stahl (in memoriam Charlotte Moorman) (2012) und die Serie (Fluxus) Variationen in Zeit und Raum, die als Performance-Konferenzen die Metamorphosen einer Cellistin im Zusammenhang mit der Fluxus-Bewegung und dem Künstler Nam June Paik illustrieren. Darüber hinaus war Stéphane Roussel Gestalter und Erzähler von Visual Music (2013), einer Performance über die Begegnung von Musik, bildender Kunst und Literatur, die in Zusammenarbeit mit dem Luxemburger Kammerorchester im Mudam entstand. Im Jahr 2016 führte er Regie bei dem Musiktheaterstück für Streichquartett, Le Cri du lustre, das an der Oper von Bordeaux und in den Rotondes in Luxemburg aufgeführt wurde. Im selben Jahr übernahm er die Regie bei der Oper Wonderful Deluxe (REVES ET FUTILITÉS D'UNE IDOLE), mit Musik von Brice Pauset und einem Libretto von Youness Anzane, aufgeführt im Grand Théâtre de la ville de Luxembourg. Im Jahr 2017 arbeitete er nochmals mit Youness Anzane zusammen, diesmal für die Produktion von La Voce è mobile. Diese Musiktheatervorstellung, die im Kinneksbond in Mamer inszeniert wurde, basiert auf einer Collage von Ausschnitten aus dem lyrischen Repertoire und durchkreuzt die Operncodes, indem sie ein Gesangsspektrum einsetzt, dessen Klänge mal dramatisch, mal humorvoll oder auch mit "Pop"-Akzenten versehen sind. Im Jahr 2018 war Stéphane Roussel Assistent des kanadischen Regisseurs Robert Carsen für die Show The Beggar's Opera, die im Glasshill Studio in London und im Théâtre des Bouffes du Nord in Paris uraufgeführt wurde. Im Jahr 2019 entstand in den Rotondes in Luxemburg und im Arsenal de Metz die Performance Drawing on Steve Reich, eine synästhetische Reise mit Interventionen von Kindern zur sequenziellen Musik des Komponisten Steve Reich, begleitet vom Ensemble United Instruments of Lucilin.

Seit 2007 interessiert sich Stéphane Roussel besonders für das Theater, vornehmlich für Projekte, die sich auf das Verhältnis von Sein und Schein konzentrieren und die Macht der Darstellung hinterfragen. Er zeichnet sich aus durch seine Tätigkeit als Theaterautor, künstlerischer Berater (insbesondere bei der Compagnie Lucilia Caesar des Théâtre national de Bruxelles 2007-2008 und am Théâtre du Capitole in Toulouse 2008-2009), Gestalter und Regisseur. Er leitete Diamonds are a girl's best friend-La Parure in die Wege, eine von Guy de Maupassants La Parure inspirierte Bühnengestaltung, die 2013 im Cercle Cité präsentiert wurde. Im Jahr 2016 inszenierte er Marguerite Duras' Stück Savannah Bay am Théâtre National du Luxembourg.

Stéphane Roussel schrieb sein erstes Stück, Monocle, Porträt der S. von Harden, im Jahr 2010. Es wurde am TNL konzipiert und dann international aufgeführt, zum Beispiel im Centre Pompidou Metz, im Musée d'Orsay in Paris, im BOZAR in Brüssel und an der Volksbühne in Berlin. Dieses Stück basiert auf dem Monolog der deutschen Journalistin Sylvia von Harden und spielt mit den Codes ihres 1926 von Otto Dix gemalten Porträts. Das Stück Monocle erschien 2012 in zweisprachiger Ausgabe auf Deutsch und Französisch. Stéphane Roussel war auch Autor und Regisseur von Golden Shower, einer Satire über den ruhmreichen Aufstieg und den Fall einer Diva in der Fernsehwelt, die 2013 im TNL aufgeführt wurde.

Im Jahr 2012 gründete Stéphane Roussel die „Compagnie Ghislain Roussel“, die 2019 in „Projeten“ umbenannt wurde. Diese Struktur fungiert als Träger für mehrere seiner künstlerischen Projekte, insbesondere in den Bereichen Theater, Oper, Performance und Museumstätigkeit, aber auch für Kollektive wie „Nous sommes les vampires du capitalisme“, welches durch verschiedene Ansätze (Lesungen, Kolloquium, Bühnenform usw.) eine Reflexion über die Erscheinungsformen und Mechanismen des Kapitalismus anregt.   

Stéphane Roussel ist außerdem Autor von zahlreichen, sein Interessengebiet betreffenden Publikationen. Im Jahr 2007 initiierte er die Realisation des Sammelbands L'Opéra au XXe siècle mit unter anderem Patrick Scemama. Er schrieb auch Beiträge für verschiedene Anthologien, wie zum Beispiel die Encyclopedia Wagner (2010), herausgegeben unter der Leitung von Timothée Picard, Jouer le jeu. De l’autre côté du théâtre belge (2009), unter der Leitung von Benoît Vreux, oder Erënnerungsraim (2013) und Quo vadis Europa? (2015), die zum Anlass der Walfer Bicherdeeg veröffentlicht wurden. Des Weiteren war er Korrespondent für das Lëtzebuerger Land.

Im Jahr 2018 nahm Stéphane Roussel an einer Residenz an der Akademie des Festival d'art lyrique d'Aix en Provence teil.

Ludivine Jehin

Mitarbeit bei Zeitungen

Titel der Zeitung Benutzte Namen
Lëtzebuerger Land (d') / d'Letzeburger Land / LL. unabhängige Wochenschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur
Stéphane Ghislain Roussel

Sekundärliteratur in Auswahl (Autor & Gesamtwerk)

Autor Jahr Info
Josée Hansen
2013 Strip-tease. In: d’Lëtzebuerger Land, 01.03.2013 [zu: Golden Shower]
Janina Strötgen
2013 Vom Diventum zu Schweinereien : 'Golden Shower' von Stéphane Ghislain Roussel im Théâtre national de Luxembourg. In: Tageblatt 23.02.2013
Stéphane Gilbart
2016 Clair, radieux, rayonnant. Au TNL : Stéphane Ghislain Roussel met en scène "Savannah Bay" de Marguerite Duras. In: Luxemburger Wort, Nr. 30, 05.02.2016, S. 21.
Ludivine Jehin
2016 Le monocle du "Monocle" de Stéphane Ghislain Roussel. In: Fundstücke = Trouvailles (2) 2014/2015, S. 212-213
Fabien Rodrigues
2016 Troublante vacuité. In: d’Lëtzebuerger Land, 20.05.2016, p. 17
2016 Tu n'as rien vu à Savannah Bay. In: Woxx, Nr. 1358, 12.02.2016, p. 4
Stéphane Gilbart
2016 Un chien philosophe. Grand Théâtre: "Wonderful Deluxe (rêves et futilités d’une idole)" de Brice Pauset. In: Luxemburger Wort, 13.05.2016, S.19
Uli Botzler
2016 Warum singt der Hund? Uraufführung „Wonderful Deluxe“. In: Télécran, 2016, Nr. 18, p. 136-137
Grégory Cimatti
2016 Wonderful Deluxe. In: Le Quotidien, 13.05.2016, p. 39
Thierry Hick
2017 Ceci n'est pas un opéra : création de "La voce è mobile" au Kinneksbond de Mamer. In : Luxemburger Wort, Nr. 64, 16.09.2017, p.17
Fabien Rodrigues
2017 Frivole cacophonie. In : d’Lëtzebuerger Land, Nr. 12, 24.03.2017, p.16
Kévin Kroczek
2018 Cactus de Transylvanie. In: d’Lëtzebuerger Land, 02.11.2018, p.17
Marie-Laure Rolland
2019 Drawing on Steve Reich – Et la musique prend forme. In : La Glaneuse, 22.06.2019 [online]
Kerstin Thalau
2019 Invité am Moies-Magazin / Stéphane Ghislain Roussel, 100komma7, 05.06.2019 [online]
Benoît Bouscarel
2019 L’opéra, art total / L'Invité(e) culture, France Culture, 25.07.2019 [online]
Sophia Schülke
2019 Musik voller Farben. In: Lëtzebuerger Journal, 18.05.2018
Kerstin Thalau
2019 "Opéra Monde" am Pompidou Metz, 100komma7, 25.06.2019 [online]
jh (Josée Hansen)
2019 Voir le son : le Belgo-Luxembourgeois Stéphane Roussel organise "Opéra-Monde", un projet d'exposition sur les relations entre l'opéra et les arts visuels, au Centre Pompidou Metz en juin. In: d’Lëtzebuerger Land, Nr. 20, 17.05.2019, spécial Musées, p.35

Sekundärliteratur zu den einzelnen Werken

Titel Jahr yearsort
Monocle, portrait de S. von Harden. D'après le tableau "Portrait de la journaliste Sylvia von Harden" d'Otto Dix (1926), Musée National d'Art Moderne, Centre Pompidou, Paris = Monocle, Porträt der S. von Harden. Nach dem Gemälde "Bildnis der Journalistin Sylvia von Harden" von Otto Dix (1926), Musée National d'Art Moderne, Centre Pompidou, Paris 2012 2012
Zuletzt geändert 30.07.2019