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Luxemburger Autorenlexikon
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Autor

Jean Krier

Luxemburg - Freiburg/Breisgau (DEU)


Foto: Krier, Jean
Jean Krier
Foto: ©

Jean Krier verbrachte seine Kindheit in Luxemburg. Nach dem Abitur am hauptstädtischen Athenäum 1968 studierte er Germanistik und Anglistik in Freiburg/Breisgau, wo er anschließend zunächst in der Sprachenschule inlingua arbeitete und später Nachhilfestunden gab. 1976 kehrte er nach Luxemburg zurück, wo er zuerst am Collège d’enseignement moyen et professionnel de l’Est in Grevenmacher und ein Jahr später bis 2010 als Gymnasiallehrer für Deutsch am Lycée de garçons in Luxemburg tätig war.

Krier schreibt fast ausnahmslos Lyrik; nur gegen Mitte der 1980er-Jahre veröffentlichte er einige wenige Kurzerzählungen in Anthologien des Luxemburger Schriftstellerverbandes. Er publiziert vor allem auf dem deutschsprachigen Literaturmarkt: Seit 1994 sind vier Gedichtbände in den Verlagen Landpresse, Gollenstein, Rimbaud und poetenladen erschienen. Einzelne Gedichte hat Krier in deutschen, österreichischen und Schweizer Literaturzeitschriften wie Akzente, manuskripte, Sinn und Form, ndl, poet, Konzepte, Jahrbuch der Lyrik, Sprache im technischen Zeitalter, wespennest oder Das Gedicht sowie in verschiedenen Anthologien veröffentlicht.

Jean Krier veröffentlichte vier eigenständige Gedichtbände, die jeweils in Zyklen unterteilt sind. Anlässe, Beobachtungen, Gegenständliches und sprachliche Wendungen bilden für Krier den Ausgangspunkt seiner Gedichte. Er räumt im dichterischen Prozess Lauten oder rhetorischen Elementen einen höheren Stellenwert als Themen ein und schließt damit an Gottfried Benns Auffassung von der Arbitrarität des Faktischen in der Lyrik an. Kriers Gedichte verstehen sich nicht als thematische Verhandlungen von gesellschaftlichen oder politischen Prozessen, sondern als Impressionen des Wahrgenommenen und als Reflexionen. Ihm zufolge verweigert die Dichtungssprache gerade die Verpflichtung auf Sinnvermittlung und rückt stattdessen das Bewusstsein von Sprache in den Mittelpunkt. Kennzeichnend ist der ironische Umgang mit Redewendungen, Sprichwörtern, idiomatischen Wendungen sowie Alltags- und Mediensprache durch Auslassungen, Wortverdrehungen oder sinnentstellende Wortersetzungen. Die daraus erwachsende Sprachkritik versteht Krier als erweiterte Gesellschaftskritik, da er Gesellschaft als Folge von Spracherzeugung begreift. Dichtung ist für ihn folgerichtig ein präzises Diagnoseinstrument, zumindest aber ein Seismograph gesellschaftlich-sprachlicher Fehlentwicklungen, wobei der Tonfall der poetischen Kritik polemisch, boshaft, kalauernd, aber auch humorvoll und witzig, zumeist aber melancholisch ist, der fatalistischen Resignation über die Absurdität der Kommunikation, den Sprachverschleiß und die Sprachvergessenheit immer wieder die vergeblich neue Formulierung entgegensetzend.

Ab den Tableau-Sehstücke sind die Gedichte in frei-rhythmischen Langversen geschrieben, die Jean Krier aus der amerikanischen Lyrik von Stanley Moss, Charles Simic und John Ashbery entlehnt. Der Offenheit des Versmaßes korrespondiert der seit Herzens Lust Spiele zunehmende Rückgriff auf die vielgestaltige Odenform, wobei Krier die offenere Form der Elegie und der Hymne strengeren antiken Odenversmaßen vorzieht. Viele Gedichte enthalten Orts- und präzise Datumsangaben, manche sind Privatpersonen oder Kollegen gewidmet. Ein weiteres formales Merkmal seiner Poesie ist, dass er in Kursivschrift Zitate markiert und auf literarische Referenztexte verweist, teils um sich in literarische Traditionen einzuschreiben, teils um einen poetischen Blick auf die Welt zu werfen.

Alle Gedichtbände enthalten Gedichte über die bretonische Ile d’Ouessant, wo Jean Krier seit 1986 regelmäßig, teils mehrmals im Jahr je eine kurze Zeit weilt. Die Insel, die eine vermeintliche Idylle außerhalb zivilisatorischer Versehrungen verspricht, erscheint in den Gedichten als ein dystopischer Ort, in dem Zerstörung und Auflösung herrschen.

Das Gedicht Brixham wurde von Alexander Müllenbach vertont und erschien 1980 auf der Salzburger Schallplattenaufnahme Grieg, Sibelius, Strauss, Müllenbach. Müllenbach vertonte zudem die Gedichte Das Jahr ist hin und Haus am Watt. Für seinen Band Herzens Lust Spiele erhielt er 2011 den Adelbert-von-Chamisso-Preis sowie den Prix Servais. Er war Mitglied des LSV.

Claude D. Conter

Werke

Titel
Jahr
Sprache Genres
Bretonische Inseln
Krier, Jean aut.
1994
DEU
Tableaux. Sehstücke. Gedichte
Krier, Jean aut.
2002
DEU
Gefundenes Fressen
Krier, Jean aut.
2005
DEU
Herzens Lust Spiele. Gedichte
Krier, Jean aut.
2010
DEU

Mitarbeit bei Zeitungen

Titel der Zeitung
Benutzte Namen
Akzente. Zeitschrift für Literatur
Krier, Jean
Gedicht (Das). Zeitschrift für Lyrik, Essay und Kritik
Krier, Jean
manuskripte. Zeitschrift für Literatur, Kunst, Kritik
Krier, Jean
pult (das). literatur, kunst, kritik
Krier, Jean
Streckenläufer. Hrsg. PoCul, Verein für Politik und Kultur, Saarbrücken
Krier, Jean

Sekundärliteratur in Auswahl (Autor & Gesamtwerk).
Rezensionen zu einem einzelnen Werk befinden sich bei diesem Werk.

Autor
Jahr
Info
1988 In amerikanischer Kulturzeitschrift. Luxemburgischer Autor kommt zu Ehren. In: Tageblatt. 27.07.1988. p. 4
Sartorius, Joachim
1996 Integration ins Heillose. Zum lyrischen Werk von Jean Krier. In: Sprache im technischen Zeitalter 34 (März 1996) 137. p. 66-67
NoGo / Nogo (Goedert, Norry)
2001 Das ist mein Leib, Lied und Leid. Vorlesung von Jean Krier im ‘Centre national de littérature’, Mersch. In: Tageblatt, 08.12.2001
Anonym (Unbekannt)
2002 Der Pulsschlag der Gedichte Jean Kriers. In: Saarbrücker Zeitung. 30.09.2002
2003 der aufstand der allliteraten. eine subjektive chronologie des zickzackkurses der federhalter. notizen zur entwicklung der luxemburger literatur in der zweiten jahrhunderthälfte
Netgen, Jérôme
2005 'Verlorenes Paradies mit jedem Wort' : Der Lyriker Jean Krier In: Kulturissimo, 14.12.2005
Overath, Angelika
2006 Elegie aus Salz und Sehnsucht. Gedichte des Luxemburgers Jean Krier. In: Neue Zürcher Zeitung, 21.02.2006
Braun, Michael
2011 Herzkammermusik. Der Dichter Jean Krier und seine Rhapsodik der Sterblichkeit. In: Chamisso: viele Kulturen, eine Sprache. Nr. 5 (März 2011), S. 4-9
Strötgen, Janina
2011 Interview mit dem Lyriker Jean Krier - Verleihung des Servais-Preises am 17. Juni im CNL in Mersch. SCHREIBEN ist eine Art Inkonsequenz. In: Tageblatt 04./05.06.2011
Braun, Michael
2012 Schreiben im Herzschlagschatten. Laudatio auf Jean Krier. In: Remise du Prix Servais 2011 à Monsieur Jean Krier, p. 11-16

Archiv

Weblinks

Literaturpreise

Name Auszeichnung Ausgezeichnetes Werk
Jahr
Adelbert-von-Chamisso-Preis Herzens Lust Spiele 2011
Prix Servais Servais-Preis Herzens Lust Spiele 2011

Mitgliedschaft

Name
LSV - Luxemburger Schriftstellerverband
Zuletzt geändert 20.11.2014