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Foto: Karl Schnog


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Karl Schnog

Köln () Ostberlin (damals DDR, heute D) ()

Pseudonyme: Ch.v.T. ; Carl Coblentz ; Anton Emerenzer ; Ernst Huth ; J.K. ; Josef Kornschlag ; K.S. ; Tom Palmer ; Charlie vom Thurm

Nach dem Abschluss einer Handelslehre zog Karl Schnog 1915 in den Ersten Weltkrieg und gründete 1918 einen Arbeiter- und Soldatenrat in Hagenau. In den 20er Jahren wandte er sich dem Theater zu und wirkte als Schauspieler und Regisseur auf zahlreichen deutschen Bühnen, z. B. in Erwin Piscators Revue Roter Rummel. Gleichzeitig trat er als Conférencier und Rezitator in namhaften Kabaretts auf u. a. im Küka, Cabaret Größenwahn und im Kabarett der Komiker. 1926 gründete er zusammen mit Erich Weinert und Leon Hirsch in Berlin das Kabarett Die Wespen. Ab 1925 betätigte er sich ebenfalls als Rundfunksprecher und Mitarbeiter von Zeitungen und Zeitschriften wie Die Weltbühne, Simplizissimus und Stachelschwein. Seine Gedichte Bastellied, Lied des Musterknaben, Angst vorm Schwimmunterricht und Schundromane lesen wurden von Paul Hindemith vertont und unter dem Titel Chorlieder für Knaben veröffentlicht.

1927 war Karl Schnog Mitbegründer der Gruppe Revolutionärer Pazifisten in Berlin. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurden zwei Haftbefehle gegen Karl Schnog erlassen, worauf er auf offener Strasse schwer misshandelt wurde.

Im Mai 1933 emigrierte Karl Schnog in die Schweiz und arbeitete als Texter für das Kabarett Cornichon. Im Oktober 1933 zog er nach Luxemburg, wo er eine erste Anstellung als Conférencier im Kabarett Rond-Point in der ehemaligen Champagnerfabrik Mercier fand. Neben der Mitarbeit an deutschen Exilzeitschriften und -zeitungen wie Pariser Tageblatt und Der Simplicius war er in Luxemburg Mitarbeiter von Les Cahiers luxembourgeois, A-Z, Escher Tageblatt, Die Tribüne sowie der Rundfunkzeitschrift A l'écoute, und der Filmzeitschrift Le Film luxembourgeois. Unter dem Pseudonym Charlie vom Thurm betreute er zwischen 1937 und 1940 im Tageblatt die Chronik in Versen Weltwochenschau. Für die Wochenzeitschrift A-Z lieferte er die Artikelfolgen Existenzen am Rande, Zeitgenössiche Hochstapler und Abenteurer sowie Bomben --- Pistole --- Höllenmaschinen. Da die Weiterreise in die USA wegen eines fehlenden Affidavits fehlschlug, wurde Karl Schnog im Mai 1940 beim Einmarsch der deutschen Truppen in Luxemburg inhaftiert und in die KZs Dachau, Sachsenhausen und Buchenwald gebracht. In Dachau gestaltete er als Rezitator und Conférencier eine Silvesterfeier, und in Buchenwald war er einer der Initiatoren des Lagerkabaretts, für das er zahlreiche Texte schrieb. Die Erfahrung der Solidarität der Häftlinge im KZ bildet die Grundlage für den Text "Unbekanntes KZ".

1945 kehrte Karl Schnog nach Luxemburg zurück, wo er als Mitarbeiter von Radio Luxemburg verpflichtet wurde. 1946 zog er nach Ostberlin und übernahm den Posten des Chefredakteurs des Ulenspiegel. Im April 1947 wurde er Mitglied einer Theatertruppe, die in jiddischer Sprache für das Durchgangslager der Hilfsorganisation United Nations Relief an Rehabilitation Association in Berlin-Zehlendorf spielte. Danach wurde Karl Schnog freier Schriftsteller. Er war u. a. für das Ostberliner Kabarett Die Distel tätig und schrieb über Charlie Chaplin.

In Luxemburg trat Karl Schnog als Verfasser von engagierten, zeitkritischen Gedichten und Gelegenheitsgedichten wie Schueberfouer oder Flugfest in Esch hervor. Im Malpaartes-Verlag seines Freundes Evy Friedrich veröffentlichte er Kinnhaken, Kampfgedichte gegen den Nationalsozialismus, und in Zusammenarbeit mit dem Industriellen Henry J. Leir den utopischen Gesellschaftsentwurf La Grande Compagnie de Colonisation. Im Mittelpunkt des Romans steht eine Kolonisierungsgesellschaft luxemburgischen Rechts mit ihren Bewässerungs-, Elektrifizierungs-, Rohstoffgewinnungs- und Besiedlungsprojekten in einem die fünf Kontinente umspannenden Wirtschaftsraum. Formal besteht das Buch aus einer Montage fiktiver Wirtschaftsdokumente, Telegramme und Presseausschnitte. Zum 15 jährigen Bestehen der Société israélite de lecture schrieb Karl Schnog das unveröffentlicht gebliebene Stück Literatur und Liebe.

1957 wurde Karl Schnog zusammen mit Walther Victor in der DDR mit dem Heinrich Heine-Preis ausgezeichnet.

Dieser Artikel wurde verfasst von Germaine Goetzinger

Veröffentlichungen

Mitarbeit bei Zeitungen

  • Titel der Zeitschriften
    A l'écoute. Programmes détaillés de l'I.N.R. & Radio-Luxembourg
    Verwendete Namen
    Karl Schnog
  • Titel der Zeitschriften
    A-Z Luxemburger Illustrierte
    Verwendete Namen
    Karl Schnog
  • Titel der Zeitschriften
    Cahiers luxembourgeois (Les). revue libre des lettres, des sciences et des arts
    Verwendete Namen
    Karl Schnog
  • Titel der Zeitschriften
    Film luxembourgeois (Le)
    Verwendete Namen
    Ernst Huth
  • Titel der Zeitschriften
    Galerie. Revue culturelle et pédagogique
    Verwendete Namen
    Karl Schnog
  • Titel der Zeitschriften
    Mitock (De). E Wocheblad fir Jux an Zodi
    Verwendete Namen
    Karl Schnog
  • Titel der Zeitschriften
    Neue Luxemburger Kalender (Der). Eine Publikation von Tony Jungblut
    Verwendete Namen
    Karl Schnog
  • Titel der Zeitschriften
    neue Zeit (Die) [1936-1940]. Monatsschrift für Demokratie, Geistesfreiheit und Kultur
    Verwendete Namen
    Karl Schnog
  • Titel der Zeitschriften
    Obermosel-Zeitung / OMZ
    Verwendete Namen
    Karl Schnog
  • Titel der Zeitschriften
    Pariser Tageblatt
    Verwendete Namen
    Karl Schnog
  • Titel der Zeitschriften
    Simplicissimus
    Verwendete Namen
    Karl Schnog
  • Titel der Zeitschriften
    Stachelschwein (Das)
    Verwendete Namen
    Karl Schnog
  • Titel der Zeitschriften
    Tageblatt / Escher Tageblatt = Journal d'Esch. Zeitung fir Lëtzebuerg
    Verwendete Namen
    Ch.v.T.
    Josef Kornschlag
    Anton Emerenzer
    Charlie vom Thurm
    J.K.
    K.S.
  • Titel der Zeitschriften
    Tribüne (Die). Wochenzeitschrift für politisches und geistiges Leben
    Verwendete Namen
    Karl Schnog
    K.S.
    Anton Emerenzer
  • Titel der Zeitschriften
    Ulenspiegel. Illustrierte Zeitschrift für Literatur, Kunst und Satire
    Verwendete Namen
    Karl Schnog
  • Titel der Zeitschriften
    Weltbühne (Die). Wochenschrift für Politik-Kunst-Wirtschaft.
    Verwendete Namen
    Ernst Huth

Sekundärliteratur

Auszeichnungen

Mitgliedschaft

  • RTL / Radio Luxemburg

Archiv

Zitiernachweis:
Goetzinger, Germaine: Karl Schnog. Unter: , aktualisiert am 04.11.2020, zuletzt eingesehen am .