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Michel Clees

Esch/Alzette

Michel Clees besuchte in Esch/Alzette die Grundschule und die Gymnasien Lycée de garçons und Lycée Hubert Clement. Nach dem Abitur 1982 studierte er Medizin in Ulm. Zwischen 1987 und 1989 arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent am Onkologischen Institut in Villejuif und in Paris, ab 1989 in der Universitäts-Frauenklinik in Tübingen. Ab 1995 war er Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, ab 1996 praktizierte er als onkologischer Oberarzt in Würzburg, wo er zudem an der Universitäts-Frauenklinik eine Dozentur übernahm und zum akademischen Oberrat ernannt wurde. 1998 kehrte er nach Luxemburg zurück und praktiziert seitdem als Frauenarzt in Esch/Alzette.

Michel Clees ist Schauspieler, Schriftsteller und Liedermacher. Unter der Leitung von Ed Maroldt begann Michel Clees als Schauspieler auf der Schulbühne des Lycée de garçons (1975-1981). Dort lernte er jene Schriftsteller und Schauspieler kennen, die zu den Initiatoren der Escher Kulturfabrik wurden und deren Verwaltungsrat er von 1999 bis 2020 vorsteht. Michel Clees übernahm eine Filmrolle in den luxemburgischen Filmen Gwyncilla und Schacko Klack. Er schrieb zudem Dramen in deutscher Sprache, die er selber inszenierte. Im formal-experimentellen Stück Die Fremdlingin zeichnet er die Zerrissenheit der No-future-Generation der 1980er Jahre, indem er das Leben von Georg Trakl in ein inzestuöses Familiendrama umdichtet. In Solosonate imaginiert er die letzten Jahre des Komponisten Béla Bartók. Als Liedermacher veröffentlichte er im Lëtzebuerger Almanach 1987 und gab die LP immer noch (1985) und die CD Lettres (2004) heraus. In deutscher, englischer, französischer und luxemburgischer Sprache äußert er sich sozialkritisch und humorvoll-satirisch zu politischen Themen, bürgerlichen Sichtweisen und Doppelmoral. Nach zehn Jahren ging Michel Clees wieder auf Tournee. Im Programm En passant… beschäftigt er sich mit Tod und Krankheit, aber auch mit politischen Ereignissen wie dem Bürgerkrieg in Syrien, mit sozialen Phänomenen wie der Machtstellung von Facebook oder mit aktuellen Debatten um die Pädophilie von Priestern. Das Album Die Nächte, das 2017 erschien, enthält neben Gedichtvertonungen von Serge Basso de March (Les Amours du temps qui passe) und Bertolt Brecht (Lied einer deutschen Mutter) eigene Lieder, von denen einige bereits im Band Abreise erschienen. Michel Clees prangert Ungerechtigkeit und Intoleranz an, warnt vor Populisten, thematisiert Unterdrückung im Nahen Osten und besingt die Freiheit des Einzelnen vor den Begrenzungen durch Fanatismus und Faschismus. In weiteren Liedern reflektiert er unterschiedliche Formen des Abschieds, indem er sexuellen Missbrauch, Transsexualität, die Angst vorm Älterwerden, die Wehmut vor der Vergangenheit und Todesahnung thematisiert.

Von Michel Clees erschienen Erzählungen in deutscher Sprache in den Anthologien des LSV, dessen Mitglied er war bis zu dessen Auflösung im Jahre 2016. Er beschrieb in D’Gare vu Belval die Entstehung und Durchführung der neuen Bahnstation in Esch/Alzette in Versform. Sterbehäusle, eine Erzählung, die  2014 gemeinsam mit den Illustrationen von Tanja Frank eine Auszeichnung von der Fondation Servais für das Buch als Gesamtkunstwerk erhielt, erzählt in 14 Episoden von der Demenzkrankheit und dem Tod des Arztes Franz Merkel. Der Titel verweist auf ein Gebäude beim Botanischen Garten in Tübingen, das anfangs als Quarantänestation, später als Palliativstation für Krebskranke diente. Clees alludiert in der Erzählung bewusst auf den Kreuzweg und thematisiert die Erfahrung des Leids zwischen Glauben und Wissenschaft, zwischen Menschenliebe und technischem Fortschritt. Der Band Abreise enthält nebst Songtexten, die auf der Tournee En passant… (2014) vorgestellt wurden, die titelgebende Erzählung über die Zugreise eines sonderlichen, kleinbürgerlichen Beamten der Steuerverwaltung, dessen Leben aus den Fugen geraten ist und dessen Begegnung mit der Umwelt Verstörungen offenbart. Der Zug avanciert im Text zu einem Kollektivsymbol, das Assoziationen mit Flüchtlingen und mit KZ-Transporten wachruft. In der Spielzeit 2019/20 war Michel Clees Hausautor im Théâtre national Luxembourg, wo 2020 sein Monodrama Captcha und das Stück Parterre aufgeführt wurden. Captcha ist ein dystopisches Stück, das der Frage des Menschseins nachgeht. Es handelt von der Entführung einer Frau, die von einer Gruppe faschistischer Aktivisten für Propagandazwecke missbraucht wird. Parterre wurde von Bernard M. Eusterschulte inszeniert und handelt von den Mitgliedern einer Wohngemeinschaft, einer Studentin, einem Beamten und einem Flüchtling, deren Lebensrealitäten im huis clos der Wohnung aufeinanderprallen.

Dieser Artikel wurde verfasst von Claude D. Conter und Pascal Seil

Veröffentlichungen

Mitarbeit bei Zeitungen

  • Titel der Zeitschriften
    Lëtzebuerger Almanach. Red.: Georges Hausemer ; Gestalt.: Heng Ketter
    Verwendete Namen
    Michel Clees
  • Titel der Zeitschriften
    nos cahiers. Lëtzebuerger Zäitschrëft fir Kultur
    Verwendete Namen
    Michel Clees
  • Titel der Zeitschriften
    transkrit. Revue littéraire - Zeitschrift für Literatur
    Verwendete Namen
    Michel Clees

Sekundärliteratur

Auszeichnungen

Mitgliedschaft

  • Kulturfabrik Esch/Alzette
  • LSV - Lëtzebuerger Schrëftstellerverband [1986-2016]
  • Theatergruppe des LGE (Maroldt)

Archiv

Zitiernachweis:
Conter, Claude D./Seil, Pascal: Michel Clees. Unter: , aktualisiert am 07.05.2021, zuletzt eingesehen am .