Hélène Tyrtoff

Tyrtoff-Arndt Hélène

Rueil-Malmaison ()


Foto: Hélène Tyrtoff
Hélène Tyrtoff
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Hélène Tyrtoff wurde im der Umgebung von Paris geboren, wo ihre exilrussische Familie seit den 1920er Jahren lebt. Sie besuchte die Grundschule in La Celle St Cloud und machte in 1985 ihr Abitur in Versailles. Sie studierte bis 1989 Französisch an der Sorbonne (maîtrise de lettres modernes) und bis 1994 Kunst in Paris (licence en arts plastiques). Anschließend organisierte sie Schreib- und Kunstateliers sowie pädagogische Kunstprojekte in der Region Île-de-France. Von 2004 bis 2014 lebte sie in Luxemburg, wo sie an einer Sprachschule Französisch unterrichtete. Sie zog dann zurück in die Umgebung von Paris und unterrichtet auch dort Französisch.

Hélène Tyrtoff schreibt poetische Prosa in französischer Sprache, die sie zum Teil selbst illustriert. 2009 wurde ihr Text Corps expéditionnaire von der Fondation Servais mit dem Förderpreis für eine erste Veröffentlichung ausgezeichnet. Er schildert die Geschichte und die Eindrücke von russischen Soldaten, die als Freiwillige an der Seite der französischen Truppen im ersten Weltkrieg kämpften. Mit deren Reise per Zug und Schiff von Moskau nach Marseille und Saloniki ehrt die Autorin ihre Vorfahren und folgt den Spuren ihres russischen Großvaters. Fotos aus dem Familienalbum sind als Illustrationen eingefügt. Prägend im Werk sind das Gewicht der Überlieferungen in einer staatenlos gewordenen Familie und des Krieges. In ihrem zweiten Band Mars dreht sich alles um die Katastrophe von Fukushima, auch hier wechseln isch erzählende Momente und prägende Eindrucke in einer gerafften Sprache ab.

2018 erscheint der Band Jonas Luxembourg mit teilweise autobiografischen poetischen Prosatexten. Hélène Tyrtoff schildert die zehn in Luxemburg vebrachten Jahre, sowie ihre Rückkehr nach Frankreich. Im Mittelpunkt stehen vor allem die Schwierigkeiten mit ihren jugendlichen Kindern, die zu einem kompletten Bruch der Beziehungen seitens der Kinder führen sowie die schrittweise Wiederannäherung der Tochter. Die starken Gefühlsregungen und der Schmerz der Eltern sind gebündelt in einer abgehackten Sprache; die Abwesenheit von Eigennamen schafft Distanz zu den Figuren, die sich, ohne Artikel oder persönliche Pronomina, durch ihre Rolle als Mutter, Vater, Tochter, Sohn, Bruder oder Schwester definieren. Die Figur des Jonas im Titel ist eine Anspielung auf eine Figur aus dem Theaterstück L'ultimo viaggio di Sindbad von Erri De Luca, in dem es um Bootsflüchtlinge im Mittelmeer geht, aber auch auf den Propheten, der von einem Walfisch verschlungen worden war. Der Anfang von Jonas Luxembourg war 2018 in Abril in spanischer Übersetzung erschienen.

Hélène Tyrtoff schreibt Rezensionen, Gedichte und Prosatexte für das Tageblatt und dessen Beilage Livres-Bücher, aber auch in den Cahiers luxembourgeois. Andere Texte erscheinen in den Anthologien En partage. Le Luxembourg d'ici et d'ailleurs (2013), Fragment 3793 (2013) und e-gutenberg (2014) sowie in Le Jeudi, in Inuits dans la jungle und in Cahiers Henri Pichette. Zusammen mit Ivan Bafoil schuf sie das Künstlerbuch Faustine, eine ihrer Zeichnungen ziert den Buchdeckel von Lambert Schlechters La pivoine de Cervantès. 2016 erschien Atlas Rrose Semoy, ein Album mit Bodypaintings und Bildern von Sylvain Paris, alias innuit siniswichi, Fotos von Martial Verdier und handschriftlichen Gedichtkompositionen von Hélène Tyrtoff. Der Band ist das Resultat einer Zusammenarbeit in den Sommern 2013 bis 2015 bei Künstlertreffen Rrose Semoy (Eros, c’est moi) in den französisch-belgischen Ardennen, entlang der Semois.

Hélène Tyrtoff ist Sekretärin der Vereinigung Les Amis d’Edmond Dune und engagierte beim luxemburgischen Printemps des poètes. 2012 nahm sie an der Autorenresidenz im belgischen Château du Pont d’Oye teil, 2014 war sie eingebunden in den Printemps Poétique transfrontalier, Autorenresidenzen, Lesungen und schulpädagogische Aktionen parallel in verschiedenen Teilen der Großregion. Sie liest regelmässig diesseits und jenseits der Grenzen, vom Marché de la Poésie in Paris bis zum Treffen Word in Progress in Esch/Alzette.

Nicole Sahl

Werke

Titel Jahr Sprache Genres yearsort
Corps expéditionnaire. Poésie
Hélène Tyrtoff [Autor(in)]
2011
FRE
2011
Mars
Hélène Tyrtoff [Autor(in)]
2014
FRE
2014
Jonas Luxembourg
Hélène Tyrtoff [Autor(in)]
2018
FRE
2018

Sonstige Mitarbeit

Titel Jahr Sprache Genres yearsort
La pivoine de Cervantès et autres proseries.
Lambert Schlechter [Autor(in)]
2011
FRE
2011

Mitarbeit bei Zeitungen

Titel der Zeitung Benutzte Namen
abril
Hélène Tyrtoff
Cahiers luxembourgeois (Les). revue libre des lettres, des sciences et des arts
Hélène Tyrtoff
Jeudi (Le). l'hebdomadaire luxembourgeois en français
Hélène Tyrtoff
Livres - Bücher. Un supplément du Tageblatt
Hélène Tyrtoff
Tageblatt / Escher Tageblatt = Journal d'Esch. Zeitung fir Lëtzebuerg
Hélène Tyrtoff

Sekundärliteratur in Auswahl (Autor & Gesamtwerk)

Autor Jahr Info
Janina Strötgen
2009 Prix Servais - Verleihung im "Centre national de littérature" in Mersch - Pol Sax und Hélène Tyrtoff ausgezeichnet. "Aus dem Buch schwebt ein Zauber". In: Tageblatt 19.06.2009, S. 16
2010 Je ne vous parlerai pas. Éloge du manuscrit "Corps expéditionnaire" d'Hélène Tyrtoff, Prix d'Encouragement de la Fondation Servais 2009. In: Remise du Prix Servais 2009 à Monsieur Pol Sax, p. 34-36
Janina Strötgen
2012 Arbeiten im Schloss. Künstlerresidenz im Château du Pont d’Oye – die phi-Autorinnen Hélène Tyrtoff und Valérie Lamesch erzählen. In: Tageblatt 25./26.08.2012, S. 19

Literaturpreise

Name Auszeichnung Ausgezeichnetes Werk Jahr
Prix Servais Förderpreis Corps expéditionnaire 2009
Résidence d'auteurs au Château du Pont d'Oye (Habay-la-Neuve) 2012
Printemps Poétique transfrontalier avec Danièle Corre (F) et Véronique Daine (B), accompagnées d‘André Mergenthaler 2014
Zuletzt geändert 06.08.2018