02.03.1914 Athus (BEL) - 25.01.1988 Luxemburg
Edmond Dune, eigentlich Edmond Hermann, war der Sohn eines Luxemburgers und einer Belgierin. Sie starben beide, als er zwei Jahre alt war. Nach dem Besuch der Primärschule in Athus und in Differdingen, wo seine Tante das ARBED-Kasino betrieb, besuchte Edmond Dune das Collège Saint-Joseph in Arlon, das von seinem Onkel, dem Maristenpater Wittamer, geleitet wurde. Seine Erziehung lag zudem in den Händen seiner älteren Schwester, die einem Orden beitreten wollte und die 1928 neunzehnjährig starb. Auch Edmond Dune durchlebte Phasen gesteigerter Religiosität.
Edmond Dune studierte Agronomie in Louvain, Brüssel und Nancy. 1935 nahm er die luxemburgische Staatsangehörigkeit an, um dem belgischen Wehrdienst zu entgehen. Infolge einer spirituellen Krise lebte er 1937 einige Zeit im Kloster Notre-Dame-de-la-Trappe in Soligny. 1938 verpflichtete er sich als Belgier Hugues Dardenne für fünf Jahre in der französischen Fremdenlegion und diente in Afrika. 1940 stand er in Diensten des Vichy Regimes des Maréchal Pétain, nach der alliierten Landung in Nordafrika 1942 schloss er sich der France libre an. Nach Ablauf seiner Dienstzeit 1943 ging er zur britischen Armee, wo er mit etwa 50 anderen Luxemburgern, darunter Edmond Pepin, als Teil der belgisch-luxemburgischen Brigade Piron oder Luxembourg Battery an der alliierten Landung in der Normandie und dem anschließenden Befreiungsfeldzug teilnahm.
Nach seiner Rückkehr nach Luxemburg 1945 arbeitete Edmond Dune zuerst als Journalist bei La Meuse-Luxembourg und ab 1946 bei Radio-Luxemburg. 1947 heiratete er die Journalistin Margot Gengler in Esch/Alzette. Gemeinsam planten sie ein landwirtschaftliches Anwesen in Nordafrika zu betreiben, ließen sich jedoch in Luxemburg nieder. Ab 1955 nahm Edmond Dune am Aufbau von Radio-Télé-Luxembourg teil, wo er bis 1979 blieb. Er interessierte sich für Psychologie und Charakterologie und war vereidigter Grafologe beim Gericht. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er verarmt und vereinsamt in Luxemburg-Clausen.
Edmond Dunes erste literarische Versuche erschienen in der Zeitschrift Nancy-Étudiants. Zwischen 1934 und 1937 veröffentlichte er, teils unter seinem bürgerlichen Namen, teils unter dem Pseudonym Edmond Dune Gedichte z. B. in L'avant-poste in Verviers und in Les Cahiers luxembourgeois. Ab 1938 schrieb er nur noch unter dem Namen Dune. Der erste Gedichtband Révélations erschien in der Normandie nach seinem Aufenthalt in der Abbaye de la Trappe, während Usage du Temps. Poèmes 1939-1944 die Erinnerungen an die Legionärszeit in Marokko enthält. Es folgten während 40 Jahren Gedicht- und Aphorismensammlungen, Essais, Rezensionen, Theaterstücke. Bei einigen seiner Veröffentlichungen arbeitete er mit seinem Freund, dem lothringischen Grafiker, Setzer und Verleger Jean Vodaine aus Basse-Yutz zusammen, andere Arbeiten wurden von Roger Bertemes illustriert. Ende der 50er Jahren arbeitete Edmond Dune mehrere Jahre für RTL in Paris, doch gelang ihm der literarische Durchbruch in Frankreich nicht.
Edmond Dune schrieb mehr Beiträge und Artikel für mehr als 50 in- und ausländische Zeitschriften wie Les nouvelles pages de la SELF, Les Cahiers luxembourgeois, Galerie, Les Cahiers du Sud, Simoun, L'Avantposte, Le Temps parallèle, Le Journal des poètes, Dire, Critique, Revue générale des publications françaises et étrangères und Origine von Franco Prete. Einige seiner Texte wurden in Anthologien aufgenommen, etwa in Junge Lyrik aus Luxemburg von Nic Weber (Stierstadt im Taunus 1961), Anthologie de La Troisième Décade 1950-1960 (Brüssel 1963) und Poésie sans frontières von Joseph Paul Schneider (Virton 1969). Höhepunkt seines literarischen Schaffens sind die beiden Gedichtbände Poèmes en prose, erschienen bei den Editions Naaman in Ottawa, und Des rives de l'aube aux rivages du soir. Poèmes choisis 1934-1972, herausgegeben vom Institut grand-ducal, Section des arts et lettres. Edmond Dunes Texte gelten der Erinnerung, der Kindheit und der sich jeglicher Zeitfestlegung entziehenden Natur. Seine Prosagedichte, die weniger hermetisch sind als seine Lyrik, gehen oft von einem konkreten Objekt oder einer bestimmten Stimmung aus, um sie zu allgemeingültigen Werten zu verdichten. Darin hat die Figur des Dichters ihren festen Platz, ein einsamer Träumer, der sich den Nöten der Menschheit öffnet und seine marginale Existenz als Schöpfer zugleich inszeniert und verdammt. Edmond Dune sieht die französische Sprache als seine eigentliche intellektuelle Heimat an.
Edmond Dunes Theaterstück Les taupes wurde im Oktober 1957 im Théâtre du Vieux-Colombier in Paris von der Truppe Marcel Lupovici uraufgeführt. Die Theaterhandlung geht auf eine reelle Begebenheit zurück. Fünf deutsche Soldaten wurden einige Jahre nach Kriegsende lebend in einem Bunker in Warschau gefunden. Jeder der vier Akte endet mit dem Tod eines der Soldaten, die sich mit ihren unterschiedlichen Lebensauffassungen und politischen Einstellungen gegenüberstehen. Der Schwächste unter ihnen, der vor dem Krieg Philosophie studiert hat, überlebt als Einziger. Das Stück Les tigres geht von einer ähnlichen Ausgangssituation aus und beschreibt, wie japanische Soldaten lange nach dem Zweiten Weltkrieg auf einer Pazifikinsel überleben. Es wurde in Esch/Alzette uraufgeführt, genau wie sein drittes Stück Le Puits de Fuentès, das eine Episode aus dem Spanischen Bürgerkrieg zum Inhalt hat. Hinter einer bitteren, oft gewollt zynischen Fassade schimmert die idealistische Grundhaltung der Protagonisten durch, die sie in Extremsituationen am Leben hält. In seinen einaktigen Stücken, wovon drei erst 1993 uraufgeführt wurden, greift Edmond Dune in humoristischer oder grotesker Form ernsthafte Themen, wie die Ehrlichkeit des Menschen oder die Verlogenheit der Gesellschaft auf und beschwört den freien Menschen, der sich von sozialen Regeln, vorherrschenden Ideologien und falschen Glaubensvorstellungen freigemacht hat.
Edmond Dune betätigte sich auch als Übersetzer von Texten deutscher und italienischer Autoren wie Georg Trakl, Walther von der Vogelweide, Friedrich Hebbel, Franco Prete, Gaetano Salveti oder Vittorio Sereni. Es bestehen zwei unveröffentlichte Übersetzungen von Les taupes ins Deutsche, die eine ist von Ernest Bisdorff, die andere von einem unbekannten Autor. Einige andere seiner Texte wurden ins Spanische, Ungarische, Tschechische Deutsche, Italienische und Hebräische übersetzt. Zudem malte Edmond Dune und stellte seine Aquarelle aus. Von 1978 bis 1986 war er Mitglied des Institut grand-ducal, Section des arts et des lettres. 1987 wurde Edmond Dune mit dem neugeschaffenen Batty Weber-Preis ausgezeichnet. Posthum erschienen 1988 Auszüge aus seinem unveröffentlichten Roman Les Hasards de Paris in Les Cahiers luxembourgeois sowie eine Auswahl von Prosatexten unter dem Titel Patchwork. Seine Texte gaben Anlass zu sechs Künstlerbüchern, drei davon erschienen posthum bei Vodaine. Einige seiner Gedichte wurden von Norbert Stelmes und René Mertzig vertont. Zwei seiner Gedichtbände blieben ganz oder teilweise unveröffentlicht: Le miroir double, 1955 angekündigt, erschien doch nicht, während Teile aus Mémoires d'un terrien, im Nachlass, in den Band La roue et le moyeu aufgenommen wurden. 2010 wurde die Gesellschaft Les Amis d'Edmond Dune gegründet.
| Titel | Jahr |
Sprache | Genres | Rezension |
|---|---|---|---|---|
| Poètes italiens d'aujourd'hui. Édition bilingue. Version française par Edmond Dune Dune, Edmond trad. Prete, Franco ed. |
1965 | FRE ITA |
||
| Poèmes en prose. Préface et traduction d'Edmond Dune Trakl, Georg aut. Dune, Edmond trad. |
1968 | FRE |
||
| Désir d'ordre. Présentation et traduction d'Edmond Dune. Gravures de Jean Vodaine Salveti, Gaetano aut. Dune, Edmond trad. Dune, Edmond ed. |
1969 | FRE |
||
| Lavori in corso = Travaux en cours. Avec une gravure de Franco Francese. Version française par Edmond Dune. [Édition bilingue] Sereni, Vittorio aut. Dune, Edmond trad. |
1969 | FRE ITA |
Titel der Zeitung/Zeitschrift |
benutzte Namen |
|---|---|
| Avant-poste. Revue de Littérature et de Critique | Dune, Edmond |
| Cahiers du Sud (Les) | Dune, Edmond |
| Cahiers luxembourgeois (Les). revue libre des lettres, des sciences et des arts | Dune, Edmond E.D. |
| Clarté (L). Hebdomadaire politique et littéraire | Dune, Edmond |
| Courrier de Poésie (Le) | Dune, Edmond |
| Critique. revue générale des publications françaises et étrangères | Dune, Edmond |
| Dire. Revue européenne de poésie | Dune, Edmond |
| Galerie. Revue culturelle et pédagogique | Dune, Edmond |
| Grand-Ducal (Le). moniteur littéraire et politique du Luxembourg | Dune, Edmond |
| Lëtzebuerger Almanach. Red.: Georges Hausemer ; Gestalt.: Heng Ketter | Dune, Edmond |
| Meuse[-Luxembourg] (La) | Dune, Edmond |
| nouvelles pages de la S.E.L.F. (Les) | Dune, Edmond |
| Origine I. revue franco-italienne de poésie | Dune, Edmond |
| Pages de la S.E.L.F. (Les) | Dune, Edmond |
| Simoun. revue littéraire et artistique | Dune, Edmond |
| Name | URL |
|---|---|
| Association des Amis d'Edmond Dune | http://www.edmonddune.lu/ |
| Webseite zum Autor beim Service du Livre luxembourgeois (B) | http://www.servicedulivre.be/sll/fiches_auteurs/d/dune-edmond.html |
| Name | Auszeichnung | Ausgezeichnetes Werk | Jahr |
|---|---|---|---|
| Prix de littérature II Luxembourg [Prix de littérature, de science et d'art ou Prix national de littérature] | Prix de littérature | Les taupes | 1957 |
| Prix France - Luxembourg | Preis für sein Gesamtwerk | 1979 | |
| Prix Batty Weber (Prix national de littérature) | 1987 |
| Name |
|---|
| Institut grand-ducal Section des arts et des lettres |
| Mondorfer Dichtertage |
| SELF / S.E.L.F. - Société des écrivains luxembourgeois de langue française |