Henri Koch-Kent

Henri Koch

Pseud.: DAC. ; rouspéteur (Le)

Luxemburg - Luxemburg


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Henri Koch-Kent
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Henri Koch, später Koch-Kent, war der Sohn eines liberalen Abgeordneten. Nach dem Besuch des Athenäums und des Echternacher Gymnasiums studierte er von 1927 bis 1935 Rechtswissenschaften an den Cours supérieurs in Luxemburg und an den Universitäten Alger, Caen, Toulouse, Paris und Brüssel. Nach dem Studium übernahm er die Generalvertretung deutscher Firmen in Luxemburg. Mit der Machtergreifung Hitlers beendete er diese geschäftliche Tätigkeit und engagierte sich im Kampf gegen den Faschismus, indem er sich am Aufbau eines Spionagenetzes für den französischen Nachrichtendienst beteiligte. Als Mitglied der AGEL/ASSOSS und Beiträger der Voix des Jeunes gehörte er 1937 zu den Gegnern des so genannten Maulkorbgesetzes. Auch unterhielt er Kontakte zu deutschen Emigranten und setzte sich für die Luxemburger Juden ein. Am 10. Mai 1940 verließ er Luxemburg und stellte sich in den Dienst der französischen Militärbehörden. Im Juni zog er nach London, wo er zuerst als Redakteur für die INBEL-Agentur arbeitete, dann als Abteilungsleiter beim belgischen Ministère de l'Information. Bei der BBC war er zudem verantwortlich für die luxemburgischen, belgischen und französischen Programme. Nach seiner Heirat mit der Engländerin Alison Kent fügte er seinem Familiennamen den seiner Frau hinzu, um nicht mit dem gleichnamigen Escher Französischlehrer und späteren Direktor des Lycée de garçons verwechselt zu werden. Mit seinem Journalistenkollegen Armand "Mac" Schleich gründete er in London ein Komitee zur Schaffung der Vereinigten Staaten von Europa.

Nach 1945 arbeitete Henri Koch-Kent als stellvertretender Generalsekretär für die Union européenne des fédéralistes in Paris und in Genf, danach als Generalsekretär des Mouvement universel pour une Confédération mondiale. Er war zugleich Korrespondent in London für die luxemburgischen Blätter Obermosel-Zeitung und L'Indépendant, aber auch für die in London gedruckten französischsprachigen Blätter La Belgique Indépendante und La France.  1952-1953 war er Korrespondent der Agence France-Presse. Von 1954 bis 1959 war er Direktionsbeauftragter und Leitartikler bei belgischen L'Écho de la Bourse, von 1959 bis 1963 leitete er das Lëtzebuerger Journal. Er veröffentlichte bis zu seinem Ruhestand 1971 in Lëtzebuerger Journal, Luxemburger Wort, d'Lëtzebuerger Land, Le Phare, An der Ucht, Galerie, Hémecht und in zahlreichen ausländischen Zeitungen und Zeitschriften.

1960 ließ sich das Ehepaar Koch-Kent in Luxemburg nieder. Hier veröffentlicht Henri Koch-Kent als kritischer Journalist und Zeitzeuge engagierte, z. T. polemische Werke über Justizskandale sowie politische und militärische Ereignisse, die er als Zeitzeuge miterlebt hatte: 10 mai 1940 en Luxembourg (Mersch 1971), Hitlertum in Luxemburg 1933-1944 (1972), Luxemburger als Freiwild (1972), Luxemburg im SD-Spiegel [1973], Sie boten Trotz (1974), Putsch à Luxembourg? (1979), Ils ont dit non au fascisme. Rejet de la loi muselière par le référendum de 1937 (1982), Doudot. Figure légendaire du contre-espionnage français (Tournai 1986) und Halte à la falsification de l'Histoire. Le procès Gomand (1988). Henri Koch-Kent misstraute der offiziellen Geschichtsschreibung, die sich ausschließlich auf schriftliche bzw. auf gedruckte Dokumente berief, während er auch auf die oral history vertraute. 1970 veröffentlicht er seine eigene Bibliographie d'articles. 1998 war er der erste Preisträger des von Nic Weber und Les Cahiers luxembourgeois gegründeten Preises Témoignage et Présence. Henri Koch-Kent war Mitglied der Schriftstellervereinigungen SELF und LSV.

Henri Koch-Kent hinterließ das zweibändige Memoirenwerk Vu et entendu. Im ersten Band Souvenirs d'une époque controversée ließ er seine Kindheit in einer französischstämmigen Mondorfer Familie, die der wirtschaftlichen, militärischen und politischen Hegemonie des Deutschen Kaiserreiches kritisch gegenüberstand, wieder aufleben. Ein Kapitel ist der von jungen luxemburgischen Linksliberalen anlässlich der Einweihung des Viandener Victor Hugo-Hauses organisierten Veranstaltung gewidmet, die Victor Hugo im Gegensatz zu der offiziellen, von der Regierung organisierten Gedenkfeier, als Symbol einer humanitären Gesellschaftsidee feiern wollte. Im zweiten Band Années d'exil rechnete Henri Koch-Kent mit den Ministern der luxemburgischen Exilregierung in London ab, denen er Nachlässigkeit, Eigennutz und die Bereitschaft, historische Fakten durch manipulierte Prozesse zu fälschen, vorwarf. Seiner Frau Alison Koch-Kent, die Zeichnerin, Grafikerin und Buchillustratorin war, verdanken wir den illustrierten Rückblick auf gemeinsame Ehejahre Joyeuse domesticité. Une tranche de vie en images (1989).

Frank Wilhelm

Mitarbeit bei Zeitungen

Titel der Zeitung Benutzte Namen
An der Ucht. Letzeburger Familjekalenner
Henri Koch-Kent
Cahiers luxembourgeois (Les). revue libre des lettres, des sciences et des arts
Henri Koch-Kent
drapeau (Le)
Henri Koch-Kent
Galerie. Revue culturelle et pédagogique
Henri Koch-Kent
Hémecht (d') - La Patrie. Erausgi vun der Unio'n vun de Letzeburger Freihêtsorganisatio'nen
Henri Koch-Kent
Lëtzebuerger Journal / Letzeburger Journal / Journal / LJ. Politik, Finanzen a Gesellschaft
Henri Koch-Kent
Lëtzebuerger Land (d') / d'Letzeburger Land / LL. unabhängige Wochenschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur
Henri Koch-Kent
Luxemburger Wort / d'Wort / LW
Henri Koch-Kent
neue Zeit (Die) [1936-1940]. Monatsschrift für Demokratie, Geistesfreiheit und Kultur
Henri Koch
rouspéteur (Le)
Pages de la SELF (Les)
Henri Koch-Kent
Phare (Le). Kulturelle Beilage - Point de vue culturel
Henri Koch-Kent
Rappel. Organ vun der L.P.P.D. = organe de la Ligue luxembourgeoise des prisonniers et déportés politiques
Henri Koch-Kent
Revue / Lëtzebuerger illustréiert Revue
Henri Koch-Kent
Tribüne (Die). Wochenzeitschrift für politisches und geistiges Leben
Henri Koch
Voix des Jeunes (La) (Voix (La) 1951-1969)
DAC.
Henri Koch-Kent

Sekundärliteratur in Auswahl (Autor & Gesamtwerk)

Autor Jahr Info
1967 Rote Nelken. In: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek 07.03.1967.
[ca. 1985] Henri Koch-Kent. Les principaux ouvrages de l'auteur vus par la presse étrangère et luxembourgeoise (extraits).
1987 Radioscopie de la littérature luxembourgeoise sur la seconde guerre mondiale. Bibliographie annotée des publications autonomes des quarante dernières années
Paul Cerf
Robert Daleiden
Emile Erpelding
Mario Hirsch
André Hohengarten
Nelly Moia
Armand Schleich
1990 Der parteilose Einzelgänger. Henri Koch-Kent im Blickfeld seiner Zeitgenossen
1997 Mondorf-les-Bains vu par des écrivains. In: Mondorf. Son passé, son présent, son avenir, p. 385-426.
1999 Dictionnaire de la francophonie luxembourgeoise, suivi d’une Anthologie d’auteurs francophones luxembourgeois contemporains. [Cahiers francophones d’Europe Centre-Orientale; Hors série]
A.K. (Alain Kleeblatt)
1999 Henri Koch-Kent, journaliste-historien. In: Républicain lorrain 10.10.1999.
2000 Henri Koch-Kent, e Mann wéi eng Fauscht. In: Les Cahiers luxembourgeois 47 (2000) 1, S. 85-90.

Literaturpreise

Name Auszeichnung Ausgezeichnetes Werk Jahr
Prix Témoignage et Présence (Luxembourg) 1998

Mitgliedschaft

Name
AGEL/ASSOSS - Association générale des étudiants luxembourgeois
LSV - Lëtzebuerger Schrëftstellerverband [1985-2016]
SELF / S.E.L.F. - Société des écrivains luxembourgeois de langue française
Société des écrivains ardennais (Charleville-Mézières)
Zuletzt geändert 13.01.2017