Nic Weber

Nicolas Weber

Pseud.: M. Bauler ; Michel Bauler ; N.M. Bauler ; Bouquinus ; Demokrat ; F.G. ; Bernard Georges ; Ill. ; Interim ; Jean Jacoby ; J.G. ; Lector ; nw. ; S. ; F.G. Schmidt ; W.F. Schmidt ; F.G. Schmit ; Pierre Schmit ; F.G. Schmitt ; W.F. Schmitt ; W.F. Schmit ; T.B. ; w. ; W. ; W.L.

Brachtenbach - Luxemburg


Foto: Nic Weber
Nic Weber
Foto: ©

Nic Weber besuchte die Grundschule in Brachtenbach und trat 1940 in das Echternacher Gymnasium ein. Dort nahm er 1942 am Schülerstreik teil, kam ins Umerziehungslager Burg Stahleck und anschließend zur Flugabwehr nach Esch/Alzette. Die Sekunda absolvierte er nach Kriegsende am Athenäum, das Abitur legte er in Echternach ab. Ab 1946 studierte er an den Cours supérieurs, ab 1947 in Paris an der Sorbonne Anglistik und Germanistik. Er belegte auch Kurse an der Haute école de journalisme, an der École supérieure des affaires sociales und an der école du Louvre

Nic Weber war in seinem beruflichen Leben Journalist. Seine Laufbahn begann er 1950 im Pariser Büro der amerikanischen Agentur United Press International. Nach seiner Rückkehr nach Luxemburg arbeitete er ab 1953 für die Wochenzeitschrift Revue, bevor er noch im gleichen Jahr außenpolitischer Redakteur des Escher Tageblatt wurde. 1959 trat er in die Dienste von RTL. Er baute das ganztägige Radioprogramm in Luxemburger Sprache auf und war Chefredakteur, später Programmdirektor. Ab 1977 war er Direktor für internationale Angelegenheiten der CLT und Leiter des Verlags RTL-Éditions. Er war ebenfalls mit der Leitung der französischen Wochenzeitung Téléstar betraut. 1992 trat er in den Ruhestand.

Nic Weber war gewerkschaftlich und politisch engagiert. Er gehörte der Leitung der Angestelltengewerkschaft FEP an und bekleidete von 1961 bis 1967, zuletzt als Präsident, verschiedene Ämter im Journalistenverband. In dieser Eigenschaft war er Gastdozent für Journalismus an der Uni versität Dakar (Senegal). Er war Berater des liberalen Politikers Gaston Thorn für die Wahlen von 1974 sowie Mitbegründer (1976) und zeitweilig Vorsitzender des Centre d'études libérales.

Nic Webers literarisches Werk umfasst Publizistik, erzählende Prosa und Lyrik. Den umfangreichsten Teil bilden die publizistischen Texte. Er veröffentlichte zahlreiche Essays und Feuilletons in Monografien, Sammelbänden und Festschriften, in Lëtzebuerger Journal, d'Lëtzebuerger Land, Le Phare Revue und Die Warte sowie in französischen und deutschen Zeitschriften wie Actuel, Dire und Streit-Zeit-Schrift, vor allem aber in Les Cahiers luxembourgeois. Nach ersten Beiträgen in der Rubrik La tribune des jeunes 1947 war er von 1949 bis 1965 unter der Herausgeberschaft von Raymon Mehlen regelmäßiger Mitarbeiter von Les Cahiers luxembourgeois, zuletzt als Rédacteur-Directeur. 1988 rief er diese Zeitschrift, die ihr Erscheinen 1965 eingestellt hatte, wieder ins Leben und ist heute deren Herausgeber. Er veröffentlicht darin, meist auf Deutsch, manchmal auf Französisch, Buchbesprechungen und Aufführungskritiken, Autoren- und Künstlerporträts, Essays zum kulturellen Leben und zur Kulturpolitik sowie persönliche Reflexionen, wie z. B. Aus den Notizen eines Wurzelsuchers in den 80er Jahren. Nic Weber betrachtet in seinen Essays und Feuilletons das kulturelle Leben Luxemburgs mit kritischer Sympathie und setzt sich für liberale Werte wie Demokratie, Toleranz und Pluralismus ein. In Beiträgen zur Zeitschrift Merian (1964) und zum Sammelband Das ist Luxemburg (Stuttgart 1983) brachte er Luxemburg einem ausländischen Publikum näher.

Als Erzähler trat Nic Weber erstmals 1949 mit der Novelle Teerfrüchte in der Zeitschrift Ons Equipe hervor. Er war dafür beim Literaturwettbewerb von Ons Jongen mit dem ersten Preis ausgezeichnet worden. In Les Cahiers luxembourgeois erschienen zwischen 1949 und 1964 Kurzgeschichten und Erzählungen wie Pariser Autobusfahrt, Die Sehnsucht und Tim und Tine, von denen Teile 1980 in die Erzählungen des Bandes Die lauen Bruchpiloten eingegangen sind. In den 60er Jahren veröffentlichte er Kurzprosa im Jahrbuch der AGEL/ASSOSS (1962), in impuls (1965) und in der Anthologie Historische Miniaturen (1963) sowie in deutschen Sammelbänden wie Horst Bingels Deutsche Prosa (Stuttgart 1963) und Hans Dollingers außerdem. Deutsche Literatur minus Gruppe 47 = wieviel? (München, Bern, Wien 1967). Nic Weber schöpft die Stoffe seiner Erzählprosa aus der Welt des Dorfes und dem Leben der modernen Großstadt. Thematisiert werden die Suche nach Lebensfülle und der Einbruch des Unerwarteten in den Alltag. Viele Texte Nic Webers sind einem fantastischen und poetischen Realismus verpflichtet.

Nic Webers Gedichte in deutscher und französischer Sprache erschienen in Zeitschriften wie Les Cahiers luxembourgeois und Le Journal des poètes und in Sammelbänden wie Zyklen - beispielsweise (Stierstadt 1957), Horst Bingels Deutsche Lyrik (Stuttgart 1961), in Le Poète et la Société (1963), Témoignages contre la torture (1973), Dichters en dichtkunst uit Europa 1950-1980 (Leuven 1980) und Dialogues (Capellen 1984). Nic Weber übersetzte Gedichte des flämischen Autors Paul Snoek ins Deutsche. Sein Gedicht Dem Dichter wurde 1962 von René Mertzig vertont.

Nic Weber gehört überdies zu den Förderern und Vermittlern der Literatur in Luxemburg. Er trägt zur Verbreitung der luxemburgischen Literatur im In- und Ausland bei und setzt sich für grenzüberschreitende Literaturkontakte ein. So war er Herausgeber der Anthologie Junge Lyrik und Graphik aus Luxemburg (Stierstadt 1961-62) und Mitherausgeber der Anthologie Lyrik in Luxemburg (1979). Mit Anise Koltz initiierte er 1962 die Mondorfer Dichtertage. In Les Cahiers luxembourgeois bietet er Autoren aus Luxemburg und dem Ausland Publikationsmöglichkeiten. Als Verleger von RTL-Éditions und der Éditions des Cahiers luxembourgeois verlegt er seit den frühen 80er Jahren Autoren wie Roger Bertemes, Paul Cerf, Edmond Dune, Pol Greisch, Jhemp Hoscheit, Lex Jacoby, Paul Katow, Nic Klecker, Pir Kremer, Joseph Leydenbach, Henri Losch, Joseph-Émile Muller, Léon N. Nilles, Pol Pütz, Anne Schmitt, Liliane Thorn-Petit und Liliane Welch. Dabei engagiert er sich für die Förderung des literarischen Nachwuchses. So erschienen in den Éditions des Cahiers luxembourgeois die literarischen Erstlingswerke von Autoren wie Ian de Toffoli, Danielle Hoffelt, Isabelle Kronz, Laurent Mignon und Olivier Vandivinit.

Nic Weber, der Mitglied des Institut grand-ducal, Section des arts et des lettres ist, erhielt 1999 den Batty Weber-Preis für sein Gesamtwerk.

Pierre Marson

Mitarbeit bei Zeitungen

Titel der Zeitung Benutzte Namen
Annuaire de l'Association générale des étudiants luxembourgeois
Nic Weber
Cahiers luxembourgeois (Les). revue libre des lettres, des sciences et des arts
M. Bauler
N.M. Bauler
Bouquinus
F.G.
Bernard Georges
J.G.
Jean Jacoby
S.
F.G. Schmidt
W.F. Schmidt
F.G. Schmit
W.F. Schmit
F.G. Schmitt
W.F. Schmitt
T.B.
W.
Nic Weber
Dire. Revue européenne de poésie
Nic Weber
impuls. Luxemburger Textversuche
Nic Weber
Journal des poètes (Le)
Nic Weber
Lëtzebuerger Journal / Letzeburger Journal / Journal / LJ. Politik, Finanzen a Gesellschaft
Demokrat
nw.
S.
Pierre Schmit
Nic Weber
Lëtzebuerger Land (d') / d'Letzeburger Land / LL. unabhängige Wochenschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur
Michel Bauler
Ill.
Interim
Lector
nw.
F.G. Schmitt
w.
W.L.
Nic Weber
Luxemburger Wort / d'Wort / LW
Nic Weber
Merian. das Monatsheft der Städte und Landschaften
Nic Weber
NEeuropa / Nuova Europa : revista d'arte e letteratura = Nouvelle Europe. Revue d'art et de littérature
Nic Weber
Ons Equipe. [JEC]
Nic Weber
Ons Jongen. organe de la ligue des conscrits luxembourgeois réfractaires au service militaire allemand
Nic Weber
Phare (Le). Kulturelle Beilage - Point de vue culturel
Nic Weber
Revue / Lëtzebuerger illustréiert Revue
Nic Weber
Streit-Zeit-Schrift
Nic Weber
Tageblatt / Escher Tageblatt = Journal d'Esch. Zeitung fir Lëtzebuerg
Nic Weber
Warte (Die) = Perspectives. Supplément culturel du Wort
Nic Weber

Sekundärliteratur in Auswahl (Autor & Gesamtwerk)

Autor Jahr Info
G.B. (Unbekannt)
1963 Ve’er Joer Radio Letzeburg op UKW. Gespräch unter Kollegen. In: Lëtzebuerger Journal 19.10.1963.
1964 Notizen zu einem neuen Lyrik-Band. "Steine und Vögel". In: d'Lëtzebuerger Land, N° 16, 10.04.1964, S. 9
1980 Nachwort. In: Nic Weber: Die lauen Bruchpiloten. Zwei Erzählungen. 1980, S. 197-201.
Rob Roemen
1996 Ein Zyniker mit dem Herzen am richtigen Fleck. Zum 70. Geburtstag von Nic Weber. In: Lëtzebuerger Journal 06.06.1996
1999 Das Besingen kriegen wir noch hin. Land-Interview mam Nic Weber, Lauréat 1999 vum Batty Weber-Präis. In: d'Lëtzebuerger Land 26.11.1999
Alain Weins
1999 "Kann Poesie die Welt verändern?" Die Geschichte der Mondorfer Dichtertage
1999 [Laudatio ohne Titel]. In: Prix Batty Weber. Nic Weber. [prix national de littérature 1999], S. 5-12
2003 der aufstand der allliteraten. eine subjektive chronologie des zickzackkurses der federhalter. notizen zur entwicklung der luxemburger literatur in der zweiten jahrhunderthälfte
2013 Edmond Dune vu par Nic Weber : interview de Nic Weber / réalisée par Paul Mathieu à Luxembourg en juin 2012. In: Cahiers de l'Académie luxembourgeoise, 25/2013, p. 81-84.
2013 "[...] Elo ass dem Nic Weber seng Plaz samsdes mueres am Vis-à-Vis eidel". Wie sein Vorbild Frantz Clement bleibt er als Journalist im Grunde doch Literat. In: Die Warte-Perspectives, 10.10.2013, n°27/2413, S. 2-3

Sekundärliteratur zu den einzelnen Werken

Titel Jahr yearsort
Die lauen Bruchpiloten. Zwei Erzählungen 1980 1980
Von Menschen und Orten. [Die englischen Originaltexte wurden von Nic Weber übertragen, von Ben Heyart mit Pinselzeichnungen begleitet] 1992 1992

Literaturpreise

Name Auszeichnung Ausgezeichnetes Werk Jahr
Literaturwettbewerb "Ons Jongen" 1. Preis Teerfrüchte 1949
Prix Batty Weber (Prix national de littérature) Batty Weber-Preis (Nationaler Literaturpreis, zur Auszeichnung des Gesamtwerks) 1999

Mitgliedschaft

Name
AGEL/ASSOSS - Association générale des étudiants luxembourgeois
ALJ - Luxemburger Journalistenverband
Institut grand-ducal Section des arts et des lettres
Mondorfer Dichtertage
RTL / Radio Luxemburg
Zuletzt geändert 05.09.2017