Aloyse-André Welter

Andreas Welter

Pseud.: Bonaparte [genannt] ; Retlew ; Andreas Retlew ; Siebeneck (Symbol)

Ulflingen - Luxemburg


Foto: Aloyse-André Welter
Aloyse-André Welter
Foto: ©

Aloyse-André Welter besuchte von 1867 bis 1870 die Lehrernormalschule in Luxemburg und unterrichtete in Reimberg (Bettborn). 1880 wurde er Lehrer in Ospern und Reichlingen und 1881 in Luxemburg. 1884 quittierte er den Schuldienst und arbeitete als Redakteur beim Luxemburger Wort. Ein Jahr später übernahm er die Redaktion der Obermosel-Zeitung und gründete 1893 zusammen mit Joseph Beffort die Luxemburger Volkszeitung, deren leitender Redakteur er bis 1921 war und die er zu einer wichtigen politischen Zeitung im Großherzogtum machte.

Nach seiner Lehrerzeit schrieb Aloyse-André Welter wohl zahlreiche Romane und Novellen, die auch in Deutschland verlegt wurden, die aber heute zum größten Teil nicht mehr nachgewiesen werden können. Eldorado und Golgatha ist eine Liebesgeschichte in der spätromantischen Tradition, wobei Aloyse-André Welter jedoch in Anlehnung an die Literatur Hedwig Courths-Mahlers Brüche glättete und in harmonischen Idyllen auflöste.

Der Autor, der von seinen literarischen Gegnern teilweise abschätzig, aber auch hochachtungsvoll Bonaparte genannt wurde, griff mit satirischen und polemischen Beiträgen in die Literaturdebatten ein. Unter dem Pseudonym Retlew reagierte er in dem politischen Zeitgedicht In den Kämpfen auf den Gedichtband Über den Kämpfen von Nik Welter: In 824 Knittelversen legte er eine textkritische, poetische Lyrikanalyse vor, in der er vom Titel über das Motto bis hin zu einzelnen Versen die angeblich neutrale Position des Dichters angreift; einerseits brachte Aloyse-André Welter völkerrechtliche Argumente ein, andererseits schlug er deutschlandfreundliche Töne an, die er als objektiv bezeichnete.

Aloyse-André Welter verfasste zudem Lehrbücher für Deutsch und Rechnen. In mehreren Auflagen erschienen seine gemeinsam mit Jean-Pierre Bisdorff geschriebenen Lese- und Sprachbücher wie Neue Schreib-Lese-Fibel (1883) für das erste und anschließend auch bis zum vierten Schuljahr. Das von ihm vorgelegte Rechenbuch gehörte zu den Pflichtbüchern in der Grundschule des 19. Jahrhunderts.

Entgegen dem, was in den meisten Referenzwerken steht, verstarb Welter 1922, und nicht 1923.

Claude D. Conter

Werke

Titel Jahr Sprache Genres yearsort
Eldorado und Golgotha. Original-Novelle
Andreas Retlew (Aloyse-André Welter) [Autor]
1878
DEU
1878
In den Kämpfen. Kritisches Zeitgedicht eines Objektiven. Antwort auf die Zeitgedichte "Über den Kämpfen"
Retlew (Aloyse-André Welter) [Autor]
1915
DEU
1915

Mitarbeit bei Zeitungen

Titel der Zeitung Benutzte Namen
Luxemburger Volkszeitung II. und Annoncenblatt
Bonaparte [genannt]
Siebeneck (Symbol)
Aloyse-André Welter
Luxemburger Wort / d'Wort / LW
Aloyse-André Welter
Obermosel-Zeitung / OMZ
Aloyse-André Welter

Sekundärliteratur in Auswahl (Autor & Gesamtwerk)

Autor Jahr Info
Martin Blum
1899-1913 Beiträge zur Literaturgeschichte des Luxemburger Dialektes, oder, Die hauptsächlichen schriftstellerischen Erzeugnisse in diesem Dialekte
Martin Blum
1899-1901 Geschichtlicher Rückblick auf die im Großherzogthum Luxemburg bisher erschienenen Zeitungen und Zeitschriften. Ein Beitrag zur Culturgeschichte des Luxemburger Landes
Unbekannt
1923 Gedenktafel. In: Luxemburger Schulfreund 52 (1923) 1, S. 19.
1931 Der luxemburgische Lehrer in seiner schriftstellerischen Betätigung von 1815-1930
1952 Andreas Welter, Schulmann und Journalist. In: Luxemburger Wort 12.3.1952 (Warte Nr. 11/160)
1973 Schriftleiter-Silhouetten. Luxemburger Wortführer der Wahrheit
1981 Luxemburgs Kulturentfaltung im neunzehnten Jahrhundert. Eine kritische Darstellung des literarischen Luxemburg.
Vic Kalmes
1990 Vom Tagelöhnerkittel zum Gehrock. Eine Studie über die materielle und soziale Lage des Luxemburger Lehrers im 19. Jahrhundert.
Zuletzt geändert 23.08.2017