Nora Wagener

Luxemburg


Foto: Nora Wagener
Nora Wagener
Foto: ©

Nora Wagener besuchte die Grundschule in Mersch, das Lycée classique de Diekirch (2001-2004) und das Lycée Robert Schuman in Luxemburg (2004-2008). Nach dem Abitur studierte sie Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim und schloss 2012 mit einem Bachelor ab. 2013 erlangte sie das « Zertifikat Lëtzebuerger Sprooch a Kultur » (ZLSK) am Institut national des langues.

In Nora Wageners erstem Roman Menschenliebe und Vogel, schrei werden bei der Erzählerin Elke während eines Besuchs bei ihrer Großmutter Überlegungen über ihr Leben, das menschliche Dasein sowie ihre eigene Identität ausgelöst. Begleitet von ihrer Schwester, gedenkt Elke in Erinnerungsfragmenten einer gescheiterten Liebesbeziehung. In ihrem zweiten Buch E. Galaxien (2015) liefert die Autorin die eigenartigen und befremdenden Porträts dreier Figuren namens Erwin, Edgar und Eleonore, die sich in verschiedenen Mikrokosmen (etwa einem Einkaufszentrum, einem Familienhaus, einer neuen Wohnung oder einer Konditorei) bewegen, welche sich um kleine Einzelheiten eines fragilen Alltags drehen. Diese Figuren betreiben eine intensive Selbstreflexion über die Konfrontation der eigenen inneren Welt mit der Welt um sie herum. 2016 veröffentlichte sie zusammen mit Luc Caregari d’Glühschwéngchen. Dieses Kinderbuch auf Luxemburgisch wurde von Carlo Schmitz illustriert und schildert das Schicksal eines Schweinchens, das einer Wärmelampe zu lange ausgesetzt wurde und deswegen glüht. Im Winter ist die vom Tier abgestrahlte Wärme auf dem Bauernhof, wo es lebt, begehrt, im Sommer jedoch wird es von allen gemieden. Das Schweinchen macht sich daher auf der Suche nach einem kalten Land und fällt einer skrupellosen Figur namens Pingubausch, die sich auf Kosten des Glühschweinchens und anderer Tiere bereichert, zum Opfer. Die Erzählung prangert mittels Anspielungen die luxemburgische Politiklandschaft an und führt den kleinen Protagonisten dazu, sich für Freiheit und Gerechtigkeit zu engagieren. Im gleichen Jahr veröffentlichte sie Larven, ein Band mit sechzehn kurzen Prosaerzählungen um kleine Lebensereignisse, in denen verschiedene Charaktere Situationen ausgesetzt werden, die zum Teil unspektakulär (Einkäufe in Luxemburg-Stadt an einem Samstagnachmittag in Schassdomm oder eine verstohlene Begegnung zwischen zwei Schwestern in  Das Letzte über Frieda), zum Teil dramatisch (der Tod eines früheren Geliebten in Vergessen ist nirgends sowie der eines Vaters in Dann hättest du auch Larven), zum Teil absurd (in Bis dann, Marianne glaubt ein junger Mann die Frau seines Lebens habe ihn verlassen weil sie nicht wie abgesprochen an ihrem üblichen Rendezvous erscheint, wobei sich herausstellt, dass er sich am falschen Treffpunkt befindet) sind. Mittels einer metaphorischen und poetischen Ausdrucksform werden Handlungen hier mehr durchdacht als dass sie sich abspielten, und lösen sich in der Melancholie, der Eigenart und der Besonderheit des Blicks auf, den die jeweiligen machtlosen Betrachter auf sie werfen.

Nora Wagener ist auch im Theaterbereich aktiv. Sie nahm, unter anderem mit Ian De Toffoli, am internationalen Projekt Playing a part (2014-2015) teil, aus dem das Theaterstück 99% entstand, das sich mit den Themen der Mehrsprachigkeit und der Minderheiten auseinandersetzt. Nora Wagener ist zudem Mitorganisatorin der Lesungsreihe Impossible Readings. 2015 zeichnete sie für das Theaterstück Visions verantwortlich, das die kleine Welt einer deprimierten und paranoiden jungen Frau beschreibt, die ihre Wohnung nicht verlässt und täglich stundenlang auf den Bildschirm ihres Fernsehers starrt. Das Stück wurde von Claire Thill inszeniert und in der KUFA in Esch/Alzette aufgeführt.

Ab 2013 lieferte die Autorin Beiträge für Sammelbände, etwa Fragment 3793 (Luxemburg), Kleine LiteraTour durch Luxemburg, Hällewull (Slowenien), Manfred Maurers Reise in den Süden (Ӧsterreich) sowie für den Ausstellungskatalog Korrekturspuren.Textmetamorphosen (Luxemburg). Sie schrieb des Weiteren kurze Prosatexte für deutsche Magazine wie Opus und Streckenläufer, für die österreichische Zeitschrift manuskripte sowie, in Luxemburg, für die Tageszeitung Tageblatt und dessen Beilage kulturissimo, für die Zeitschrift forum und die Cahiers luxembourgeois, in denen sie zudem ihre ersten Gedichte auf Luxemburgisch veröffentlichte (2016).

Nora Wagener beteiligt sich an zahlreichen kulturellen Veranstaltungen, etwa in Luxemburg und im Ausland. Sie wirkte z.B. bei Literaturfestivals ‒ 2014 in Vilenica (Slowenien) und 2016 in Zagreb (Kroatien) sowie am „LiteraTour“ in Bettembourg (Luxemburg) im gleichen Jahr ‒  mit.

2012 erhielt sie drei Preise: den Manfred-Maurer Literaturpreis, den ersten Preis in der Jugendkategorie beim Concours littéraire national sowie den Hans-Bernhard-Schiff Förderpreis. 2014 wurde sie mit dem Prix arts et lettres des Institut Grand-Ducal ausgezeichnet. 2015 nahm sie an Autorenresidenzen in Ventspils (Lettland) und Berlin teil.

Ludivine Jehin

Mitarbeit bei Zeitungen

Titel der Zeitung Benutzte Namen
Cahiers luxembourgeois (Les). revue libre des lettres, des sciences et des arts
Nora Wagener
forum. fir kritesch Informatioun iwer Politik, Kultur a Relioun
Nora Wagener
kulturissimo. mensuel culturel et socio-politique
Nora Wagener
manuskripte. Zeitschrift für Literatur, Kunst, Kritik
Nora Wagener
Opus. Kulturmagazin
Nora Wagener
Poet (Poet[mag]). Literaturmagazin
Nora Wagener
Streckenläufer. Hrsg. PoCul, Verein für Politik und Kultur, Saarbrücken
Nora Wagener
Tageblatt / Escher Tageblatt = Journal d'Esch. Zeitung fir Lëtzebuerg
Nora Wagener

Sekundärliteratur in Auswahl (Autor & Gesamtwerk)

Autor Jahr Info
Carlo Kass
2014 "Ein Glücksfall für die Literatur". "Prix arts et lettres" 2014 an Nora Wagener. In: Tageblatt, 28.09.2014, S. 15
Daniel Conrad
2014 "Ich brauche das Schreiben". Nora Wagener erhält heute den "Prix Art et Lettres" des "Institut grand-ducal". Von kryptischen Texten und dem besonderen Blick der Autoren auf ihre Umwelt. In: Luxemburger Wort, 25.09.2014, S. 20
Samuel Hamen
2014 Lese-Experiment. Gespräch mit Nora Wagener und Christian van Doorne des Künstlerkollektivs Independent Little Lies über die Veranstaltungsreihe "Impossible Readings". In: Lëtzebuerger Journal, 03.12.2014, S. 16
2014 Prix 2014 Nora Wagener, écrivain
Uli Botzler
2014 Schreiben, bis die Sätze klingen. Schriftstellerin Nora Wagener. In: Télécran, 29.11.2014, S. 36-38
2015 Mussen et ëmmer futtis Leit sinn? Entretien avec Nora Wagener. In: d’Lëtzebuerger Land, Nr. 48, 27.11.2015, p. 17.
2015 Schriftstellerin NORA WAGENER ab September 2015 zu Gast im Literarischen Colloquium Berlin. 20.08.2015. [online Interview]
Anina Valle Thiele
2016 Die Wortkünstlerin. In: Revue, Nr. 16, 20.04.2016, p. 26-30
Anne Ludwig
2016 "Krimis könnte ich nicht schreiben". Nora Wagener über ihr Schaffen. In: Tageblatt, Nr. 234, 06.10.2016, p.34
2017 Inspiratioun fir d'Lëtzebuerger Kulturzeen, Radio 100,7, 30.01.2017 [online]
Marie-Anne Lorgé
2017 L'écriture, d'où ça vient ? : Festival Booksa. In : Le Jeudi, No 3, 19.01.2017, p.25

Sekundärliteratur zu den einzelnen Werken

Titel Jahr
Menschenliebe und Vogel, schrei 2011
E. Galaxien. Erzählungen 2015
Visions. Text: Nora Wagener / Regie: Claire Thill [Fotos: boshua Bohumil Kostohryz] 2015
d'Glühschwéngchen [illustrations de Carlo Schmitz] 2016
Larven. Kurze Geschichten 2016

Weblinks

Literaturpreise

Name Auszeichnung Ausgezeichnetes Werk Jahr
Concours littéraire national 1. Preis (Jugend) - Kurzgeschichte Der Sonntagsgreis 2012
Hans-Bernhard-Schiff-Literaturpreis (Saarbrücken) Förderpreis Schwester-Tier-Geschichte 2012
Manfred-Maurer-Literaturpreis The night they drove old dixie down 2012
Prix arts et lettres (Institut Grand-Ducal) 2014
Prix Servais Servais-Preis Larven. Kurze Geschichten 2017
Zuletzt geändert 08.03.2017