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Photo : Corina Ciocârlie


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© Collection CNL

Corina Ciocârlie

Corina Ciocarlie-Mersch ; Corina Mersch
Timişoara ()

Pseudonymes : C.C. ; C.M. ; CM

Corina Ciocârlie besucht von 1970 bis 1978 die Grund- und Mittelschule in Timişoara und anschließend von 1978 bis 1982 das Gymnasium in Loga. 1986 schloss sie ihr Literaturstudium an der Universität Bukarest mit dem Masterdiplom ab. 1989 wird sie zur Professorin für rumänische und französische Sprache und Literatur ernannt. Von 1990 bis 1992 lebt sie hauptsächlich in Brüssel, aber auch in Luxemburg und Bukarest. 1992 erteilt die Universität Bukarest ihr einen Doktortitel in romanischer Philologie. Im selben Jahr zieht sie nach Luxemburg, ein Land, das sie zwischen 2012 und 2017 vorübergehend verlassen wird, um in Lyon zu leben.

Corina Ciocârlie ist Lehrerin, Journalistin, Literaturkritikerin, Herausgeberin und Essayistin, zunächst in Rumänien, später hauptsächlich in Luxemburg. Zwischen 1994 und 2005 unterrichtet sie Französisch als Fremdsprache (DELF/DALF) an der Alliance Française in Luxemburg und seit 2000 Rumänisch für Übersetzer und Dolmetscher am Gerichtshof der Europäischen Union in Luxemburg. Von 2014 bis 2016 leitet sie Masterkurse über journalistisches Schreiben am Institut de la Communication, Lyon 2, sowie von 2018 bis 2020 in Theaterwissenschaft und Interkulturalität an der Universität Lothringen. Seit 2012 gibt sie am Lycée Hubert Clement in Esch-sur-Alzette Einführungskurse in den Journalismus, seit 2016 lehrt sie Theorie und Praxis der Edition an der Universität Bukarest, und seit 2018 leitet sie gemeinsam mit Jean Portante einen Masterkurs in komparatistische Literaturwissenschaft an der Universität Luxemburg.

Ihre Karriere als freie Journalistin beginnt 1991 in Rumänien und setzt sich ab 1992 im Großherzogtum fort, bis 2005 unter dem Namen Corina Mersch. Sie schreibt für Zeitungen und Zeitschriften in Rumänien (Orizont, România literară), Polen (Architektura) und Frankreich (Cahiers de l'Est, Seine & Danube, La Revue littéraire), sowie in Luxemburg für Tageblatt, d'Lëtzebuerger Land, Galerie, Les cahiers luxembourgeois, Nuova Europa, transkrit, Café-Crème und Adato. Zwischen 1997 und 2019 veröffentlicht sie in Le Jeudi wöchentlich Rezensionen, die der französischsprachigen Literatur und seltener der Kunst und Kultur im Allgemeinen gewidmet ist. Seit 2001 ist sie Leiterin des französischen Teils der Literaturbeilage Livres-Bücher der Tageszeitung Tageblatt, zusammen mit Guy Helminger, dem Leiter des deutschsprachigen Teils.

Als Herausgeberin arbeitet Corina Ciocârlie zunächst von 1990 bis 1991 im Eminescu Verlag in Bukarest. Im Jahr 2000 stößt sie zum Team vom Luxemburger Verlag Éditions Phi. Sie arbeitet u.a. an der Reihe „Amphithéâtre“ mit, in der sie unter dem Titel Une histoire sans fin (2000) einen Dialog mit Frank Hoffmann herausgibt sowie zwei Bände mit Aufzeichnungen rund um die Inszenierungsarbeit: Koltès ou le regard intercepté (2002) und Alceste 2004 (2004). Im Jahr 2002 lanciert Ciocârlie zusammen mit Jean Portante „radiographies“, eine Reihe für Lyrikanthologien. Hierfür realisiert sie zwei Bände, einen über die Dichter der Zeitschrift Po&sie mit dem Titel Joint disjoint (2002), den zweiten über acht rumänische Lyriker mit dem Titel Comme dans un dessin de Escher (2002). Seit 2006 gibt sie die Reihe „Aphinités“ heraus, die Texte luxemburgischer Autoren über bestimmte literarische und kulturelle Besonderheiten Luxemburgs thematisch versammelt, wie zum Beispiel über intime Orte im Band Où demeurer ailleurs que là (2007), Identität in Wat mir sinn (2008), Erinnerungen in Jours enfantins au royaume du Luxembourg (2010) oder Gaumenfreuden in Le Goût du Luxembourg (2018). Ciocârlie zeichnet außerdem von 2010 bis zur Schließung des Verlags 2014 für die französische Abteilung der Éditions Ultimomondo verantwortlich.

Corina Ciocârlie ist Autorin von sechs Essays in rumänischer und rund zwanzig Werken in französischer Sprache, darunter Essays, Anthologien, Interviewbücher und Ausstellungskataloge. Ihr Denken ist geprägt von den Werken von Emil Cioran, Jacques Derrida, Jack Kerouac, Allen Ginsberg und Claudio Magris.

Die in Rumänien veröffentlichten Essays beschäftigen sich mit Rezeptionsästhetik, Sprachtheorie, vergleichender Literaturwissenschaft und thematischer Analyse. Pragmatica personajului (1992) [Pragmatik der Figur] analysiert eine Auswahl rumänischer Romane nach drei diskursiven Prinzipien, dem trialogischen, dialogischen und monologischen; Fals tratat de disperare (1995, [Falsche Abhandlung der Verzweiflung]) nähert sich, ausgehend von Ciorans Werk, den Themen Verzweiflung, Böses und Nihilismus in der Literatur, und Femei in fata oglinzii  (1998, [Frauen vor dem Spiegel]) untersucht zwölf klassische und moderne Romane der rumänischen Literatur. Anschließend weitet Ciocârlie ihr Forschungsfeld auf die europäische Literatur aus, um ihre wichtigsten Strömungen zu identifizieren: In cautarea centrului pierdut (2010 [Auf der Suche nach der verlorenen Mitte]) untersucht sie die komplexe Beziehung zwischen Zentrum und Peripherie in der Literatur Mitteleuropas (Wien und die Provinzen des Habsburgerreiches), während Un ţărm prea îndepărtat (2013 [Ein zu weit entferntes Ufer]) einen Korpus rumänischer, balkanischer und mitteleuropäischer Autoren anhand des Begriffs der Grenze in seiner doppelten Bedeutung von Schranke/Durchgang miteinander vergleicht. 2019 veröffentlichen Corina Ciocârlie und die rumänische Schriftstellerin Andreea Răsuceanu gemeinsam ein Wörterbuch der literarischen Orte in Bukarest mit dem Titel Dicţionar de locuri literare bucureştene. Mit ihrem Werk București, kilometrul zero (2021 [Bukarest, Kilometer Null]) setzt Ciocârlie ihre Erkundung literarischer Schauplätze in der rumänischen Hauptstadt fort.

In ihren Arbeiten in französischer Sprache begleitet Ciocârlie die Erneuerung der großherzoglich-französischsprachigen Literatur des Großherzogtums seit den 1990er Jahren und zeigt deren Spezifik auf. Sie nähert sich den literarischen Werken über die Themen Grenzen und Migrationen sowie die ihnen zugrunde liegende Suche nach Identität innerhalb der europäischen Kulturen.

Ciocârlies erster in Luxemburg veröffentlichter Essay Un Miroir aux alouettes (1999) beleuchtet in Form eines Wörterbuchs kommentierter Zitate den Begriff des „Nomadentums“ als möglichen Gründungsmythos der Nationalliteratur, ausgehend von Beispielen aus Werken verschiedener französischsprachiger Autoren und Dichter Luxemburgs. Mit ihrem Buch Laissez-passer, Topographie littéraire d'une Europe des frontières, eine Textreise von Ost nach West, von Moskau nach Marseille, erweitert sie 2004 ihr Forschungsgebiet, um eine komplexe und vielfältige Architektur des Themas Grenze aus geographischer, soziologischer und mythologischer Sicht aufzuzeigen. Ihr 2011 erschienener Band Il n'y a pas de dîner gratuit, Petit abécédaire des rencontres littéraires (2012 ins Rumänische übersetzt unter dem Titel Nimic nu se da pe gratis) ist eine Satire, in der sie literarische Veranstaltungen zur Förderung des interkulturellen Dialogs auf humorvolle Weise entmystifiziert. 2021 begibt sich Ciocârlie mit Europe zigzag, einer modernen Odyssee, die reale Orte, deren literarischen Pendants sowie persönliche Erinnerungen und Betrachtungen miteinander vereint, auf die Spuren emblematischer Literaturschauplätze Europas.

Corina Ciocârlie ist darüber hinaus Initiatorin und Mitarbeiterin zahlreicher Projekte und Veranstaltungen literarischer wie soziokultureller Art. Von 1997 bis 2003 ist sie an der Organisation der Mondorfer Literaturtage beteiligt, indem sie für die Programmierung und Präsentation von Schriftstellern aus Osteuropa verantwortlich ist. 2001 beteiligt sie sich im Musée d’Histoire de la ville de Luxembourg (heute Lëtzebuerg City Museum) an der Organisation der Ausstellungen Luxembourg, les Luxembourgeois, Consensus et passions bridées und Attention, Tsiganes! Die Geschichte eines Missverständnisses. Im Jahr 2014 kuratiert sie im Centre national de littérature eine Ausstellung mit dem Titel Prendre le large um die Autoren Pierre Joris, Gilles Ortieb, Jean Portante, Guy Rewenig und Lambert Schlechter. Im Katalog zu dieser Ausstellung zeichnet Ciocârlie die - realen oder imaginären – Versuche dieser Autoren nach, die engen Grenzen des Großherzogtums zu überschreiten.

Auf didaktischer Ebene hat Ciocârlie hat zwei Dossiers mit Unterrichtsmaterialien veröffentlicht, eines zum Roman Mrs Haroy ou la mémoire de la baleine von Jean Portante, das andere zum Prosawerk Le murmure du monde et autres fragments von Lambert Schlechter. Seit 2012 organisiert sie gemeinsam mit Alexandra Fixmer pädagogische Aktivitäten zur französischsprachigen Literatur mit Schülern des Lycée Hubert Clément. Daraus sind mehrere Publikationen hervorgegangen, darunter die Zeitschrift Tëntefleck (2012-2014), das Tagebuch Sept jours de la vie d'un ado (2017) sowie das Buch Galaxie LHCE (2019). Im Herbst 2019 lanciert Ciocârlie nach dem Vorbild des Goncourt des lycéens mit Unterstützung der Buchhandlung Alinéa einen Literaturpreis, der von Gymnasiasten für den besten im Vorjahr in Luxemburg veröffentlichten Kurztext vergeben wird. Seit 2018 leitet Corina Ciocârlie eine Reihe von Treffen zum Thema Literatur, zunächst in der Buchhandlung Alinéa, später im Cercle Cité de Luxembourg.

Des Weiteren beteiligt sich Ciocârlie an kollektiven Arbeiten. 2004 veröffentlicht sie in Bukarest in Zusammenarbeit mit Frank Wilhelm und dem Centre Pierre Werner d'Etudes et Documentation Roumanie-Luxembourg eine Anthologie de littérature luxembourgeoise de langue française /Antologie de literatură luxemburgheză de limba franceză, die darin publizierten Gedichte wurden von Constanta Ciocârlie unter Mitarbeit von Mircea Cărtărescu übersetzt. Von 2012 bis 2015 verfasst sie in Zusammenarbeit mit dem Fonds Belval zwei Schriften, die die Entstehung der Stadt der Wissenschaften in Belval in all ihren Aspekten darstellen (2012, 2015), sowie zwei Bände für die Public Art Experience (2015, 2017). Sie wirkt außerdem an Werken über das Ingenieurwesen (JSE, 2008) und die Architektur (L'Architecture au XXe siècle, 2006, mit Alain Linster) mit. Schließlich arbeitet sie 2020 an der Realisierung des Katalogs Bodyfiction des European Month of Photography 2019 sowie an der Schrift mateneen (2020) mit, einer Publikation im Rahmen des Œuvre nationale de secours Grande-Duchesse Charlotte.

Corina Ciocârlie erhielt 1992 für ihr Buch Pragmatica personajului den Preis des rumänischen Schriftstellerverbandes, 1995 für Fals tratat de disperare den Preis des Schriftstellerverbandes Timişoara, 2011 für În căutarea centrului pierdut den Preis des Bukarester Kulturbeobachters sowie 2020 für Dicţionar de locuri literare bucureştene den Preis der Agenţia de carte de Bucarest. 2010 wurde ihr vom Verlag Ultimomondo der Lëtzebuerger Bicherpräis vergeben. Sie ist seit 1995 Mitglied des rumänischen Schriftstellerverbandes.

Cet article est signé Claude Bommertz

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  • Titre des périodiques
    Cahiers luxembourgeois (Les). revue libre des lettres, des sciences et des arts
    Noms utilisés
    Corina Ciocârlie
  • Titre des périodiques
    Galerie. Revue culturelle et pédagogique
    Noms utilisés
    Corina Ciocârlie
  • Titre des périodiques
    Jeudi (Le). l'hebdomadaire luxembourgeois en français
    Noms utilisés
    Corina Ciocârlie
  • Titre des périodiques
    Lëtzebuerger Land (d') / d'Letzeburger Land / LL. unabhängige Wochenschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur
    Noms utilisés
    CM
    Corina Ciocarlie-Mersch
  • Titre des périodiques
    Livres - Bücher. Un supplément du Tageblatt
    Noms utilisés
    C.C.
  • Titre des périodiques
    Nuova Europa = Nouvelle Europe = NEeuropa. arts, letters, science
    Noms utilisés
    Corina Ciocârlie
  • Titre des périodiques
    Tageblatt / Escher Tageblatt = Journal d'Esch. Zeitung fir Lëtzebuerg
    Noms utilisés
    Corina Ciocârlie
  • Titre des périodiques
    transkrit. Revue littéraire - Zeitschrift für Literatur
    Noms utilisés
    Corina Ciocârlie

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  • Mondorfer Dichtertage

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Citation:
Claude Bommertz, « Corina Ciocârlie », sous : , mise à jour du 25.11.2021, consulté le .