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Foto: Gaston Carré


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© Collection CNL

Gaston Carré

Diedendorf ()

Pseudonyme: Antonin Bach ; G. ; GC ; G.C. ; Saint-Drome ; François Sorel

Gaston Carré ist der Sohn eines französischen Vaters und einer deutschen Mutter. Nach einem Doktorat in klinischer Psychologie und Psychopathologie in Straßburg unterrichtete er Französisch und Philosophie in Frankreich. 1983 kam er nach Luxemburg, wo er zunächst als Psychologe in der Marketingabteilung von Ferrero arbeitete. Ab 1989 betätigte er sich als Journalist, bis 1991 und von 1993 bis 2000 beim Lëtzebuerger Journal. Dazwischen arbeitete er 1992 als Berater für die Europäische Kommission. Ab 1992 war er, unter Pseudonym, auch freier Mitarbeiter von d'Lëtzebuerger Land. Von 2001 bis 2004 war er Journalist bei der Voix du Luxembourg, anschließend, von 2005 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand, beim Luxemburger Wort. Nach langen Jahren als Leiter der Kulturabteilung wechselte er 2017 als Leitartikler zur internationalen Politik. Gaston Carré ist verheiratet mit Sonia da Silva.

Gaston Carré beschäftigte sich zuerst mit psychologischen Themen und schrieb Sachbücher über die Rauschgiftsucht: Repères cliniques et théoriques pour une approche de l'héroïnomanie (1985) und Toxicomanie (1991). Er arbeitete mit an der Studie Intégration et assimilation des Portugais au Grand-Duché de Luxembourg (1987) und schrieb im Lëtzebuerger Almanach vum Joerhonnert (1999) eine Chronik über die Entwicklung der psychiatrischen Anstalten in Luxemburg.

Killing Fields, les champs de l'obscène. 78 jours de guerre pour le Kosovo (1999) ist eine mit persönlichen Ansichten kommentierte politische Chronik des militärischen Einsatzes der alliierten Truppen im Kosovo und der interethnischen Beziehungen in Teilen des auseinanderfallenden ehemaligen Vielvölkerstaats Jugoslawien. Die Gutheißung der alliierten Bombenangriffe brachte ihm heftige Anfeindungen ein.

Carré arbeitet auch mit und über bildende Künstler, etwa als Autor oder Co-Autor der Studien über die Maler Guy Michels (2009) und Charly Reinertz (2011), des Textes zum Katalog für Michel Medingers Fotoausstellung Pompes à essence. 1980-1990 (2011). 2015 verfasste Gaston Carré Erläuterungen zu Brasilien und zu den Musikern im umfangreichen Begleitbuch der CD Macumba, mit Musik vom Fala Brasil Trio und Fotos von Adriano Aquino.

Auch in Carrés literarischen Werk spielt die Psychologie eine wichtige Rolle. Menschen, ihr Leben und ihre Gemütsverfassung werden vorgestellt und im Zusammenspiel mit ihrem gesellschaftlichen Umfeld untersucht.

Un accord en souffrance schildert die fiktive Biografie von Friedemann Bach, der unter dem Ruhm seines Vaters Johann Sebastian litt. Gaston Carré analysiert die psychologischen Ursachen dieses Scheiterns. Das Werk wurde beim Prix Libertés 2000 ausgezeichnet. Figures de la névrose ordinaire enthält Reflexionen und Beobachtungen u.a. über Luxemburg, die regelmäßig unter dem Pseudonym Saint-Drome in der Voix du Luxembourg erschienen. In Retour à Jajouka verfolgt der Erzähler die Spuren des Rolling Stones Begründers Brian Jones in Marokko, Carré vermischt hier Elemente der Reiseliteratur, des literarischen Essays und der Biographie. Eine Neuauflage erschien 2018 unter dem Titel Un Rolling Stone dans le Rif.

Im Roman Retour en Barbarie brechen zwei Freunde, Söhne von ebenfalls befreundeten Vätern der 68-Generation, zum Kampf auf der Seite des sogenannten Islamischen Staats IS nach Syrien auf. Der Ich-Erzähler, einer der Väter, und sein Umfeld, müssen sich mit vielfältigen Fragen auseinandersetzen, von der Faszination, die diese Terrorgruppe und ihre Gewalt auf Jugendliche ausübt, über die Werte, für die ihre Kinder sich einsetzen, die Überzeugungen, Kämpfe und Erlebnisse in der eigenen Jugend, bis hin zur Frage, was sie unternehmen können, damit die Jugendlichen wieder zurückkehren. Reisen nach Indien oder in den Orient, die Suche nach philosophischen und pazifistischen Inhalten, Drogengeschichten und Rockmusik sind Aspekte einer Auflehnung der Väter gegen die eigenen Eltern, die sich zum Teil in den Abnabelungsversuchen der Söhne widerspiegeln.

Ausgehend von seiner Erfahrung als Journalist und ehemaliger Leiter der Kulturabteilung des Luxemburger Wort schildert Gaston Carré in der realistischen Fiktion Page blanche die Entwicklungen in einer Tageszeitung, bei der sich die Firma und die Belegschaft den Umwälzungen durch den immer stärker werdenden Einfluss der schnelllebigen Online-Ausgaben und durch verschwindende Werbeeinnahmen stellen müssen. L’année du Rat (2020) ist eine Mischung von kurzen Stimmungsbildern aus der coronavirusbedingten Lockdown-Zeit, von essayistischen Überlegungen zum Zusammenleben in der luxemburgischen Gesellschaft, von Zitaten sowie von philosophischen Maximen eines Ich-Erzählers, der einer ungewohnten Situation gegenübersteht. In der chinesischen Astrologie ist 2020 das Jahr der Ratte, so die Übersetzung des Titels.

Gaston Carré schreibt zahlreiche Literatur- und Musikrezensionen für La Voix du Luxembourg und Luxemburger Wort, aber auch in deren Beilage Lesezeit - Lectures pour tous. Einige seiner literarischen, satirischen und essayistischen Texte erschienen in diesen Zeitungen, aber auch in Les Cahiers luxembourgeois, d'Lëtzebuerger Land, Luxemburger Marienkalender oder nos cahiers sowie in den Anthologien Intercity (LSV, 1995) und E Buch am Zuch (2004). Die Erzählungen Les élucrubations d'Al Mustafa le Bédouin und Etat de grâce sur la place d'Armes waren 1992 beim Concours littéraire national ausgezeichnet worden.

Dieser Artikel wurde verfasst von Nicole Sahl

Veröffentlichungen

Sonstige Mitarbeit

Mitarbeit bei Zeitungen

  • Titel der Zeitschriften
    Cahiers luxembourgeois (Les). revue libre des lettres, des sciences et des arts
    Verwendete Namen
    Gaston Carré
  • Titel der Zeitschriften
    Lesezeit - Lectures pour tous. Supplément commun de Luxemburger Wort et d'Voix
    Verwendete Namen
    Gaston Carré
  • Titel der Zeitschriften
    Lëtzebuerger Journal / Letzeburger Journal / Journal / LJ. Politik, Finanzen a Gesellschaft
    Verwendete Namen
    Gaston Carré
    G.C.
  • Titel der Zeitschriften
    Lëtzebuerger Land (d') / d'Letzeburger Land / LL. unabhängige Wochenschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur
    Verwendete Namen
    Gaston Carré
    François Sorel
  • Titel der Zeitschriften
    Luxemburger Wort / d'Wort / LW
    Verwendete Namen
    G.C.
  • Titel der Zeitschriften
    Marienkalender / Luxemburger Marienkalender / Lëtzebuerger Panorama
    Verwendete Namen
    Gaston Carré
  • Titel der Zeitschriften
    nos cahiers. Lëtzebuerger Zäitschrëft fir Kultur
    Verwendete Namen
    Gaston Carré
  • Titel der Zeitschriften
    Voix du Luxembourg (La)
    Verwendete Namen
    GC
    Saint-Drome
    Antonin Bach

Sekundärliteratur

Auszeichnungen

Archiv

Zitiernachweis:
Sahl, Nicole: Gaston Carré. Unter: , aktualisiert am 28.10.2020, zuletzt eingesehen am .