Pierre Hentges

Pierre Hentges sen.

Pseud.: Hapé ; HEP ; Pierchen

Bonneweg (damals Gemeinde Hollerich) - Luxemburg


Foto: Pierre Hentges
Pierre Hentges
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Pierre Hentges wuchs in Bonneweg auf und besuchte von 1901 bis 1908 die Industrie- und Handelsschule in Luxemburg. Von 1912 bis 1918 arbeitete er als Lohnbuchhalter bei der Gelsenkirchener Bergwerks Aktiengesellschaft in Esch/Alzette. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm er in Bonneweg das Café seines Vaters, der 1918 bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen war, und wurde später Besitzer des Hotels Mille Colonnes, bevor er von 1922 bis 1962 einen Weinhandel betrieb.

Pierre Hentges ist zunächst als Turner und ab 1922 als Sportfunktionär in nationalen und internationalen Verbänden bekannt geworden. Er nahm 1909 an der Weltmeisterschaft und 1912 an den Olympischen Spielen in Stockholm teil. 1949 führte er den Wertungskodex bei Turnveranstaltungen ein. 1954 wurde er technischer Direktor des internationalen Turnerverbandes. Pierre Hentges gründete 1928 den ersten weiblichen Turnverein Gym, 1930 führte er die Sportart Volleyball in Luxemburg ein. Er legte seine Vorstellungen vom Turnen als einer Wissenschaft der Bewegung in der von ihm 1917 begründeten Zeitschrift des Verbandsorgans Le Gymnaste sowie in Luxemburger Handbuch für Leibesübungen (1936) und Beiträge zur Physiologie der Leibesübungen (1948) dar.

Mit seinen erzieherischen Aufgaben beim Turnverein verband Pierre Hentges ab 1910 sein schriftstellerisches Werk. Er schrieb mehrere Ballettstücke (u. a. Rêve des fleurs, Mimosa, Estudiantina, De Gassebouwendanz), die von den Turnergruppen aufgeführt wurden. Später schrieb er Einakter, Farcen und Lustspiele in luxemburgischer Sprache. Kennzeichnend für die Verwechslungskomödien sind Situations- und Sprachkomik sowie das Spiel von Wahrheit und Lüge. Pierre Hentges adaptierte zudem Stücke aus dem Deutschen ins Luxemburgische (Blitz-Block oder Geschwönnegkét as kéng Hexerei). Er vertonte die Couplets seiner Lustspiele selbst. Auch schrieb er Liedertexte und Melodien zu Unterhaltungsstücken von Pol Stümper und Adolphe Amberg. Pierre Hentges hat darüber hinaus auf Einblattdrucken Lieder und Gedichte in luxemburgischer und deutscher Sprache veröffentlicht: Gelegenheitsgedichte, Trinklieder, komische Gedichte. Nach 1945 verfasste Pierre Hentges patriotisch-dynastisch gesinnte Lieder und Gedichte in luxemburgischer Sprache.

Zusammen mit dem Fotografen und Schwiegersohn Tony Krier dokumentierte Pierre Hentges die Befreiung Luxemburgs, den Dank an die Alliierten und die der großherzoglichen Familie entgegengebrachte Ehrerbietung in Fotoreportagen, Broschüren und Festbüchern wie Faithful Luxembourg to her Liberators (1944), Luxembourg martyr 1940-1945 (1945-1946) und Le souverain et son peuple (1965). Beide gestalteten auch die Bände über die Landschaft Luxemburgs wie Notre Moselle riante et belle (1967).

Claude D. Conter

Sekundärliteratur in Auswahl (Autor & Gesamtwerk)

Autor Jahr Info
Jean Kies
1964 frisch, frei und … Pierre Hentges. In: Revue 17.10.1964, S. 32-36.
2016 Luxemburger Musikerlexikon: Komponisten und Interpreten. Band 1: 1815-1950.

Sekundärliteratur zu den einzelnen Werken

Titel Jahr yearsort
De Ligeflix oder Durech d'Fegfeier gejot. Kome'de'steck mat Gesank an èngem Akt 1921 1921

Mitgliedschaft

Name
Verein für Volks- und Schulhygiene
Volksbildungsverein = Allgemeiner Volksbildungsverein für das Großherzogtum Luxemburg = Association d'éducation populaire
Zuletzt geändert 17.06.2015