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Foto: Joseph-Émile Muller


Foto:
© Wolfgang Osterheld/Collection CNL

Joseph-Émile Muller

Joseph-Emile Muller
Kehlen Berburg

Pseudonyme: Hellmut Kuno Berk ; Helmut Gunter ; Bert Hellmuth ; Bert Helmuth ; J.-E. ; J.E. ; Joseph-Emile ; K.A. Reinoldt ; Kurt Reinoldt

Joseph-Émile Muller stammt aus einer Handwerkerfamilie und besuchte nach der Grundschule in Kehlen das Athenäum. 1929 begann er eine Berufslaufbahn bei der Alters- und Invalidenversicherung. Von Juni 1943 bis Mai 1945 wurde er nach Schlauphof in Niederschlesien und Maxhütte-Haidhof in der Oberpfalz deportiert. Nach seiner Rückkehr nach Luxemburg wurde er von Minister Pierre Frieden im Musée national d'histoire et d'art mit dem neugegründeten Service d'éducation esthétique betreut und später zum Leiter des Service des Beaux-Arts ernannt. Bis 1976 organisierte Muller Ausstellungen und Museumsführungen und machte Einführungen in die moderne Kunst in den Sekundarschulen und in verschiedenen Ortschaften des Landes. Daneben hielt er jahrzehntelang Vorträge im In- und Ausland, so z. B. in Antwerpen, Brüssel, Paris, Moskau und Leningrad. Zwischen 1974 und 1976 war er Lehrbeauftragter für Kunstgeschichte am Centre universitaire in Luxemburg, zwischen 1977 und 1986 gab er kunstgeschichtliche Kurse an der Universität Salzburg. Muller war seit 1949 Mitglied der Association internationale des critiques d'art (AICA) und seit 1967 Mitglied des Institut grand-ducal, Section des arts et des lettres. 1977 war er Gründungsmitglied und bis 1991 erster Präsident der Amis du Musée national d’histoire et d’art

Joseph-Émile Muller trat vor allem als Kunsthistoriker und -kritiker hervor. Zwischen 1946 und 1982 publizierte er zahlreiche Kritiken in luxemburgischen Zeitungen und Zeitschriften wie Escher Tageblatt, Les Cahiers luxembourgeois, d'Lëtzebuerger Land, aber auch in ausländischen Publikationen wie Critique, Prisme des Arts, Merian oder Die Kunst und das schöne Heim. Muller veröffentlichte in Frankreich über 25 Titel zur Kunst der Moderne, so z. B. über Fauvismus, Kubismus und über die Maler und Bildhauer Klee, Seurat, Estève, Gauguin, Cézanne, Lobo, Wercollier, aber auch über Rembrandt und Velazquez. In Luxemburg legte er Monografien vor zu Joseph Kutter, Joseph Probst, Michel Stoffel und Lucien Wercollier. Muller war auch Mitarbeiter einer Reihe von Lexika, Enzyklopädien und Sammelbänden zur modernen und zur abstrakten Kunst. Verschiedene seiner Titel wurden ins Deutsche, Englische, Spanische, Hebräische, Italienische, Japanische, Holländische, Portugiesische und Rumänische übersetzt.

Muller interessierte sich neben der Kunst auch für die Literatur. Er hatte als Literaturkritiker wiederholt Kontroversen mit Pierre Grégoire. Ende der 1920er Jahre war er Mitarbeiter der luxemburgischen Zeitschrift Junge Welt. In dieser Zeit veröffentlichte er expressionistische Gedichte wie Auferstehung. Ein Dichter spricht und Abendlicher Gang aus der Stadt in Les Cahiers Luxembourgeois. Anfang der 30er Jahre plante er mit Albert Elsen die Herausgabe der international ausgerichteten literarischen Zeitschrift Der Ferge [d. h. Der Fährmann]. Er konnte als Mitarbeiter u. a. Günter Eich, Richard Billinger, Fritz Diettrich, Joachim Maass, Martin Raschke, Ernst Sander, Max Sidow und Martin Beheim-Schwarzbach gewinnen. Wegen finanzieller Schwierigkeiten musste der Plan aufgegeben werden.

In seinen politischen Auffassungen vertrat Muller einen wissenschaftlich fundierten Sozialismus. Seine Sympathie für die Sowjetunion brachte er, ohne jemals Mitglied der Kommunistischen Partei gewesen zu sein, in Escher Tageblatt, Die Tribüne und Die neue Zeit zum Ausdruck. Als die Luxemburger Sozialisten während des Spanischen Bürgerkriegs Abende zur Unterstützung der Republikaner organisierten, trug Muller Gedichte und Prosa deutscher Emigranten vor. Als Sekretär des hauptstädtischen Volksbildungsvereins organisierte er in der zweiten Hälfte der 30er Jahre Abende mit emigrierten Schriftstellern wie Karl Schnog und Ernst Hartmann. In seinen Buchbesprechungen zur deutschen Emigrantenliteratur trug er zur Rezeption zeitgenössischer engagierter Autoren wie Johannes R. Becher, Erich Weinert und Bert Brecht bei. Unter dem Titel Nazideutsche Literatur, nein! in Les Cahiers luxembourgeois vertrat er in einer Polemik mit Eugen Ewert die Position, dass der Dichter die Aufgabe habe, Anwalt des Menschen, seiner Würde und Freiheit zu sein und dass diese Aufgabe nur von Schriftstellern in der Emigration geleistet werden könne. Nach dem Zweiten Weltkrieg veröffentlichte Muller in der gleichen Zeitschrift eine Reihe lyrischer Texte unter dem Titel Gedichte aus dem Krieg, die zwischen 1940 und 1944 entstanden waren. Zuerst im Schatten, dann im Licht sind die Lebenserinnerungen Mullers. Unveröffentlicht blieb das Romanfragment Die Rache, dessen Handlung in Luxemburg am Ende der 40er Jahre angesiedelt ist.

Joseph-Émile Muller, der schon 1933 bei der von der AGEL/ASSOSS organisierten Ehrung Victor Hugos in Vianden Gedichte aus den Châtiments deklamiert hatte, legte auch zwei Bücher zu Victor Hugos Aufenthalt in Luxemburg vor. Desgleichen warJoseph-Émile Muller Beiträger der Colpach-Monografien von 1957 und 1978 und veröffentlichte 1980 in Zusammenarbeit mit Marcel Schroeder und Tony Bourg den Begleitband Les Mayrisch, l'apport et le rayonnement européen d'une famille luxembourgeoise zur gleichnamigen Ausstellung. 1988 erhielt er die Paul Henkes-Medaille für seine Verdienste um die Luxemburger Kultur.

Dieser Artikel wurde verfasst von Gast Mannes und Sandra Schmit

Veröffentlichungen

Sonstige Mitarbeit

Mitarbeit bei Zeitungen

  • Titel der Zeitschriften
    Arts et lettres. publication de la Section des arts et des lettres de l'Institut grand-ducal
    Verwendete Namen
    Joseph-Émile Muller
  • Titel der Zeitschriften
    Cahiers luxembourgeois (Les). revue libre des lettres, des sciences et des arts
    Verwendete Namen
    Joseph-Émile Muller
    Helmut Gunter
  • Titel der Zeitschriften
    Critique. revue générale des publications françaises et étrangères
    Verwendete Namen
    Joseph-Émile Muller
  • Titel der Zeitschriften
    Junge Welt. Literatur-Kunst-Sport-Schönheit
    Verwendete Namen
    Joseph-Emile
    J.E.
    Joseph-Émile Muller
  • Titel der Zeitschriften
    Kunst und das schöne Heim (Die). Monatsschrift für Malerei, Plastik, Graphik, Architektur und Wohnkultur
    Verwendete Namen
    Joseph-Émile Muller
  • Titel der Zeitschriften
    Lëtzebuerger Land (d') / d'Letzeburger Land / LL. unabhängige Wochenschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur
    Verwendete Namen
    Joseph-Émile Muller
  • Titel der Zeitschriften
    Merian. das Monatsheft der Städte und Landschaften
    Verwendete Namen
    Joseph-Émile Muller
  • Titel der Zeitschriften
    neue Zeit (Die) [1936-1940]. Monatsschrift für Demokratie, Geistesfreiheit und Kultur
    Verwendete Namen
    Joseph-Emile
    J.-E.
    Joseph-Émile Muller
  • Titel der Zeitschriften
    Phare (Le). Kulturelle Beilage - Point de vue culturel
    Verwendete Namen
    Joseph-Émile Muller
  • Titel der Zeitschriften
    Prisme des arts. revue internationale d'art contemporain
    Verwendete Namen
    Joseph-Émile Muller
  • Titel der Zeitschriften
    Tageblatt / Escher Tageblatt = Journal d'Esch. Zeitung fir Lëtzebuerg
    Verwendete Namen
    Joseph-Émile Muller
  • Titel der Zeitschriften
    Tribüne (Die). Wochenzeitschrift für politisches und geistiges Leben
    Verwendete Namen
    Joseph-Emile
    Joseph-Émile Muller
  • Titel der Zeitschriften
    Voix des Jeunes (La) (Voix (La))
    Verwendete Namen
    Joseph-Émile Muller

Sekundärliteratur

Auszeichnungen

Mitgliedschaft

  • ASSOSS/AGEL - Association générale des étudiants luxembourgeois (1912)
  • Institut grand-ducal Section des arts et des lettres
  • SELF / S.E.L.F. - Société des écrivains luxembourgeois de langue française

Archiv

Zitiernachweis:
Mannes, Gast/Schmit, Sandra: Joseph-Émile Muller. Unter: , aktualisiert am 15.11.2019, zuletzt eingesehen am .