Wir verwenden essenzielle Cookies, um Ihnen ein besseres Erlebnis auf unserer Website zu gewährleisten. Mehr erfahren

Foto: Bernd Marcel Gonner


Foto:
© Droits réservés/Alle Rechte vorbehalten

Bernd Marcel Gonner

Bernd Gonner
Luxemburg

Bernd Marcel Gonner ist ein in Baden-Württemberg lebender Luxemburger. Er studierte von 1988 bis 1994 Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte sowie Deutsch als Fremdsprache (DaF) an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Von 1994 bis 2011 arbeitete er hauptamtlich auf dem Gebiet DaF, als Fachassistent an der Karls-Universität Prag (1994-97), als Sprachdozent bei den Deutschkursen der Ludwig-Maximilians-Universität München (1997-2009) und als Lehrkraft für besondere Aufgaben am Sprachenzentrum der FU Berlin (2011). Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit ist Deutsch als fremde Wissenschaftssprache. Seit 2009 ist Gonner freier Schriftsteller und arbeitet weiterhin selbständig im Bereich DaF, u.a. für die Zentrale des Goethe-Instituts München.

Bernd Marcel Gonner, der schon als Student im Redaktionsteam der Bamberger Zeitschrift Die Palette mitarbeitete, schreibt Lyrik, Prosa, Kinderliteratur und Theaterstücke in deutscher Sprache. Ein Teil seiner Erzählungen und Gedichte erscheint in Zeitschriften (u.a. lauter niemand, sterz, Matrix, orte, Der Maulkorb) und Anthologien (u.a. Osten 2003, Schlafende Hunde 2004 und 2015, Queerlyrik 2015, Lyrik der Gegenwart 2015 und 2016 ) sowie in den Webzeitschriften satt.org und levurelitteraire.com. Das Gedicht im Künstlerbuch naupliamond (2006), mit Bildern von Katinka Molde, kann zur Kategorie der Kinder- und Nonsensgedichte gezählt werden. Im Ausstellungskatalog Aufbewahrt des Merscher Literaturarchivs hat Gonner den poetologisch-autobiografischen Essay "Grasland", oder, Wie ich Schriftsteller wurde publiziert.

Bereits in Bamberg war Gonner Mitgründer und Mitglied der studentischen Theatergruppe Die Lemuren. Bisher unveröffentlichte Dramentexte wurden auf verschiedenen Bühnen gelesen oder aufgeführt: Liebig 14 auf dem Stückemarkt des Théâtre National du Luxembourg (2014) sowie Auszüge aus Penelopesound am Westbahntheater Innsbruck (2015). Mit Kurzgeschichten wurde er bei anderen Veranstaltungen eingeladen: Blaugluth beim Literaare Theaterfestival Thun (2015), Kleines Tedeum beim Lit.Fest. - Literaturfest für Stuttgart (2016). Grimmia sessitana oder Einfache Seligpreisungen wurde unter der Regie des in Berlin lebenden Luxemburger Regisseurs Fränk Heller als performative Lesung auf dem Marburger Kurzdramenfestival des Theaters GegenStand 2016 aufgeführt und dort mit dem Sonderpreis für Kurzdramen ausgezeichnet. Unter dem gleichen Titel Grimmia sessitana oder Einfache Seligpreisungen, nach dem Namen eines Mooses, verarbeitete Gonner das Motiv des Kurzdramas von 2016 in gänzlich anderer Form als Hörspiel und gewann damit den Hörspielpreis 2017 des Radio 100,7. Gonner kooperiert auch mit dem Musiker und Komponisten Bernhard Ruchti und Michael Maria Ziffels, u.a. an Musiktheaterprojekten.

Im Mittelpunkt des Versepos Oderberger (2020) steht die Freundschaft von vier homosexuellen Punks und Ausreißern, deren Kiez- und Liebesleben in bilderreichen, dialoghaften Milieuschilderungen erzählt wird. Die titelgebende Straße im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg, die vor der Wende im Osten als Sackgasse an der Mauer endete, erscheint als enigmatischer Erinnerungsort für das hedonistisch-anarchistische Lebensgefühl der Ost-Berliner Künstler- und Hausbesetzerszene nach 1989. Formal wird das evozierte Lokalkolorit durch einen entsprechenden Soziolekt, die bewusste Missachtung von Rechtschreibregeln, die stilistische Sakralisierung des Profanen oder die teils kryptische (Sexual)metaphorik künstlerisch verstärkt. Indem mit den überwiegend kreuzgereimten, dreihebigen Vierzeilern mit abwechselnd weiblicher und männlicher Kadenz ironisierend auf die Tradition der Volksliedstrophe Bezug genommen wird, wird nicht nur eine Linie zur mittelalterlichen Heldenepik gezogen, sondern auch der gemeinschaftsstiftende Aspekt des dekadent zur Folklore tendierenden Lebensstils unterstrichen.

Auch bei den Protagonisten der in Volk der Freien (2021) versammelten zehn Erzählungen handelt es sich um freidenkerische Linksintellektuelle – systemkritische Autoren, Anarchisten, Kommunisten, Hausbesetzer oder Aussteiger – , deren unkonventionellen, auf Gemeinschaftlichkeit und Pazifismus ausgerichteten Lebensentwürfe gegen die Bevormundung durch staatliche Macht(diskurse) gerichtet sind und mit diesen in Konflikt geraten. In dem von Michael Blümel illustrierten Prosaband findet die Gegenüberstellung von unterschiedlichen sozialen Schichten und ideologischen Überzeugungen vor dem Hintergrund der deutschen und insbesondere der Berliner Geschichte des 20. Jahrhunderts statt, wobei u.a. die Weimarer Republik, die 70er Jahre oder die Wendezeit fokussiert werden. Die vielschichtige, intertextuelle Schreibweise verweist u.a. auf Gustav Regler, Ernst Bloch, Anna Seghers, Ernst Meister, Friedrich Hölderlin, die Bibel oder Texte der Rockgruppe Ton Steine Scherben. Einige der zitierten Autoren treten in den Erzählungen auch als Figuren auf.

Der Abenteuerroman für Kinder Pirat, oder Seeräuber sterben nie (2017) erzählt aus der Sicht des Igels Pirat dessen Freundschaft zu dem Jungen Paul. Angesprochen werden Themen wie die Beziehung zwischen Mensch und Tier, die Vergänglichkeit und die Suche nach dem Sinn des Lebens. Eigenständigkeit und Freiheit von Junge und Igel kontrastieren mit der Geborgenheit in der Familie.

Bernd Marcel Gonners Text Ihr wisst ja nicht oder Die beste aller möglichen... wurde 2013 mit dem Hauptpreis des Hans-Bernhard-Schiff-Literaturpreises in Saarbrücken ausgezeichnet. 2017 wurde der Gedichtzyklus (n)immer / müder / Flug. Liebeslieder mit dem 15. Feldkircher Lyrikpreis prämiert. Gonner wurde auch beim Concours littéraire national in Luxemburg ausgezeichnet; der Text Pirat erhielt 2016 den ersten Preis im Bereich Kinderliteratur, während Volk der Freien als Kurzgeschichtenband 2017 den 2. Preis bekam. 2020 erhielt er für die Prosacollage Transitverkehr den Gustav-Regler-Förderpreis.

Dieser Artikel wurde verfasst von Nicole Sahl und Tim Reuter

Veröffentlichungen

Sekundärliteratur

Auszeichnungen

Archiv

Zitiernachweis:
Sahl, Nicole/Reuter, Tim: Bernd Marcel Gonner. Unter: , aktualisiert am 06.07.2021, zuletzt eingesehen am .