Tony Kellen

A. Kellen; Anton Kellen; Pierre-Jean-Antoine Kellen

Pseud.: J. Anthony ; Deutschnationaler (Ein) ; J. (von) Eltz ; T. Kerna ; T. Lelenk ; X. Lümburger ; J. Lützelburger ; J. Lützel ; A. Mosellanus ; Erich Peladan ; Anton Quidam ; Spectator ; T.K. ; Tony Tryella ; Jan van der Eltz ; Viator ; von einem Deutschnationalen ; -y.

Luxemburg - Hohenheim/Stuttgart ()


Foto: Tony Kellen
Tony Kellen
Foto: ©

Tony Kellen war der Sohn des Lehrers und Postbeamten Jean-Baptiste Kellen, der als Begründer der luxemburgischen Bienenzucht gilt. Nach dem Besuch des Gymnasiums, wo er ein Kommilitone von Pierre Bourg war,  und der Cours supérieurs in Luxemburg studierte er Philologie an der Sorbonne und am Collège de France. Den ursprünglich angestrebten Lehrerberuf gab er früh zugunsten des Journalismus auf. Ab Herbst 1892 war Tony Kellen in Straßburg Mitglied der Redaktion der zweisprachigen elsässischen Zeitung Elsässer Journal und Niederrheinischer Courrier. 1895 übersiedelte Tony Kellen nach Essen und wurde Redakteur des kulturellen Teils der katholischen Essener Volkszeitung. Zugleich trug er die redaktionelle Verantwortung für die Beilage Die Zeit in Wort und Bild und für die Wochenschrift Kindergarten. In Essen war Tony Kellen auch Leiter des Buchverlages Fredebeul & Koenen und zeitweise zugleich Mitarbeiter der Stadtverwaltung und des Krupp-Konzerns, für den er eine Bibliografie und die Biografie F. A. Krupps verfasste. Tony Kellens Interesse an der Entwicklung im Ruhrgebiet äußerte sich in Führern und illustrierten Werken über Essen und in kulturgeschichtlichen Vorträgen an den Akademischen Kursen. Ab Mai 1917 lebte Tony Kellen in Stuttgart, wo er während 26 Jahren literarischer Beirat der Franckh'schen Verlagsbuchhandlung und Mitarbeiter des Kosmos-Verlags war.

Tony Kellen verstand sich als Berufsschriftsteller und verfasste über 300 monografische Titel. Er schrieb den Roman Der Wunderdoktor, Novellen, Erzählungen und illustrierte Reise- und Wanderführer. Eine führende Rolle in der deutschen Presselandschaft spielte Tony Kellen durch die Neubearbeitung der Werke des katholischen Kritikers Heinrich Keiter über Buch-, Presse- und Verlagswesen. Daneben lieferte Tony Kellen zahlreiche Feuilletonbeiträge und Studien zu vielen Themen wie Bienenzucht, Katzen, Komische Oper, ländliche Wohlfahrtspflege, Bibliothekswesen, Anstand, Arbeiterbildungsvereine, Pazifismus, Länder- und Sprachenkunde, Presse- und Verlagsgeschichte, Vertrieb der Massenliteratur, Bedeutung der Mundart für die Literatur, Schauspiel- und Theaterwesen. Für die in Wien erscheinende Zeitschrift Dokumente der Frauen schrieb er über Autorinnen. Als Beiträger veröffentlichte Tony Kellen im Ausland in vielen Zeitschriften wie Revue bleue, Hochland, Nord und Süd, Globus, Preussische Jahrbücher, Deutsche Zeitschrift, Sociale Revue, Börsenblatt für den deutschen Buchhandel, Westermanns Illustrierte Deutsche Monatshefte, Literarische Warte, Beilage zur Allgemeinen Zeitung und Das Magazin für Litteratur.

Tony Kellen trat gleichfalls hervor als Übersetzer aus dem Französischen und Englischen ins Deutsche und aus dem Deutschen und Englischen ins Französische. Er übersetzte die neue Gemeindeordnung für Elsass-Lothringen auf französisch und belgische und amerikanische Schriftsteller auf Deutsch, wie z. B. Georges Eekhoud und Edgar Rice Burroughs, dessen Tarzan-Büchern er den deutschen Markt öffnete. Während des Zweiten Weltkriegs veröffentlichte Tony Kellen Sprachenführer in hohen Auflagen für die deutschen Soldaten an der Front und für die deutschen Bauern im Verkehr mit französischen Kriegsgefangenen.

Tony Kellen blieb als Autor Luxemburg verbunden. Mitte der 1890er Jahre veröffentlichte Tony Kellen in Deutschland literaturgeschichtliche Abrisse über luxemburgische Dichter und Schriftsteller wie Dicks, Michel Lentz, Michel Rodange und N.S. Pierret. Als Mitarbeiter von Obermosel-Zeitung, Luxemburger Heimatkalender, Füllhorn und Les Cahiers luxembourgeois publizierte er volkskundliche sowie kultur- und heimatgeschichtliche Beiträge über die Landesbibliothek, die Viandener Grafschaft, die Luxemburger Napoleon-Soldaten, das Weistum von Ettelbrück und alte Echternacher Geschlechter. Daneben lieferte er zahlreiche Biografien zur Luxemburger Geistesgeschichte. Als Verfasser von umfangreichen Karteien zur Luxemburger Orts-, Familien- und Namenkunde, als Bearbeiter der luxemburgischen Literatur für Goedeckes Grundriß zur Geschichte der deutschen Dichtung und vor allem als Autor der in der Jonghémecht vorgelegten Geschichte der Luxemburger Geschichtsschreibung trat Tony Kellen über Jahrzehnte im literarischen Leben Luxemburgs hervor.

Tony Kellens Ansichten über das Deutschtum in Luxemburg, z. B. in der Denkschrift Deutschtum und Franzosentum in Luxemburg seit den ältesten Zeiten bis auf unsere Tage, die er 1889 anlässlich der Thronbesteigung von Großherzog Adolph publizierte, brachten ihm eine gewisse Ablehnung ein. Die im Ersten Weltkrieg offen zur Schau getragene Identifikation mit Deutschland, ein Beitrag in den 1930er Jahren über die völkische Eigenart der Luxemburger, vor allem aber die Mitarbeit am nationalsozialistischen Nationalblatt diskreditierten den als Luxemburger Konsul für Württemberg, Baden und Hohenzollern fungierenden Schriftsteller bei seinen Landsleuten, während Eugen Ewert ihn als Vermittler zwischen Elsässern und Reichsdeutschen feierte.

Die Broschüre Französische Einflüsse. Erinnerung an Luxemburg von Victor Hartogensis (Berlin 1889) wurde fälschlicherweise Tony Kellen zugeschrieben. Neuere Recherchen haben ergeben, dass es sich nicht um ein Pseudonym handelt, der Autor ist Freiherr Dr. Viktor von Hartogensis, ein deutscher Jurist und Legationsrat.

Gast Mannes

Werke

Titel Jahr Sprache Genres yearsort
Was ist die Frau? Ideen und Paradoxe Alexander Dumas' des Jüngeren über die Frauen, die Liebe und die Ehe
Tony Kellen [Autor(in)]
1892
DEU
1892
Katholische Dichter. Eine litterarische Studie
Tony Kellen [Autor(in)]
1898
DEU
1898
Katholische Dichterinnen. Eine litterarische Studie
Tony Kellen [Autor(in)]
1898
DEU
1898
Der Massenvertrieb der Volksliteratur
Tony Kellen [Autor(in)]
1899
DEU
1899
Die Bedeutung der Mundart für die Litteratur
Tony Kellen [Autor(in)]
1900
DEU
1900
Der Wunderdoktor. Aus dem Leben eines Abenteurers. Mit Illustrationen von W. Roegge
Tony Kellen [Autor(in)]
1902
DEU
1902
Der Schiefer. Erzählung aus dem Sauerland
Tony Kellen [Autor(in)]
1903
DEU
1903
Literaturgeschichte
Tony Kellen [Autor(in)]
1903
DEU
1903
Im Wittgensteiner Land. Reiseskizzen
Tony Kellen [Autor(in)]
1904
DEU
1904
Der Deutsche in der Anekdote. Eine Kulturgeschichte in vierhundert Anekdoten
Tony Kellen [Autor(in)]
1910
DEU
1910
Die Dichtkunst. Eine Einführung in das Wesen, die Formen und Gattungen der schönen Literatur nebst zahlreichen Musterbeispielen
Tony Kellen [Autor(in)]
[1911]
DEU
1911
Michel Rodange, der Dichter des "Renert". Gedenkrede, gehalten in Köln am 22. Januar 1927 auf dem 20. Stiftungsfest des Vereins der Luxemburger in Deutschland
Tony Kellen [Autor(in)]
1927
DEU
1927

Eigene Übersetzungen und Adaptationen

Titel Jahr Sprache Genres yearsort
Kees Doorik. Ein vlämischer Sittenroman. [Traduction: Tony Kellen]
Georges Eekhoud [Autor(in)]
Tony Kellen [Übersetzer(in)]
1893
DEU
1893
Das neue Karthago. Übertragen von Tony Kellen
Georges Eekhoud [Autor(in)]
Tony Kellen [Übersetzer(in)]
[1917]
DEU
1917
Tarzan bei den Affen. Erlebnisse eines von Menschenaffen Geraubten
Edgar Rice Burroughs [Autor(in)]
Tony Kellen [Übersetzer(in)]
[1924]
DEU
1924
Tarzans Rückkehr in den Urwald
Edgar Rice Burroughs [Autor(in)]
Tony Kellen [Übersetzer(in)]
[1924]
DEU
1924
Tarzans Tiere
Edgar Rice Burroughs [Autor(in)]
Tony Kellen [Übersetzer(in)]
1924
DEU
1924
Die hölzernen Kreuze. [Berechtigte Übersetzung durch Tony Kellen und Ernst Wittek]
Roland Dorgelès [Autor(in)]
Tony Kellen [Übersetzer(in)]
Erhard Wittek [Übersetzer(in)]
[1930]
DEU
1930
Tarzans Sohn.
Edgar Rice Burroughs [Autor(in)]
Tony Kellen [Übersetzer(in)]
1951
DEU
1951
Tarzans Dschungelgeschichten
Edgar Rice Burroughs [Autor(in)]
Tony Kellen [Übersetzer(in)]
1952
DEU
1952
Tarzans Schatz von Opar
Edgar Rice Burroughs [Autor(in)]
Tony Kellen [Übersetzer(in)]
[1952]
DEU
1952

Mitarbeit bei Zeitungen

Titel der Zeitung Benutzte Namen
Allgemeine Zeitung
Tony Kellen
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel
Tony Kellen
Cahiers luxembourgeois (Les). revue libre des lettres, des sciences et des arts
Tony Kellen
Deutsche Zeitschrift
Tony Kellen
Dokumente der Frauen
Tony Kellen
Essener Volkszeitung. Zentralorgan für Rheinland und Westfalen
Tony Kellen
Freie-Deutsche Blätter. Wochenschrift für Politik, Wissenschaft und Kunst
Tony Kellen
Füllhorn (Das). Neue illustrierte Monatsschrift
Tony Kellen
Globus. das Reise-Journal
Tony Kellen
Hochland. Monatsschrift für alle Gebiete des Wissens, der Literatur und Kunst
Tony Kellen
Indépendance luxembourgeoise (L')
Tony Tryella
Landwûol / Bleif dohém. Luxemburger Verein für ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege
Tony Kellen
Literarische Warte
Tony Kellen
Luxemburger Heimatkalender. Gratis-Zugabe der Obermosel-Zeitung
Tony Kellen
Luxemburger hinkende Bote (Der). Volkskalender für das Grossherzogtum Luxemburg
Tony Kellen
Luxemburger Illustrierte
-y.
Luxemburger Zeitung III [1868-1941] / LZ
T.K.
Magazin für Litteratur (Das). Vereinsorgan d. Freien Literarischen Gesellschaft zu Berlin
Tony Kellen
Moselland. kulturpolitische Monatshefte
Tony Kellen
Neue Luxemburger Kalender (Der). Eine Publikation von Tony Jungblut
Tony Kellen
Nord und Süd. Monatsschrift für internationale Zusammenarbeit
Tony Kellen
Obermosel-Zeitung / OMZ
Tony Kellen
T.K.
Viator
Preußische Jahrbücher
Tony Kellen
Raphael. Illustrierte Zeitschrift für die reifere Jugend und das Volk
Tony Kellen
Revue bleue
Tony Kellen
Weltstimmen. Weltbücher in Umrissen
Tony Kellen
Westermanns Illustrierte deutsche Monatshefte. ein Familienbuch für das gesamte geistige Leben der Gegenwart
Tony Kellen

Sekundärliteratur in Auswahl (Autor & Gesamtwerk)

Autor Jahr Info
1879- Kürschners Deutscher Literatur-Kalender
1929 Aus meinem Leben. In: Obermosel-Zeitung 12.1.1929, S. 1 ; 14.1.1929, S. 1 ; 17.1.1929, S. 1 ; 21.1.1929, S. 1
W. (Unbekannt)
1929 Tony Kellen. Zum 60. Geburtstag. In: Luxemburger Wort 26.01.1929, p. 2
[1943] Die Luxemburger im Reich,
1993 1890-1913 - germanité et francité au Luxembourg. In: nos cahiers 14 (1993) 1, S. 13-33.

Archiv


Berlin: Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabteilung, Nachlass Brümmer, Biogr. 2
BNL: Ms 678

Mitgliedschaft

Name
Luxemburgische Sprachgesellschaft (1924-35)
Zuletzt geändert 25.09.2015