Nico Graf

Pseud.: nigro / Nigro

Luxemburg


Foto: Nico Graf
Nico Graf (c) RTL
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Nico Graf besuchte in Senningerberg die Grundschule und anschließend das Gymnasium und Internat in Clairefontaine (B), wo er in der Schülerzeitschrift Reflets Gedichte und Aufsätze veröffentlichte. Nach dem Abitur studierte Nico Graf Germanistik und Romanistik in Luxemburg (1975) und in Saarbrücken. Später besuchte er dort die Schreibkurse des saarländischen Dichters Arnfried Astel, an denen auch Tun Ewald teilnahm. In den folgenden Jahren arbeitete er als Hörfunkjournalist in Deutschland und bis 1990 als freier Autor in Saarbrücken und schrieb Features, Reportagen und Kritiken vor allem für den Saarländischen Rundfunk (SR), der das Hörspiel Infarkt (1985) sendete. Anschließend zog Nico Graf nach Rheinfelden/Baden, wo er für den Südwestfunk arbeitete. Von 1992 bis 2001 war er in Hamburg Reporter für den NDR und die ARD, bevor er nach Trier zog und u. a. Features über Luxemburg und seine Kultur für den SWR, SR und Deutschlandfunk produzierte, die er im Band Räuber & Gens d'armes versammelte. Seit 2004 ist er Redakteur bei RTL.

Der Lyriker Nico Graf debütierte mit dem Gedichtband Ins Auge fassen. Die Entfremdung des Menschen von der Arbeit, die Kritik an faschistischen Relikten im Alltags- und Sprachverhalten, politisch legitimierte Gewalt, Erinnerungen an den Krieg und Krankheiten sind Ausdruck seiner Ideologiekritik, die er mit Elementen der Popliteratur und der Neuen Subjektivität verbindet. Der Aufhebung von E- und U-Literatur ist der Text-Foto-Band Berlin ist allein verpflichtet, in dem Nico Graf Privatfotos mit Briefen, Zeitungsartikeln, Werbetexten und Prosaimpressionen aus Berlin collagiert. An die Ökolyrik der 1970er Jahre anschließend, schrieb Nico Graf in den 1980ern über Atomenergie, Umweltverschmutzung und die Zerstörung der Natur, wobei in Elleklöppel die Entwicklung von Senningerberg zur Chiffre für den Strukturwandel einer ländlichen Dorfkultur zu einem Hauptstadtvorort wird. Nico Graf reiste einem Algerier nach, der auf Senningerberg angeschossen und schwer verwundet wurde.

Nico Graf veröffentlichte eine Auswahl seiner Kommentare auf RTL in den Bänden dat seet een net (2004-2009) und Dat ass ze haart (2009-2011). Mal ironisch, mal sarkastisch-bissig kommentiert er das Tageschgeschehen sowie Entscheidungen, Geschehnisse und Personen in Politik, Sport, Bildung, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur. Dabei verbindet er Wortwitz mit Zitaten aus der Literatur, der Bibel und den Mythologien. Nico Graf versteht seine Kommentare als giftige Meinungsäußerungen, mit denen er Missstände, vor allem in Denk- und Verhaltensweisen, freilegt. dat ass ze haart enthält zudem autobiographische Texte, die Graf als "Störungen" bezeichnet und in denen u. a. die Krankheit thematisiert wird.

Nico Graf veröffentlichte u. a. in Anthologien und Zeitschriften der Großregion Saar-Lor-Lux (Streckenläufer,  d'Lëtzebuerger Land). Weitere Veröffentlichungen erschienen in den Zeitschriften Reflets, Literatur im Technischen Zeitalter, Das Pult und Kunststoff sowie in den Anthologien Ent-Grenzung (1982),  Au-delà du désespoir (1983),  Dialogues 2 (1984), Schriftbilder (1984), In Sachen Papst (1985) Lëtzebuerger Almanach ’86 (1985) Zwischenland! Ausguckland! (2009) und Lies de bal (2014).

1981 war Nico Graf Stipendiat am Literarischen Colloquium Berlin, 1987 erhielt er das Förderstipendium der Stadt Saarbrücken und 1991 ein Aufenthaltsstipendium an der School of Creative Writing der Universität in Iowa. Er war Mitglied des LSV.

Claude D. Conter

Mitarbeit bei Zeitungen

Titel der Zeitung Benutzte Namen
Galerie. Revue culturelle et pédagogique
Nico Graf
Lëtzebuerger Almanach. Red.: Georges Hausemer ; Gestalt.: Heng Ketter
Nico Graf
Lëtzebuerger Land (d') / d'Letzeburger Land / LL. unabhängige Wochenschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur
Nico Graf
pult (das). literatur, kunst, kritik
Nico Graf
Reflets. Blätter für Literatur, Kunst und Politik
Nico Graf
nigro / Nigro
Streckenläufer. Hrsg. PoCul, Verein für Politik und Kultur, Saarbrücken
Nico Graf
Strom (Der)
Nico Graf

Sekundärliteratur in Auswahl (Autor & Gesamtwerk)

Autor Jahr Info
1981 Ein Luxemburger Schriftsteller in Berlin. Tageblatt-Gespräch mit Nico Graf, dem Autor von "Ins Auge fassen". In: Tageblatt 08.12.1981.
Wolfgang Schmitt
1990 Drei mal zwei Autoren, S. 35-58.
Heinz Mudrich
1993 In Lothringen mit dem "Hochofen im Kopf". Saarbrücken: Ein Gespräch mit dem Autor Nico Graf zu seiner neuen Textsammlung. In: Saarbrücker Zeitung (1993), 121.

Literaturpreise

Name Auszeichnung Ausgezeichnetes Werk Jahr
LCB (Literarirsches Colloquium Berlin) Autorenresidenz, teilweise mit Bourse Bicherfrënn (Bourglinster) 7.10.1981 „Notiz nehmen„ – Autoren unter 30 1981

Mitgliedschaft

Name
LSV - Lëtzebuerger Schrëftstellerverband [1985-2016]
Zuletzt geändert 28.03.2018