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Foto: Mars Klein


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Mars Klein

Luxemburg

Pseudonyme: Charles Berrend ; Aimé Dennewald ; Jean-Marie Eischen ; Frank Frey ; m.k. ; M.K. ; Nicolas [Der Randspalter / Rand-Spalter] ; Leo Roth

Nach dem Abitur am Lycée de garçons in Esch/Alzette studierte Mars Klein Germanistik an den Universitäten Marburg und Trier. Von 1972 bis 1985 unterrichtete er am Lycée de garçons Esch/Alzette, am Lycée technique Mathias Adam in Petingen und am Lycée technique Michel Lucius in Luxemburg. Kleins Abschlussarbeit für das Lehramt trug den Titel Sprachnorm und Sprachpurismus in Luxemburg von 1830 bis heute. Er setzte sich für das Luxemburgische als Unterrichtsfach ein und gehörte zu den Mitarbeitern des Schulbuches Lëtzebuergesch Texter fir postprimär Schoulen. Von 1985 bis 1995 war er im Kulturministerium für den Bereich Literatur zuständig. Hier setzte er sich u. a. ein für die Gründung des Centre national de littérature, für die Clerfer Literaturtage und die soziale Absicherung der freiberuflichen Autoren. Er war auch 1989 Gründungsmitglied der Fondation Servais pour la littérature luxembourgeoise. 1995 kehrte Mars Klein in den Schuldienst zurück. Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2008 unterrichtete er am Lycée Michel Rodange in Luxemburg.

Kabarett war eines der bevorzugten Gebiete von Mars Kleins literarischem Schaffen. Klein trat ein erstes Mal im April 1977 anlässlich der Petinger Journées culturelles auf, eine von Cornel Meder angeregte Veranstaltung. Dort führte er einen Überblick über das literarische, deutschsprachige Nonsens Kabarett, mit Texten von u.a. Kurt Tucholsky, Heinz Erhardt und Emil Steinberger, auf. Im gleichen Jahr schrieb er für das Informationsblatt des Petinger Lyzeums das Thesenpapier Was ist das Kabarett?. Von 1978 bis 1981 bestritt Klein vier Solo-Kabarett-Programme aus eigener Feder: K(l)eineswegs Kleinlaut (1978), Für Fürst und Kleinvaterland (1979), Klein aber Bürger (1980) und Auch Klein zu kriegen (1981). Dabei griff er Untertanenmentalität und Spießertum an und forderte zum Aufbruch aus Kleinburg alias Luxemburg auf. Kulturbetrieb, Schulwesen, Kirche und Monarchie waren Objekte seiner Kritik. Eine Auswahl seiner Texte findet sich im Buch kleinvaterland - mein stück aus deinem testament (1981).

Nach einer längeren Pause von der Kleinkunstbühne, meldete sich Mars Klein mit den literarischen Kabarettprogrammen Adel braucht Tadel (2012), Päerd sinn och nëmme Mënschen (2016) und Wann e Salamander mat dem Feier spillt (2019) zurück. Ab Adel braucht Tadel arbeitete Klein zusammen mit dem Theaterregisseur und Schauspieler Claude Mangen und dem Pianisten Rudi Schubert ein neues Konzept aus, das im Vergleich mit Kleins Solo-Kabarett der 1970er und 1980er Jahre durch Musik und Gesang gekennzeichnet ist. In Adel braucht Tadel sind das Engagement für die geistige und staatsbürgerliche Emanzipation des Menschen und die republikanische, antimonarchistische Haltung Kleins der Grundtenor.

Seit 2016 tritt Klein im Ensemble KMK (Kabarett Mars Klein) zusammen mit Schauspielern und Musikern auf. 2019 legte das Ensemble die Audio CD Mat spatzer Zong auf, die luxemburgisch- und deutschsprachige Kabaretttexte enthält. 2020 folgte die CD Duelle – Falle für Fälle, mit Texten u.a. von Heinrich Heine, Joachim Ringelnatz, Kurt Tucholsky und Mars Klein. 2021 entstand der Band Samthandschuh war nicht, der mit Texten, Bildern und Stimmen einen Überblick über Kleins kabarettistisches Werk von 1978 bis 2020 vermittelt.

Daneben widmete sich Mars Klein der Reiseliteratur. Er begann mit der Reportagenfolge Amerikanisches Reisejournal, die von Juni bis Juli 1976 unter dem Pseudonym Frank Frey im Escher Tageblatt erschien. Es folgten weitere Reiseberichte u. a. über Amerika, Karelien, Indien, Spanien oder Portugal. 1984 brachte Klein den Band USA, das ganz andere Europa heraus, der aufgrund von seinen weitläufigen USA-Reisen entstand. Daneben versammelte er repräsentative Texte luxemburgischer Reiseschriftsteller in der kommentierten Anthologie Die Luxemburger in der Welt (1995). Mars Klein betrachtet Reisen als die Möglichkeit, neue Horizonte zu erkunden und die Relativität und Begrenztheit der eigenen Existenz und des Heimatlandes zu erfahren. Mars Klein beschäftigte sich ebenfalls mit den Texten von Luxemburgreisenden und versammelte in der gemeinsam mit Olivier Ortolani herausgegebenen Anthologie Luxemburg. Menschen und Landschaften (2001) Reisebilder von Goethe bis heute, in denen der Blick von außen auf Luxemburg gerichtet ist. Zudem schrieb er von 2011 bis 2018 Sendereihen über Reisen für Radio 100,7.

Von Bedeutung war auch Mars Kleins Medienarbeit. Er war regelmäßiger Mitarbeiter von Le Phare, Galerie und d'Lëtzebuerger Land, wo er Feuilletons sowie sprachwissenschaftliche und kulturpolitische Artikel u. a. über die luxemburgische Triglossie und den Luxemburger Literaturbetrieb veröffentlichte. Bei RTL betreute er die Sendereihen Lëtzebuerg am 19. Jorhonnert und Länner-Landschafte-Leit, wobei es zu einem Zensureingriff kam. Seine Berichterstattung über die Schattenseiten der USA brachte ihm den Vorwurf des Antiamerikanismus und der fehlenden Objektivität ein, so dass die für den dritten Februar 1984 angesetzte Sendung abgesetzt wurde. Seit seiner Pensionierung ist Mars Klein freier Mitarbeiter von Radio 100,7, wo er ausgewählte Texte der luxemburgischen und der deutschen Literatur vorstellt und interpretiert. In leicht überarbeiteter Form ist eine Auswahl davon in Wat d'Hémecht war (2017) eingegangen, einen Band mit luxemburgischen Gedichten von 1800 bis heute.

Darüber hinaus veröffentlichte Mars Klein zahlreiche Bücher, teilweise im Selbstverlag, wie etwa Das Sprachzirkuspferdchen (2001), Austritt einer leichten lyrischen Kavallerie (2009) und Pferdchen mach das Männchen (2017). Diese Bände stellen eine Mischung aus Texten und Radiochroniken des Autors sowie Texten anderer Autoren zu diversen Themenbereichen dar. 2007 veröffentlichte Klein den Band Ruhm & Grösse in Bronze und Stein. Die schönsten Literatur-Denkmale in Europa, der eine Zusammenfassung verschiedener Texte über europäische Literaturmonumente darstellt. 2019 folgte die Anthologie Séier lafen oder schwéier schaffen, mit literarischen Texten verschiedener europäischer Autoren rund um das Thema Pferde. 2019 brachte Klein unter dem Titel Nonzéng Nonzéng eine Sammlung von militant republikanischen Texten aus seiner eigenen Feder und von verschiedenen deutschsprachigen Autoren heraus. Der Titel bezieht sich auf das Datum des Referendums über die Frage der Beibehaltung der Monarchie in Luxemburg.

Das 1979 entstandene Theaterstück Amerika! Amerika! ist nicht veröffentlicht.

 

Dieser Artikel wurde verfasst von Germaine Goetzinger und Pascal Seil

Veröffentlichungen

Sonstige Mitarbeit

Mitarbeit bei Zeitungen

  • Titel der Zeitschriften
    Galerie. Revue culturelle et pédagogique
    Verwendete Namen
    Mars Klein
  • Titel der Zeitschriften
    Lëtzebuerger Almanach. Red.: Georges Hausemer ; Gestalt.: Heng Ketter
    Verwendete Namen
    Mars Klein
  • Titel der Zeitschriften
    Lëtzebuerger Land (d') / d'Letzeburger Land / LL. unabhängige Wochenschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur
    Verwendete Namen
    Mars Klein
    Jean-Marie Eischen
    Aimé Dennewald
    Nicolas [Der Randspalter / Rand-Spalter]
    Charles Berrend
    M.K.
  • Titel der Zeitschriften
    Phare (Le). Kulturelle Beilage - Point de vue culturel
    Verwendete Namen
    m.k.
    Mars Klein
    Leo Roth
  • Titel der Zeitschriften
    Revue / Lëtzebuerger illustréiert Revue
    Verwendete Namen
    M.K.
  • Titel der Zeitschriften
    Tageblatt / Escher Tageblatt = Journal d'Esch. Zeitung fir Lëtzebuerg
    Verwendete Namen
    Mars Klein
    Frank Frey

Sekundärliteratur

Mitgliedschaft

  • Fondation Servais
  • literatreff Clerf (Lesungen)

Archiv

Zitiernachweis:
Goetzinger, Germaine/Seil, Pascal: Mars Klein. Unter: , aktualisiert am 06.01.2022, zuletzt eingesehen am .