Roland Meyer

Pseud.: romey

Luxemburg


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Roland Meyer
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Roland Meyer besuchte die Grundschule in Lintgen und das Lycée classique de Diekirch. Nachdem er die Schule nach der zehnten Klasse abgebrochen hatte, war er drei Jahre lang berufstätig, bevor er das Abitur machte und das Institut d'études et de recherches pédagogiques besuchte. Ab 1990 war er Lehrer in Schieren, 1994 in Wilwerwiltz, bis 1998 in Consthum und bis 2008 unterrichtete er an der Zentralschule in Hosingen. Seit 2008 leitet er die Theaterschule, ein Projekt des Schulministeriums, das die pädagogische Theaterarbeit in den Bereichen Theater, Zirkus und Tanz an Grundschulen entwickelt. 2016 absolvierte er im Fachbereich Sozialwissenschaften der TU Kaiserslautern einen Master im Bereich Schulmanagement.

Roland Meyer schreibt Jugendbücher in luxemburgischer und deutscher Sprache. Die Romantrilogie, Eng Foto vum (Klëppel) Krich, Dem Kinnek säi Gaart und Iwwer der Leeder , die um die Heldenfigur Philipp konzipiert ist, nennt er Kannertheater-Romane, weil Theaterstücke, dramatische Szenen und Lieder in den Prosatext integriert sind, wobei diese Stücke die Rahmengeschichte zugleich erläutern. Auf mehreren Erzählebenen werden Abenteuer- und Kriminalgeschichten mit Betrachtungen von Jugendproblemen wie Kinderpornografie, Misshandlung, Unterdrückung und Gewalt in der Schule oder Fremdenfeindlichkeit verbunden. Die problematische Adoleszenz ist auch Thema der weiteren Romane wie Den décken dommen Dudu und Mango Panda. Der luxemburgische Widerstand im Zweiten Weltkrieg ist Thema des Jugendromans Mission Geheimer Stollen. Zu Lëtzebuerg ginn et keng Piratekapitänen thematisiert den Umgang der Kinder mit dem Tod ihrer Eltern.

Mit TelMo, das 2017 beim Luxemburger Buchpreis in der Kategorie Kinder- und Jugendliteratur ausgezeichnet wurde, hat Roland Meyer sein drittes Jugendbuch vorgelegt. Darin beschreibt er die Zerrissenheit eines Jungen mit portugiesischem Migrationshintergrund, der nach der Scheidung seiner Eltern eine Orientierung zwischen zwei Sprachen und zwei Kulturen sucht und ein Gleichgewicht zwischen Hass, Gewalt und Aggressionen sowie der Suche nach Liebe und Anerkennung sucht. Thematisiert werden Jugendgewalt und Migrations- und Integrationsprobleme, aber die Missverständnisse im Bereich der schulischen und sozialen Jugenderziehung und in der Kommunikation mit Jugendlichen sowie die Bewertung von Opfer-Täter-Rollen.

In den seit 2011 erscheinenden Romanen für Erwachsene diagnostiziert Roland Meyer die Luxemburger Gesellschaft der Gegenwart, indem er insbesondere die Widersprüche zwischen zivilisationskranken Individualisten und den Zwängen einer auf äußeren Schein, Konsum und Erfolg basierenden postmodernen Gesellschaft aufdeckt. Im Mittelpunkt steht vor allem die Ober- und Mittelschicht, ihr Aufstieg und ihre Krise, in der Vorstellungen von Freiheit und gesellschaftlichem Wandel im Rückblick als teils gescheitert erscheinen. Muedebëtzeg [d.h. wurmstichig, verfault], der 2012 mit dem Luxemburger Buchpreis ausgezeichnet wurde, ist die rückblickend erzählte Geschichte einer gestörten Ehe und einer Affäre, die mit dem Selbstmord endet. Er erzählt von Eros und Thanatos und von enttäuschten Lebensentwürfen der Mittelschichten, von der Midlife-Crisis und der Gefangenheit im geregelten Alltag. Dem werden die Sehnsüchte nach alternativen Lebensmodellen entgegengesetzt. 2014 folgte mit Roughmix, der 2015 mit dem Prix Servais ausgezeichnet wurde, ein weiterer, polyperspektivisch konzipierter und in Südfrankreich, Italien, Marokko, Thailand, Bali und Luxemburg spielende Roman, der Einzelschicksale zu einem Gesellschaftsbild verbindet. Am Beispiel der Lebensentwürfe von Mitgliedern und Freunden einer Musikband von den 80er Jahren bis in die Gegenwart werden im Roman Moralvorstellungen und Werte im Sozialwandel, der Konsum und die Politik reflektiert. Die Biographien der Protagonisten, die nach außen Erfolgsgeschichten sind, sich aber als Lebensläufe nach absteigender Linie herausstellen, erzählen von Fehlentwicklungen, von der Verlogenheit des Einzelnen und der Ankunft der Utopien im Alltag. Thematisiert werden Korruption, Steuerkriminalität, Inzest, Pädophilie und Terrorismus. In zahlreichen Anspielungen werden auch der Luxemburger Literatur- und Kulturbetrieb beleuchtet.

Roland Meyers literarisches Schreiben war anfangs eng mit seiner Lehrertätigkeit verbunden. So war Spring auf! das offizielle Kinderbuch des gleichnamigen von ihm geleiteten Schultheaterfestivals. Die enge Verbindung von Schultheater und literarischem Schreiben wird auch erkennbar daran, dass Roland Meyer seit 1994 die Kindertheatergruppe Den Holzwuerm-Park Housen leitet, welche Sprech- und Schattentheater, Puppenspiele, Zirkusaktivitäten, die Stücke aus den Romanen von Roland Meyer sowie Musicals wie Am Land wou de Peffer wiisst (2002), Bei der Däiwel (2003), Außer Rand a Band (2005) oder Draamdänzer (2006) aufführt. Seitdem sind mehr als 30 Kinder- und Jugendtheaterstücke erschienen, darunter das Musical Fusion, das die Musikvereinigung UGDA anlässlich des Rahmenprogramms zur Kulturhauptstadt Europas 2007 in Auftrag gegeben hatte. Roland Meyer leitet auch Workshops für Kreatives Schreiben für Kinder und Jugendliche; daraus entstanden etwa die Geschichte Zwou Laatsche géint ee Puer Schung (2003) von sechs Schülern zwischen zwölf und 15 Jahren oder der Fantasyroman Das dritte Auge (2011), das sechs Schülerinnen der Ecole privée Ste Anne verfasst haben. Roland Meyer schreibt zudem Hörspiele für Kinder De Poufank vun der Kéiermillen und Lauschter! Eng Fantasierees an d'Welt vun de Klänge. Gemeinsam mit Künstlern wie David Nash, Alan Johnston, Lex Gillen oder Nadine Zangarini führt er pädagogische Projekte durch.

Als verantwortlicher Leiter des Programms Islék Ohne Grenzen für Jugendliche organisiert Roland Meyer grenzüberschreitende kulturelle Begegnungen mit Kindern aus Belgien, Deutschland und Luxemburg, z.B. Lesungen, Theater- und Musikveranstaltungen. Roland Meyer ist Gründungsmitglied des Kabarett-Ensembles Sténkdéier und seit 1988 Regisseur und Autor. Zusammen mit Remy Kraus und Tom Kraemer veröffentlichte er die Bände Modern Welt, Gutt ze wëssen und Méi ass et net mit einer Auswahl von Kabarett-Texten der Programme Survéillé par …(1989-90), Perpetuum mobile (1997), Vernetzt (1998), Mythos Fräizäit(1999), Flexibel (2000), Hu mir dat néideg? (2001), Äppel a Biren (2002), Totalen Ausverkaf (2003), Schéi gebiischt (2004) und XXXL - eng Nummer ze grouss (2005)), Net mäi Béier! (2006), Gutt ze wëssen (2007), Kreesverkéier (2008), vir bäi an hanne widder (2009), Et geet biergop (2010), Schwaarze Péiter (2011),  Eng hallef Millioun Expären (2012) und Héichwaasser (2013). Meyer schreibt darüber dehinaus seit 2006 unter dem Pseudonym Romey für die Revue des Lëtzebuerger Theater Sketscher.

Ab 2014 ging er mit dem Programm Zikelalarm auf Tournee, eine satirische Abrechnung mit den bildungspolitischen Reformbestrebungen, mit dem Berufsbild des Grundschullehrers zwischen idealisiertem Selbstentwurf und Alltagsproblemen und mit dem Umgang mit Schule in der Öffentlichkeit. Kritisiert werden die Floskelhaftigkeit politischer Ziele, wie die von der individuellen Förderung und Vorstellungen von den Erfordernissen einer Schule in einer Leistungsgesellschaft. Diskutiert werden auch private Erziehungsvorstellungen und die Erwartungen an eine auf das Berufsleben vorbereitende Schule. Dabei übt Meyer Kritik an einer utilitaristischen Pädagogik, die sich an Wirtschaftsprämissen orientiert. Moniert werden auch schulinterne Organisationsprobleme und Konflikte zwischen Lehrern, Schülern, Elternvereinigungen und Inspektoren sowie ein Gesellschaftsmodell, bei dem die individuelle Selbstentfaltung der Eltern über die Kindererziehung gestellt wird.

Er spielt in der Jazz- und Bluesmusikgruppe The Winklepickers. Literarische und historische Beiträge von Roland Meyer sind in Lesebüchern und in der Zeitschrift De Cliärrwer Kanton veröffentlicht. Er wirkte am Luxemburger Geschichtsbuch Die Zeitmaschine (2001) mit und war Mitglied des LSV bis zu dessen Auflösung im Jahre 2016. 2012 wurde er mit dem Lëtzebuerger Buchpräis ausgeszeichnet.

Claude D. Conter

Werke

Titel Jahr Sprache Genres yearsort
Eng Foto vum (Klëppel)Krich. Kannertheater-Roman. Illustréiert vum Renée Weber
Roland Meyer [Autor(in)]
2000
LTZ
2000
Modern Welt. Aus de Programme vum Kabaret Sténkdéier vun 1988 bis 2000
Tom Kraemer [Autor(in)]
Remy Kraus [Autor(in)]
Roland Meyer [Autor(in)]
2001
LTZ
2001
Dem Kinnek säi Gaart. Kannertheater-Roman. Illustréiert vum Renée Weber
Roland Meyer [Autor(in)]
2002
LTZ
2002
Iwwer der Leeder. Kannertheater-Roman. Dem Philippe seng 3. Geschicht. Illustréiert vum Renée Weber
Roland Meyer [Autor(in)]
2003
LTZ
2003
Den décken dommen Dudu. E Kannerbuch fir erwuesse Leit
Roland Meyer [Autor(in)]
2004
DEU
2004
Spring auf! Roman
Roland Meyer [Autor(in)]
2004
DEU
2004
Gutt ze wëssen. Aus de Programme vum Kabaret Sténkdéier vun 2001 bis 2005
Tom Kraemer [Autor(in)]
Remy Kraus [Autor(in)]
Roland Meyer [Autor(in)]
2006
LTZ
2006
Mission geheimer Stollen
Roland Meyer [Autor(in)]
2006
DEU
2006
Mango Panda. Gëtt et Léift mat 12 Joer?
Roland Meyer [Autor(in)]
2007
LTZ
2007
Zu Lëtzebuerg ginn et keng Piratekapitänen! Ill. vum Mariepol Goetzinger.
Roland Meyer [Autor(in)]
2009
LTZ
2009
Méi ass et net. Aus de Programme vum Kabaret Sténkdéier avun 2066 bis 2010
Tom Kraemer [Autor(in)]
Remy Kraus [Autor(in)]
Roland Meyer [Autor(in)]
2011
LTZ
2011
Muedebëtzeg. Roman
Roland Meyer [Autor(in)]
2011
LTZ
2011
Roughmix. Roman.
Roland Meyer [Autor(in)]
2014
LTZ
2014
Zikelalarm. Eng kabarettistesch Liesung iwwer d’Erzéiung zu Lëtzebuerg. Mat Fotoe vum Claude Siebenaler
Roland Meyer [Autor(in)]
2015
LTZ
2015
Zikelalarm II. Een Dag am Liewe vun engem Enseignant
Roland Meyer [Autor(in)]
2016
LTZ
2016
TelMo. E Kannerbuch fir erwuesse Leit
Roland Meyer [Autor(in)]
2017
LTZ
2017

Mitarbeit bei Zeitungen

Titel der Zeitung Benutzte Namen
Cliärrwer Kanton (De) / DCK
Roland Meyer

Sekundärliteratur in Auswahl (Autor & Gesamtwerk)

Autor Jahr Info
Luke Haas
1988 Lëtzebuerger Rocklexikon.
R.S. (Romain Sahr)
2002 De Roland Meyer, e Spillmann vun haut - Roland Meyer: dem Kinnek säi Gaart. In: LiteraTour 18.9.2002, S. 8-9
Christian Mohr
2006 Wie kindlicher Scharfsinn zwei allein erziehende Eltern zusammenführt. "Draamdänzer" - ein Musical von Kindern für Kinder des "Holzwuerm-Park-Housen". In: Die Warte-Perspectives 30.05.2006.
Gilles Wunsch
2014 Port-d’artiste: Roland Meyer. In: De Cliärrwer Kanton 36 (2014), 2, S. 65-70
2015 „A mäi Schreiwen ass do, fir mech ze schützen“. Interviewtreffe mam Roland Meyer, Laureat vum Prix Servais 2015 [Vun allen Säiten - Iwwer d'Literatur zu Lëtzebuerg] In: Lëtzebuerger Journal, 22.06.2015, S. 16.
Romain Sahr
2016 Den Auteur ass ewéi e Seismograf vun der Gesellschaft. In: Remise du Prix Servais 2015 à Monsieur Roland Meyer, p.15-21
2016 Remise du Prix Servais 2015 à Monsieur Roland Meyer

Sekundärliteratur zu den einzelnen Werken

Titel Jahr yearsort
Eng Foto vum (Klëppel)Krich. Kannertheater-Roman. Illustréiert vum Renée Weber 2000 2000
Dem Kinnek säi Gaart. Kannertheater-Roman. Illustréiert vum Renée Weber 2002 2002
Iwwer der Leeder. Kannertheater-Roman. Dem Philippe seng 3. Geschicht. Illustréiert vum Renée Weber 2003 2003
Den décken dommen Dudu. E Kannerbuch fir erwuesse Leit 2004 2004
Spring auf! Roman 2004 2004
Mission geheimer Stollen 2006 2006
Mango Panda. Gëtt et Léift mat 12 Joer? 2007 2007
Muedebëtzeg. Roman 2011 2011
Roughmix. Roman. 2014 2014
Zikelalarm. Eng kabarettistesch Liesung iwwer d’Erzéiung zu Lëtzebuerg. Mat Fotoe vum Claude Siebenaler 2015 2015
Zikelalarm II. Een Dag am Liewe vun engem Enseignant 2016 2016
TelMo. E Kannerbuch fir erwuesse Leit 2017 2017

Literaturpreise

Name Auszeichnung Ausgezeichnetes Werk Jahr
Lëtzebuerger Buchpräis (Lëtzebuerger Bicherediteuren) Lëtzebuerger Buchpräis (Literatur) Muedebëtzeg 2012
Prix Servais Servais-Preis Roughmix 2015
Lëtzebuerger Buchpräis (Lëtzebuerger Bicherediteuren) Lëtzebuerger Buchpräis (Kinder- und Jugendbuch) Telmo 2017

Mitgliedschaft

Name
Holzwuerm Park Housen, Den (Kindertheatergruppe)
Kabaret Sténkdéier
LSV - Lëtzebuerger Schrëftstellerverband [1985-2016]
Spring auf! Schultheaterfestival
Zuletzt geändert 26.03.2018