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Foto: Paul Mathieu


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© Dirk Skiba

Paul Mathieu

Petingen

Pseudonyme: Jean-Marie Palu ; P.M.

Paul Mathieu wurde als Belgier in Luxemburg geboren und besitzt inzwischen auch die luxemburgische Staatsbürgerschaft. Er sagt über sich selbst in einem Interview, er habe "eine belgische Hälfte, eine luxemburgische Hälfte und eine französische Hälfte … da in Luxemburg eigentlich jeder aus drei Hälften besteht", entsprechend seiner Situation an der Grenze zwischen der belgischen Provinz und dem Großherzogtum Luxemburg. Er besuchte die Grundschule (1969-1975) und das Gymnasium (1975-1981) in Athus und studierte dann Romanistik an der Universität Lüttich (1981-1986). 1986 bestand er das Lehramtsexamen, er unterrichtet seither Französisch, Latein und Spanisch an den Gymnasien in Athus und Arlon sowie am IEPSCF (Institut de promotion sociale) in Arlon. An diesem Institut erwarb er 2013-2014 das Certificat d’enseignement supérieur, das ihn zum Hochschulunterricht befähigt. Paul Mathieu lebt in Guerlange im Süden der Provinz Luxemburg.

Paul Mathieu veröffentlicht linguistische, volkskundliche und historische Arbeiten sowie Rezensionen, Literaturkritiken und Chroniken; er schreibt zudem Gedichte und Kurzgeschichten.

Seine Studien zu Hausnamen und zu Genealogie, zu Kreuzwegen, Sagen und Brauchtum aus Aubange und Umgebung erscheinen u.a. in den Annales de l’association luxembourgeoise de généalogie et d’héraldique, in den Annales und Bulletins trimestriels de l’Institut archéologique du Luxembourg (Arlon) und in Lokalbroschüren. Bei einer internationalen Frankophonietagung 2005 in Bari beschäftigte er sich z.B. mit der Situation des Französischen in Luxemburg (Perspectives du français dans les zones frontalières: l'exemple du Luxembourg). 2018 erscheint La Gaume en images, ein Bildband über die belgisch-französische Gaume-Region, mit Fotos von Jean-Marie Lecomte und Texten von Paul Mathieu.

Paul Mathieu verfasst Chroniken sowie zahlreiche Rezensionen und Literaturkritiken, u.a. zur französischsprachigen Literatur Luxemburgs und Belgiens, dies vor allem in der luxemburgischen Wochenzeitschrift Le Jeudi. Seine Beiträge erscheinen auch in Zeitungen und Zeitschriften in Luxemburg (Les Cahiers luxembourgeois, Galerie, Revue luxembourgeoise de littérature générale et comparée), in Belgien (Traversées, Pollen d’azur, L’arbre à paroles, Le Journal des Poètes) und in Frankreich (Le Cri d’os, Cahiers de poésie, Jardin d’essai). Er ist zudem Mitarbeiter des Service du Livre Luxembourgeois in Marche-en-Famenne, wo er verantwortlich zeichnet für die in der Reihe Dossiers L erschienenen Hefte über u.a.  Nic Klecker, Georges Bouillon und Alain Bosquet. In Sammelbänden und Zeitschriften veröffentlichte er außerdem Studien über u.a. Edmond Dune, Werner Lambersy und André Schmitz. Ein Beitrag über James Joyce erschien in dem von Laurent Fels  herausgegebenen Band Regards sur la poésie du XXe siècle (Namur 2009). In Auteurs autour versammelt Mathieu literaturwissenschaftliche Essays, die zum Teil bereits in Zeitschriften erschienen sind.

Paul Mathieu ist auch als Übersetzer tätig: Unter dem Titel Ëmmer am Jhumm übertrug er zusammen mit Gaston Mathey den Comic La tournée des grands-ducs von Raoul Cauvin ins Luxemburgische. Er übersetzte zudem ausländische Gedichte für die Zeitschrift Traversées und übersetzt in dem Band Autoportraits Gedichte des Argentiniers Carlos Vitale aus dem Spanischen ins Französische.

Literarisch tritt Paul Mathieu mit Vers- und Prosagedichten sowie Kurzgeschichten in Erscheinung, die er in eigenständigen Sammelbänden veröffentlicht. Darüber hinaus veröffentlicht er seine Beiträge in denselben Zeitungen und Zeitschriften, in denen auch seine Rezensionen erscheinen, sowie in Sammelbänden und Anthologien, wie etwa Amoroso (Ripon Canada, 2001), Les petites danses de Macabré (Hull Québec, 2002), Dernières nouvelles du Luxembourg (Marche-en-Famenne, 2004) oder Quand on est deux (Marche-en-Famenne, 2013).

Paul Mathieus Lyrik bricht mit den rigiden Kategorien des modernen Lebens (z.B. Wirklichkeit vs. Traum, Arbeit vs. Freizeit, Vernunft vs. Fantasie, gewöhnlich vs. außergewöhnlich, Leben vs. Tod) und eröffnet, indem er zwischen diesen Dichotomien unerwartete Übereinstimmungen enthüllt, eine Dynamik des Austauschs, die dem dichterischen Akt seine offenbarende und ergreifende Kraft verleiht. Auf diese Weise wird ein banales Objekt zum Ort, an dem persönliche Erinnerungen des Dichters, Alltag, Reisen, Geschichte, Wissenschaft und Mythen zusammentreffen. Es ist eine der Besonderheiten von Paul Mathieus Lyrik, ein Objekt oder eine Situation aus dem Alltag zur weiten Natur und den Mythen hin zu öffnen oder, umgekehrt, die alltägliche Geste in der Natur und im wiederbelebten Mythos zu offenbaren. Dazu nutzt er eine gebildete Hochsprache, die sich durch Rhythmik und Melodie auszeichnet.  Diese Sprache sucht das treffende Wort – so unter anderem für Handgriffe und Werkzeuge von Handwerkern, für Namen von geografischen Besonderheiten, für historische Begebenheiten, bemerkenswerte Stätten und die großen Mythen der Menschheit – und spielt mit den Bedeutungen eines Wortes, mit den Wörtern untereinander und ihrer ungewöhnlichen lyrischen Versprachlichung. Paul Mathieus Gedichte benennen jedoch auch, was nicht mehr ist, enttarnen das moderne Leben, um dem, was sein könnte, größere Bedeutung zu verleihen und erinnern daran, dass das Gedicht zugleich Wegweiser und Richtlinie für die Seele ist. Des Weiteren geben sie Aufschluss darüber, wie sie ihre eigene Stimme einsetzen und offenbaren, scharfsinnig, ihre unausweichlichen Grenzen, gemäß dem Ausspruch „Das sind nur Worte“.

Regelmäßig wiederkehrende Themen in Paul Mathieus Werk sind das Reisen, sowohl im wirklichen als auch im übertragenen Sinn, das Meer, die Natur, das Übernatürliche sowie der Ursprung und die Mechanismen der Sprache. Das Motiv der Muscheln – sie symbolisieren Leben und Tod, das Meer und ganz allgemein Geheimnisse – ist allgegenwärtig, so auch in den beiden Werktiteln Les coquillages und Solens (Scheidenmuscheln). Hauptthema dieser Sinnsuche und einer omnipräsenten Sprachenvielfalt ist der Turmbau zu Babel, Ort der Wunder und Verwirrungen, der in Mathieus Texten regelmäßig wiederkehrt und der sich auch in dem Titel Cadastres du babel findet. Weitere Themen sind die Sinnlosigkeit und die Leere der Welt, eine unbefriedigende Wirklichkeit und der körperliche Verfall, ohne dass das lyrische Ich sich dabei der Hoffnungslosigkeit hingeben würde.

Der Titel des Gedichtbandes Le chêne de Goethe (Goethe-Eiche) verweist auf den historisch bedeutsamen, von den Einwohnern Weimars verehrten Baum, unter dem der deutsche Schriftsteller sich gerne ausruhte und der sich mitten im Konzentrationslager Buchenwald befand, nachdem die Nazis ihn bei der Waldrodung für den Bau des Lagers ausgespart hatten.

Der Gedichtband D'abord un peu de jour (2019) besteht aus zwei Zyklen. Im ersten dient eine Zugfahrt als Raster für Reflexionen und Träumereien über den Fluss des Lebens und des Schreibens. Dieser Zyklus unterscheidet sich von früheren Sammlungen durch den beruhigenden Ton, der an den eines Geschichtenerzählers erinnert, und einen Stil, der der Umgangssprache ähnelt. Im kürzeren zweiten Zyklus, der zehn Prosagedichte umfasst, beschreibt der Dichter in einem atemlosen Rhythmus aus freien Versen, Zitaten von Hölderlin, Goethe und Joyce und luxemburgischen Ausdrücken, wie er die Welt begreift.

Einige von Paul Mathieus Gedichten wurden zu Künstlerbüchern verarbeitet, so etwa Le chêne de Goethe mit Illustrationen von Li Yi oder das kalligrafische Einzelexemplar Dragons de papier.

Mathieus Kurzgeschichten gehören dem klassischen Fantasy-Genre an, das er in einem lebendigen Stil reich an geografischen, kulturellen und mythischen Bezügen neu interpretiert. Geister, geheime Zimmer und Durchgänge, Geschichten, die sich auf den Meeren des Südens, in Europa oder Indien, zur Zeit der Freibeuter oder in der Gegenwart abspielen: Der Leser wird auf eine Reise zu den Geheimnissen des Imaginären und der Menschheit entführt und versteht, dass Wirklichkeit und Zeit Fähigkeiten bergen, die das moderne Leben erdrückt.

Les noces de l'écureuil (2019), der 14 kurze Geschichten versammelt, lädt zu einer ungewöhnlichen und spannenden Reise durch Orte, Zeiten und Genres ein. Jede Geschichte beschwört eine alltägliche Begebenheit oder einen bestimmten Moment, so zum Beispiel einen Lokomotivführer, der nicht wissen will, was sein Zug transportiert, ein kleines Mädchen, das mit seinen Zeichnungen mit seiner im Koma liegenden Mutter konfrontiert wird, Sagengestalten, die im Alltag auftauchen, eine wilde Tour von vier jungen Menschen, eine Briefmarke mit einzigartigen Kräften oder grausame übernatürliche Ereignisse. Die Stimme des Erzählers kommentiert die Geschichte und rechtfertigt und inszeniert sich selbst, um den Lesern die Illusion zu vermitteln, sie nähmen an einem Märchenabend im Zwischenreich des Bizarren und des Alltäglichen teil.

2018 wurde in Athus das bislang unveröffentlichte Theaterstück Les déménageurs unter der Regie von Jacques Herbet in einer szenischen Lesung aufgeführt. Ausgangspunkt dieser satirischen Komödie in fünf Akten ist der Tod eines Sekundarschullehrers in seiner Klasse. Als die staatliche Einsatztruppe, die immer öfter zur Evakuierung von Leichen aus Verwaltungen, Schulen und öffentlichen Plätzen antreten muss, sich in die falsche Schule begibt, kommt es zu allerlei Missverständnissen.

 

Dieser Artikel wurde verfasst von Nicole Sahl und Claude Bommertz

Veröffentlichungen

Sonstige Mitarbeit

Mitarbeit bei Zeitungen

  • Titel der Zeitschriften
    Amis de l’Ardenne (Les)
    Verwendete Namen
    Paul Mathieu
  • Titel der Zeitschriften
    Annales de l'Institut archéologique du Luxembourg
    Verwendete Namen
    Paul Mathieu
  • Titel der Zeitschriften
    Annuaire = Jahrbuch Luxemburgische Gesellschaft für Genealogie und Heraldik (Annuaire / Association luxembourgeoise de généalogie et d'héraldique)
    Verwendete Namen
    Paul Mathieu
  • Titel der Zeitschriften
    Bulletin trimestriel de l'Institut archéologique
    Verwendete Namen
    Paul Mathieu
  • Titel der Zeitschriften
    Cahiers de Poésie (Les). Collection dirigée par Joseph Ouaknine et Laurent Fels
    Verwendete Namen
    Paul Mathieu
  • Titel der Zeitschriften
    Cahiers luxembourgeois (Les). revue libre des lettres, des sciences et des arts
    Verwendete Namen
    Paul Mathieu
  • Titel der Zeitschriften
    Cri d'Os (Le). revue trimestrielle de poésie, etc.
    Verwendete Namen
    Paul Mathieu
  • Titel der Zeitschriften
    Décharges. Revue trimestrielle de poésie
    Verwendete Namen
    Paul Mathieu
  • Titel der Zeitschriften
    Dossiers L. littérature française de Belgique
    Verwendete Namen
    Paul Mathieu
  • Titel der Zeitschriften
    Familljefuerscher (De). Bulletin de liaison de l'Association luxembourgeoise de généalogie et d'héraldique asbl
    Verwendete Namen
    Paul Mathieu
  • Titel der Zeitschriften
    Galerie. Revue culturelle et pédagogique
    Verwendete Namen
    Paul Mathieu
  • Titel der Zeitschriften
    Jardin d'essai (Le)
    Verwendete Namen
    Paul Mathieu
  • Titel der Zeitschriften
    Jeudi (Le). l'hebdomadaire luxembourgeois en français
    Verwendete Namen
    Paul Mathieu
  • Titel der Zeitschriften
    Journal des poètes (Le)
    Verwendete Namen
    Paul Mathieu
  • Titel der Zeitschriften
    Pollen d'azur. revue des lettres, arts et des idées dans les deux Luxembourg et en Lorraine
    Verwendete Namen
    Paul Mathieu
  • Titel der Zeitschriften
    Ponti/Ponts (Langues littératures civilisations des Pays francophones)
    Verwendete Namen
    Paul Mathieu
  • Titel der Zeitschriften
    Revue luxembourgeoise de littérature générale et comparée / RLLGC
    Verwendete Namen
    Paul Mathieu
  • Titel der Zeitschriften
    Traversées. Revue littéraire trimestrielle
    Verwendete Namen
    Paul Mathieu

Sekundärliteratur

Auszeichnungen

Mitgliedschaft

  • Académie luxembourgeoise / Académie royale luxembourgeoise (Arlon)
  • Le Gueuloir. Collectif d’auteurs transfrontalier
Zitiernachweis:
Sahl, Nicole/Bommertz, Claude: Paul Mathieu. Unter: , aktualisiert am 19.10.2020, zuletzt eingesehen am .