Guy Wagner

Pseud.: GW ; IRONIX ; lgw ; ry. ; wr ; -wr

Luxemburg - Luxemburg


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Guy Wagner
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Guy Wagner wuchs in Beidweiler auf. Nach Gymnasialstudien in Echternach besuchte er ab 1957 die Cours supérieurs und ab 1958 die Lehrernormalschule. Er war anschließend bis 1974 Grundschullehrer u. a. in Beidweiler, Differdingen und Esch/Alzette. Gleichzeitig studierte er ab 1969 an den Cours universitaires und an der Universität Metz Romanistik. Ab 1974 war er Sekundarschullehrer am Lycée de garçons in Esch/Alzette an, ab 1976 am Lycée technique Mathias Adam in Petingen und von 1980 bis 1985 am Lycée technique Joseph Bech in Grevenmacher. 1985 übernahm er die Intendanz des Escher Stadttheaters, von der er 1992 zurücktrat. Im Herbst 1992 wurde er zum Koordinator für die Veranstaltungen von Luxemburg Kulturstadt Europas 1995 ernannt, ein Amt, das er Anfang 1994 niederlegte. Bis 2000 war er Lehrbeauftragter am Lycée technique des arts et métiers in Luxemburg. Von 1978 bis 1980 war er sozialistischer Gemeinderat in Esch.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit war Guy Wagner kulturpolitisch engagiert. Er leitete Schülertheatergruppen, war 1981 Mitbegründer des CEPA und der Europäischen Sommerakademie sowie Initiator der Internationalen Stiftung Mikis Theodorakis (Filiki). Nach Beiträgen in Luxemburger Wort und Kunststoff wurde er Mitarbeiter von Tageblatt, Le Phare und Galerie. Er war Gründer und Leiter der Kulturbeilage Kulturissimo des Tageblatt und schrieb seit 2009 über Musik in der Zeitschrift Pizzicato.

Guy Wagner schrieb seit den frühen 70er Jahren engagierte Lyrik, Erzählprosa und Theaterstücke. Zwischen 1973 und 1974 gab er mit Guy Rewenig Kontrast. Wochenschrift für freie Meinung mit kritischen Artikeln zu Gesellschaft und Politik heraus. Die in den 70er und frühen 80er Jahren veröffentlichten Prosa- und Gedichtbände Texte um Spuren, Keng Dreem méi und Ziviler Ungehorsam kennzeichnen sich durch die Verbindung von Protest und subjektiveren, manchmal fantastischen Einschlägen. Mit In c-Moll erschien postum eine noch von Guy Wagner selbst zusammengestellte, als literarisches Testament konzipierte Sammlung mit teils neuen und unveröffentlichten, teils bereits veröffentlichten und überarbeiteten Prosatexten aus den Jahren 1971 bis 2015.

Einen Schwerpunkt von Guy Wagners literarischem Schaffen bildete das Theater, dem er sich nicht nur als Theaterdirektor, sondern auch als Autor und Kritiker widmete. In seiner Zulassungsarbeit Le Temps d'une porte qui s'ouvre et se referme (1975) setzte er sich mit Samuel Beckett auseinander. Seine eigenen Stücke, z. B. D'Sakgaass, Aller Tage Abend, Ee wéi deen aneren, Einmal am Ende aus den Jahren 1974 bis 1979 zeichnen sich durch den Rückgriff auf moderne, z. T. dokumentarische Dramen- und Spielformen aus. Das 1979 als Fernsehspiel gesendete Stück Ee wéi deen aneren aus der Trilogie Helleg Famill löste aufgrund seiner Sozial- und Familienkritik eine Polemik aus. 1979 betreute er das von Schülern des Lycée technique Mathias Adam verfasste Stück Scènes de famille.

Ab den 1980er Jahren begann sich Guy Wagner verstärkt mit Leben und Werk zeitgenössischer und historischer Komponisten, später auch anderer Künstler und historischer Persönlichkeiten zu beschäftigen. Schon 1969 hatte er in Nouvelle revue luxembourgeoise-Academia eine Studie über Krzysztof Penderecki veröffentlicht. Verbunden ist sein Name aber vor allem mit Mikis Theodorakis. Guy Wagners 1983 auf Deutsch erschienene Theodorakis-Biografie wurde in Zusammenarbeit mit dem Komponisten für die zweite deutsche und die französischen Ausgabe von 1995 bzw. 2000 überarbeitet und ergänzt. Das Leben und die Werke von ungefähr 40 Luxemburger Komponisten heute stellte Guy Wagner 1986 in einem gleichnamigen Band vor. Einem historischen Thema wandte er sich 1991 mit der Studie Frère Mozart über Mozart als Freimaurer zu, die 1996 stark erweitert unter dem Titel Bruder Mozart auf Deutsch erschien. Guy Wagner schrieb zudem eine Monografie über den Luxemburger Maler Émile Kirscht (1987) und verfasste die Biografie des deutschen Musikers Erich Korngold (Berlin 2008). In der Studie Doppelleben dokumentiert Wagner den Lebensweg des aus Luxemburg gebürtigen katholischen Geistlichen Robert Alesch, der als deutscher Kollaborateur in Frankreich während des 2. Weltkriegs ein Widerstandsnetz verriet, dem u.a. Samuel Beckett angehörte.

Wagner ist überdies der Verfasser einer Reihe von fiktionalisierten Musiker- und Künstlerbiografien. Mozart steht im Mittelpunkt der 2005 in Galerie publizierten historischen Kurzgeschichte Der Herr und der Meister. Im selben Jahr veröffentlichte Guy Wagner den Schubert-Roman Winterreise, 2011 den Roman Die Heimkehr über Gustav Mahler und 2014 „nochmals hoffend“, einen Roman zu Paul Klee

Guy Wagner trat ebenfalls als Übersetzer hervor. So legte er, zusammen mit Herakles Galanakis, Übersetzungen der Gedichte von Mikis Theodorakis und Tilemachos Chytiris aus dem Griechischen ins Französische vor und übertrug Dramen von Anouilh, Beckett und Ionesco aus dem Französischen ins Luxemburgische. Guy Wagners Theodorakis-Biografie wurde ins Griechische, seine Mozart-Studie ins Polnische übersetzt.

Guy Wagner wurde mehrfach für sein literarisches Schaffen und sein kulturpolitisches Wirken ausgezeichnet. 1991 war er der erste Empfänger des René Oppenheimer-Preises gegen Rassismus, Intoleranz und Fremdenhass. Er war wiederholt Preisträger beim Concours littéraire national, etwa 2005 für den Roman Winterreise und 2006 für das dem Absurden Theater verpflichtete Stück D'Enn, mäi Frënd. 2007 wurde er mit dem von Henri Muller neu geschaffenen Prix d'amitié Grèce-Luxembourg ausgezeichnet. 2010 erhielt er den Prix du Mérite culturel de la Ville d'Esch-sur-Alzette.

Guy Wagner war Mitglied des LSV.

Pierre Marson

Eigene Übersetzungen und Adaptationen

Titel Jahr Sprache Genres yearsort
Mikis Theodorakis. Une vie pour la Grèce. Biographie
Guy Wagner [Autor]
Guy Wagner [Übersetzer]
2000
FRE
2000
Gedichte. In den paradiesischen Gärten meines Schädels = Poèmes. Dans les jardins paradisiaques de mon crâne. [ins Deutsche übertragen von Asteris und Ina Kutulas; adaptation française de Guy Wagner avec la collaboration de Héraclès Galanakis]
Mikis Theodorakis [Autor]
Asteris Kutulas [Übersetzer]
Ina Kutulas [Übersetzer]
Guy Wagner [Übersetzer]
Asteris Kutulas [Herausgeber / Redakteur]
Guy Wagner [Herausgeber / Redakteur]
2001
DEU FRE
2001
La fin du discours. Sélection de poèmes.
Tilemachos Chytiris [Autor]
Héraclès Galankis [Übersetzer]
Guy Wagner [Übersetzer]
2003
FRE
2003
Theater. [Waarden op de Godot - Endspill - Katastroph - Wat wou].Op Lëtzebuergesch iwwersat vum Guy Wagner
Samuel Beckett [Autor]
Guy Wagner [Übersetzer]
2006
LTZ
2006
billersproochbiller. [Gedichter: Josy Braun; Biller: Josée Klincker; E Wuert virop: Ben Fayot; Iwwersetzungen: Ariel Wagner-Parker, Guy Wagner]
Josy Braun [Autor]
Guy Wagner [Übersetzer]
Ariel Wagner-Parker [Übersetzer]
2010
DEU ENG FRE LTZ
2010
Theater II [Dat lescht Band - Glécklech Deeg - Spill - Kommen a goen - Otem - Net ech - Deemools - Trëtt - Monolog - Rockaby - Ohio Impromptu]
Samuel Beckett [Autor]
Guy Wagner [Übersetzer]
2011
LTZ
2011

Mitarbeit bei Zeitungen

Titel der Zeitung Benutzte Namen
forum. fir kritesch Informatioun iwer Politik, Kultur a Relioun
Guy Wagner
Galerie. Revue culturelle et pédagogique
Guy Wagner
Kontrast. Wochenschrift für freie Meinung
Guy Wagner
kulturissimo. mensuel culturel et socio-politique
Guy Wagner
Kunststoff. Kulturmagazin [für Trier, Luxemburg, Saarbrücken]
Guy Wagner
Luxemburger Wort / d'Wort / LW
lgw
Nouvelle Revue luxembourgeoise : Academia. éditée par l'Association luxembourgeoise des universitaires catholiques
Guy Wagner
Phare (Le). Kulturelle Beilage - Point de vue culturel
Guy Wagner
wr
Pizzicato
GW
Guy Wagner
Tageblatt / Escher Tageblatt = Journal d'Esch. Zeitung fir Lëtzebuerg
-wr
Guy Wagner
wr
Théâtre. revue théâtrale illustrée
IRONIX
ry.
Guy Wagner
wr

Sekundärliteratur in Auswahl (Autor & Gesamtwerk)

Autor Jahr Info
O.H. (Unbekannt)
1987 Anspruchsvoller "Niwwel iwwert der Biscaya". Eine ausgezeichnete Leistung von Regisseur Paul Kieffer. In: Lëtzebuerger Journal, Nr. 93, 15.05.1987, S.13
Roland Houtsch
1987 Undramatisch, langweilig, mißlungen... "Hänk Dech dach nëmmen op" von Guy Wagner im Escher Theater. In: Luxemburger Wort, Nr.22, 27.01.1987, S.4
1987 Wir sind alle schuld... Zu "Hänk dech dach nëmmen op" von Guy Wagner. In: tageblatt, Nr.22, 27.01.1987, S.4
mom (Monique Mathieu)
1987 Zu "Hänk dech dach nëmmen op" im Escher Theater. Wer will schon ein Igel sein? In: Lëtzebuerger Journal, Nr.18, 27.01.1987, S.11
1992 Ein Gespräch mit Guy Wagner, Theaterdirektor in Esch. Teil 1: "Man macht keine Kultur mit dem Rechenschieber". In: forum Nr. 135 (1992), S. 3-9; Teil 2: "Mir hu méi Chance, wéi mer Recht hun", In: forum Nr. 136 (1992), S. 51-57.
1992 Guy Wagner - directeur du théâtre du 1.9.1985 jusqu'au 1.10.1992. Difficile, mais enrichissant. In: Tageblatt 8/9.01.2011, p. 9.
1999 Dictionnaire de la francophonie luxembourgeoise, suivi d’une Anthologie d’auteurs francophones luxembourgeois contemporains. [Cahiers francophones d’Europe Centre-Orientale; Hors série]
Henri Fischbach
2001 "Den Theodorakis huet eent vun de monumentalste Wierker iwwerhaapt kreéiert". Zur Theodorakis-Biographie von Guy Wagner. In: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek 15.06.2001.
2003 der aufstand der allliteraten. eine subjektive chronologie des zickzackkurses der federhalter. notizen zur entwicklung der luxemburger literatur in der zweiten jahrhunderthälfte
Unbekannt
2005 Guy Wagner remporte le concours littéraire. In: Le Quotidien - n°220, 22.09.2005, p. 35
France Clarinval
2005 La vie en prose : Remise des prix et mentions du Concours littéraire national 2004 à la Maison Servais. In: La Voix du Luxembourg - n°286, 09.12.2005, p. 51 ; Luxemburger Wort - n°286, 09.12.2005, p. 123
2005 Précis d’histoire de la littérature en langue luxembourgeoise
Jeff Baden
2006 "Eine 35-jährige persönliche Beziehung". Die Arbeit eines Beckett-Übersetzers. Kurzinterview mit Guy Wagner. In: Luxemburger Wort 13.04.2006.
Charles Muller
Alvin Sold
2016 Farewell, Guy [numéro spécial en hommage à Guy Wagner]. In: Kulturissimo Nr. 149 - 9.6.2016, S. 2-11, 32.

Sekundärliteratur zu den einzelnen Werken

Titel Jahr yearsort
Ziviler Ungehorsam. Ungereimte Verstexte. 15 Jahre Protestlyrik (1971-1984). Mit 6 Illustrationen von Alphonse Hutsch 1984 1984
Helleg Famill. Dräi Stécker mat Szeenen 1988 1988
Winterreise. Roman 2005 2005
billersproochbiller. [Gedichter: Josy Braun; Biller: Josée Klincker; E Wuert virop: Ben Fayot; Iwwersetzungen: Ariel Wagner-Parker, Guy Wagner] 2010 2010
Die Heimkehr. Vom Sterben und Leben des Gustav Mahler. Roman mit Dokumenten-Collage. 2011 2011
"nochmals hoffend". Roman zu Paul Klee 2014 2014
In c-Moll. Wörter, Texte 2016 2016

Weblinks

Literaturpreise

Name Auszeichnung Ausgezeichnetes Werk Jahr
Concours littéraire national Preis - Theater [Theaterstück] 1979
Concours littéraire national 1. Preis - Roman Winterreise. Roman 2004
Concours littéraire national 1. Preis - Theater D'Enn, mäi Frënd, publié dans Notturno 2006
Concours littéraire national 3. Preis ex aequo - Luxemburg im Blick des Anderen Home from Home. A tale in two voices. [Text von Ariel Wagner-Parker und Guy Wagner] 2007
Mérite culturel Esch/Alzette 2010

Mitgliedschaft

Name
CEPA - Cercle européen pour la propagation des arts
LSV - Lëtzebuerger Schrëftstellerverband [1985-2016]
Société des écrivains ardennais (Charleville-Mézières)
Théâtre Municipal Esch
Zuletzt geändert 01.12.2017