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© Collection CNL

Jean-Paul Maes

Esch/Alzette

Jean-Paul Maes wuchs in Niederkorn auf. Nach der Grundschule dort besuchte er die Gewerbeschule in Esch/Alzette, bevor er eine Lehre als Drucker beim Tageblatt machte. Später nahm er verschiedene Gelegenheitsjobs wahr. In dieser Zeit wandte sich Jean-Paul Maes stärker dem Theater zu. Er besuchte das Konservatorium in Esch/Alzette, spielte bei der Differdinger Union Théâtrale sowie beim TOL (Théâtre ouvert Luxembourg) und gründete die freie Theatergruppe Bühne 77, die Guy Rewenigs Stück Am Schied vum Walzwierk uraufführte. 1978 bestand er die Schauspielprüfung an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz. Nach der Schauspielschule nahm Jean-Paul Maes ab 1981 verschiedene Schauspielangebote und Gastspiele in Bregenz, Bamberg, Osnabrück (1985-88) und Frankfurt/Main an. 1988 kehrte er nach Luxemburg zurück, wo er als freier Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller vor allem am Escher und Kapuzinertheater sowie am Théâtre du Centaure wirkt.

Seit 2001 ist er Lehrbeauftragter für Schauspielunterricht und Sprecherziehung am Escher Konservatorium. Er gründete 2012 das Kaleidoskop-Theater mit dem Ziel, neue Theaterstücke, auch von Luxemburger Autoren wie Raoul Biltgen, zu inszenieren und Klassiker zu spielen, etwa Michel Rodanges Renert. Das Repertoire, das Texte wie Homo Faber von Max Frisch, Draußen vor der Tür von Wolfgang Borchert oder Faust von Goethe umfasst, ist zudem darauf ausgerichtet, Schulen ins Theater einzuladen. Spielorte waren bis 2021 die Schungfabrik in Tetingen und das Schloss in Bettemburg; seit Januar 2022 befindet sich die Spielstätte des Ensembles in Huncheringen. Jean-Paul Maes war Mitglied des LSV bis zu dessen Auflösung im Jahre 2016.

Thema der luxemburgischsprachigen Theaterstücke von Jean-Paul Maes sind die Geschichte und Gesellschaft Luxemburgs. Die in der Tradition des gesellschaftspolitischen Volksstücks stehenden Dramen entwerfen ein kritisches Bild einer im Wandel begriffenen, komplexen Gesellschaft. Dabei werden die Kleinbürger als geltungssüchtige und geldgierige Menschen illustriert, die ihr egoistisches Handeln hinter einer Scheinwelt verbergen. Jean-Paul Maes‘ Stücke spielen zumeist im dörflichen Milieu und thematisieren die gesellschaftlichen Veränderungen im Mikrokosmos der Familie, wobei die ehelichen und intergenerationellen Beziehungen als gestört gezeigt werden. Ängste, Hoffnungslosigkeit, Rachsucht, Eifersucht, Karrierismus, Traumata und die Überzeugung, dem Schicksal ausgeliefert zu sein, prägen die dem Absurden Theater verpflichteten Figuren, so etwa auch in dem im Kapuzinertheater inszenierten Meat me - eat me, Sing A Pur (2008) oder in den vom Kaleidoskop Theater inszenierten Stücken De Rousegaart (2014) und Déi aner Halschent (2016). Seit den 2010er Jahren übt Jean-Paul Maes in seinen Stücken zudem Kritik an Formen der Diskriminierung in der Luxemburger Gesellschaft, aufgrund von Homosexualität, Fettleibigkeit und Transgender, so zum Beispiel in Vollmondbetrachtungen (2013).

Jean-Paul Maes adaptierte des Weiteren Op der Juecht & D'Kirmesgèscht (1989) von Dicks und Frësch bestued (1990) von Ernst Binder. Eine Auseinandersetzung mit der Luxemburger Literatur erfolgt in Eitopomar, das in Trier 2003 uraufgeführt wurde und Elemente aus der Biografie und dem Werk von Norbert Jacques aufgreift, sowie im Einakter Déi gestéiert Hexeversammlong zu Käerch (1995), für den er auf Nikolaus Gredts Luxemburger Sagenschatz als Vorlage zurückgriff.

Das Volksstück ist auch Gegenstand der theaterfördernden Aktivitäten von Jean-Paul Maes. Zusammen mit Jean Asselborn gründete er 1991 das Steinforter Theaterfestival, bei dem ältere kritische Volksstücke von Luxemburger Dramatikern wie André Duchscher oder von Zeitgenossen wie Josy Braun oder Serge Tonnar gespielt werden. Dort wurden zudem seine eigenen Stücke Gléck (2006) und Wat d'Mécken denken (2011) gespielt. Jean-Paul Maes rief 2001 das Act-In-Festival für junge Dramatiker aus kleineren europäischen Sprachregionen ins Leben.

Die Regisseurin Eva Paulin, vormals Ehefrau von Jean-Paul Maes, die das Stück Mir gesinn eis jo nëmmen all Joer eng Kéier hei am Abrëll ins Deutsche übersetzte (Wir sehen uns doch nur einmal im Jahr hier im April, Frankfurt/Main 2002) zeichnet für viele Inszenierungen der Stücke von Jean-Paul Maes verantwortlich.

Seit 2017 tritt Jean-Paul Maes auch als Autor von Prosatexten hervor, zunächst mit der Erzählung Wat geet mech de Bertemes iwwerhaapt un? (2017), in der er das Altern und die Beziehungen älterer Männer zu jüngeren Frauen thematisiert. 2021 veröffentlichte er seinen ersten Roman: Im Mittelpunkt von Rehaugen stehen eine als Ehemann und Vater lebende Person, die ihr Coming-out als trans Frau plant und sich immer weiter von ihrer Familie distanziert, sowie ihre Ehefrau, die diese Veränderungen wahrnimmt, jedoch nicht versteht. In dem ursprünglich als Drehbuch angelegten deutschsprachigen Roman erzählt Maes aus zwei Perspektiven von den Ängsten der Hauptfiguren vor gesellschaftlicher Zurückweisung, vor dem Verlust familiärer und freundschaftlicher Bindungen, vor dem Älterwerden und den eigenen Gefühlen. Mit seinen Prosatexten knüpft Maes demnach an gesellschaftskritische Themen seiner Theaterstücke an.

Dieser Artikel wurde verfasst von Claude D. Conter und Fabienne Gilbertz

Veröffentlichungen

Mitarbeit bei Zeitungen

  • Titel der Zeitschriften
    Tageblatt / Escher Tageblatt = Journal d'Esch. Zeitung fir Lëtzebuerg
    Verwendete Namen
    Jean-Paul Maes

Sekundärliteratur

Auszeichnungen

Mitgliedschaft

  • Bühne 77
  • LSV - Lëtzebuerger Schrëftstellerverband [1986-2016]
  • Théâtre des Capucins
  • Théâtre du Centaure
  • T.O.L. - Théâtre Ouvert Luxembourg
  • Union Amicale et Théâtrale, Differdange = Den Déifferdanger Theater

Archiv

Zitiernachweis:
Conter, Claude D./Gilbertz, Fabienne: Jean-Paul Maes. Unter: , aktualisiert am 06.01.2022, zuletzt eingesehen am .