Tullio Forgiarini

Pseud.: tuffo

Luxemburg-Neudorf


Foto: Tullio Forgiarini
Tullio Forgiarini
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Tullio Forgiarini ist der Sohn eines italienischen Vaters und einer luxemburgischen Mutter. Nach dem Abitur 1985 am Lycée de garçons in Luxemburg studierte er Geschichte in Luxemburg und Straßburg. Seit 1989 unterrichtet er Geschichte, Latein und Geografie am Lycée du Nord in Wiltz, u. a. in Spezialklassen für verhaltensauffällige Schüler.

Tullio Forgiarini schreibt Romane, aber auch Kurzgeschichten, Drehbücher und Theaterstücke sowohl für Erwachsene als auch für Kinder und Jugendliche. Den Texten gemein sind sozialkritische Themen und schwarzer Humor. In den ersten Jahren verwendete er nur Französisch, später schreibt er zudem Luxemburgisch und Deutsch.

Angeregt durch Série noire-Krimis und Comics schreibt Tullio Forgiarini Kriminalromane und sozialkritische Romane vorwiegend in französischer Sprache, in die er Texte von Baudelaire, über Camus bis zur Rockgruppe Noir Désir einfließen lässt. Sie schildern die Kehrseiten der kleinbürgerlichen luxemburgischen Gesellschaft. Miss Mona thematisiert sexuellen Missbrauch an Jugendlichen, Scheinheiligkeit und faschistische Tendenzen hinter der intakten Fassade des Bildungs- und Kulturmilieus aus der Sicht ermittelnden Inspektorin Martine Martin. Diese ermittelt auch in Carcasses, das  die Problematik der illegalen Einwanderer, des Menschen- und Frauenhandels aufgreift. La ballade de Lucienne Jourdain zeigt in einem blutrünstigen Roadmovie die Befreiung und Selbstverwirklichung einer bis dahin unterdrückten alten Dame, 2015 erschien eine leicht veränderte Neuauflage mit Illustrationen von Vincent Biwer. Zur Eröffnung des Musée d'Art Moderne Grand-Duc Jean (MUDAM) schrieb Tullio Forgiarini 2006 die mit Graffitis von Spike illustrierte Erzählung Karnaval. In den Dialog zwischen einem zwielichtigen Privatdetektiv und einer jungen Museumsangestellten werden Überlegungen zur zeitgenössischen Kunst eingebettet. In La énième mort d'Ernesto Guevara de la Serna, dit le Che verbindet Tullio Forgiarini in den erneuten Ermittlungen der Kommissarin Martine Martin die Mythen vom Bommeleeër, dem Autor einer unaufgeklärten Bombenattentatsserie im Luxemburg der 1980er Jahre, und von Che Guevara, die beide seine Jugend prägten. Die Gestalt der entlassenen Inspektorin Martine Martin erscheint auch im Roman noir Les dessous de la Vierge à l’enfant von Serge Basso de March und Enrico Lunghi.

Mit dem Roman Amok wechselt Tullio Forgiarini das Genre und die Sprache, er setzt sich auf Luxemburgisch mit Themen wie sozialer Verwahrlosung und Gewalt unter Jugendlichen auseinander. Der Text richtet sich auch an Jugendliche. Aus dem Roman entstand in Zusammenarbeit mit dem Autor ein Drehbuch, das unter der Regie von Donato Rotunno verfilmt wurde und im März 2015 unter dem Titel Baby(a)lone in die Kinos kam.

De Ritter an der Kartongsrüstung ist Tullio Forgiarinis erste Geschichte für Kinder, in der zwei junge Ritter Abenteuer erleben in einer Welt zwischen Fantasie und Wirklichkeit. Beide entsprechen nicht den klassischen klischeehaften Rittervorbildern aus den Märchen.

Mit Lizardqueen richtet sich Tullio Forgiarini in deutscher Sprache an eher jugendliche Leser Er stellt sich dar als Herausgeber eines Tagebuchs, das eine tote junge Frau namens Mona ihm nach ihrem Tod anvertraut. Der Teenager bewegt sich zwischen Erde, Himmel und Hölle, begleitet auf dem Roadtrip von Mutter und Stiefvater, einem Halbengel, Teufeln und anderen Wesen der Zwischen- und Unterwelten. Eine ähnliche Geschichte war schon als französischsprachiges Drehbuchfragment Halfangels in der Anthologie der Walfer Bicherdeeg Hasta la vista, Johnny! (2011) erschienen. Mona Biblisch mit ihren stahlblauen Haaren in Lizard Queen verweist auf Miss Mona, alias Mona Cavalier, die mit blauen Haaren und weißem Makeup auf Jil Bioskop, Hauptfigur aus Enki Bilals Nikopol Comictrilogie anspielt.

2016 erscheint sein erstes Theaterstück Du ciel, in französischer Sprache im T.O.L. aufgeführt, das sich mit schwarzem Humor der Flüchtlingsfrage annimmt. Ausgangspunkt ist eine scheinbar tote Migrantin mitten in einem Luxemburger Wohnzimmer, die, wieder zum Leben erweckt, die scheinheilige luxemburgische Gesellschaft aufmischt.

Tullio Forgiarini ist oder war Mitarbeiter von Tageblatt, Livres-Bücher, Forum, Den neie Feierkrop, Gréngespoun resp. WOXX sowie deren literarischer Beilage ex-libris, er schreibt unter anderem Literaturkritiken. 2001 verfasste er im Pariser Journal du Polar die Rubrik Le Petit Dico du Polardeux. Texte von ihm erschienen in den Anthologien der Walfer Bicherdeeg D'Messer am Réck (2006), Konterlamonter (2008) und Fester feieren (2014), in den Sammelbänden, herausgegeben von Corina Ciocârlie, ... Wat mir sinn. Petites mythologies du Grand-Duché (2008) und En partage - Le Luxembourg d'ici et d'ailleurs (2013), im Schullesebuch Lies de bal (2014) sowie in den Hydre Anthologien Fragment 3793 (2013) und Impossible readings = Lecture impossible (2016). Einige Texte erschienen in rumänischer und spanischer Übersetzung.

Der Roman La ballade de Lucienne Jourdain wurde 2000 beim Literaturwettbewerb Libertés der Vereinigung Liberté de Conscience ausgezeichnet. Für Amok 2013 erhielt Forgiarini 2013 den Literaturpreis der Europäischen Union .

Nicole Sahl

Mitarbeit bei Zeitungen

Titel der Zeitung Benutzte Namen
ex-libris. ein Informationsblatt der Lieszeechen asbl
Tullio Forgiarini
Journal du Polar. Le mensuel du polar et de la culture urbaine.
Tullio Forgiarini
neie Feierkrop (Den) / DNF. onofhängegt zatirescht Wocheblat
Tullio Forgiarini
Tageblatt / Escher Tageblatt = Journal d'Esch. Zeitung fir Lëtzebuerg
Tullio Forgiarini
WOXX / Grénge Spoun. déi aner Wochenzeitung = l’autre hebdomadaire
tuffo

Sekundärliteratur in Auswahl (Autor & Gesamtwerk)

Autor Jahr Info
2005 Tullio Forgiarini, créateur du polar francophone grand-ducal. In: Francophonie vivante. Bruxelles 45 (2005) 2, p. 67-80
2010 Scrittori italiani in Lussemburgo. Antologia di autori italiani, a cura di Roberta Alberotanza [extraits de textes, biographies & bibliographies]
Marie-Laure Rolland
2012 "Je ne suis pas un porte-drapeau". L'écrivain luxembourgeois veut raconter des histoires pour donner à comprendre le Luxembourg. Interview avec Tullio Forgiarini en marge du Salon du livre et des migrations. In: Luxemburger Wort 22.3.2012, p. 15
2013 Les contraintes de l'écriture. Grand entretien. In: d'Lëtzebuerger Land 6.9.2013, p. 17
Duncan Roberts
2013 The contemplative storyteller: Tullio Forgiarini. In: Flydoscope No. 5(2013), p. 32-34 [concerne l'auteur et "Amok"]
Sarah Elkaïm
2016 Des migrants tombés du ciel [Représentation de: Du ciel au TOL]. In: d'Lëtzebuerger Land 11.11.2016, p. 16
Grégory Cimatti
2016 « Du ciel » au TOL : la noyade d’un vaudeville sur les migrants [Représentation de: Du ciel au TOL]. In: Le Quotidien 8.11.2016
2016 Du vaudeville pour réféchir. [Du Ciel] In: Woxx 21.10.2016, p. 16-17
Marie-Laure Rolland
2016 Marie-Laure Rolland: Un "cadeau" tombé du ciel : la farce de Tullio Forgiarini sur les réfugiés en dit trop ou pas assez. In: Luxemburger Wort 17.11.2016, S. 16
Uli Botzler
2016 "Schreiben ist Therapie für mich" [Interview mit] Tullio Forgiarini. In: Télécran 2016, Nr. 4, S. 138-139
Pablo Chimienti
2016 Une noyée dans le salon : les scènes grand-ducales se sont approprié le sujet des migrants et des réfugiés : le TOL n'est pas en reste avec, à partir de demain, "Du ciel", de Tullio Forgiarini, mis en scène par Véronique Fauconnet. In: Le quotidien 26.10.2016, S. 35

Sekundärliteratur zu den einzelnen Werken

Titel Jahr
Miss Mona. Roman de gare en cinq actes et un épilogue 2000
La ballade de Lucienne Jourdain. Roman 2001
Carcasses. Roman noir 2004
Karnaval. Brève de comptoir tétralogique pour deux voix et un téléphone. = Karnaval. Tetralogisches Thekengespräch für zwei Stimmen und ein Telefon [trad. Ann Lecker-Chwiwi]. = Karnaval. A tetralogy of short works in a bar for two voices and a telephone [trad.: Eilidh Horder]. Ill. Spike. 2006
La énième mort d'Ernesto Guevara de la Serna, dit le Che. Roman 2007
Amok. Eng Lëtzebuerger Liebeschronik. 2011
La ballade de Lucienne Jourdain. Un texte de Tullio Forgiarini ; avec des illustrations de Vincent Biwer 2015
De Ritter an der Kartongsrüstung. Kewen & Qamar 2016
Lizardqueen - Eine limbische Liebeschronik 2016

Weblinks

Normdatei

VIAF:
Zuletzt geändert 23.02.2017