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Nikolaus Hein

Nicolas Hein
Ehnen Luxemburg-Eich

Pseudonyme: -n. ; N.H..n.

Nikolaus Hein ist der Sohn eines Winzers und verbrachte seine Kindheit in Ehnen. Nach dem Besuch des Athenäums (1901-1908) und der Cours supérieurs (1908-09) in Luxemburg studierte er Germanistik, Altphilologie und Geschichte in München (1909-10) und an der Sorbonne in Paris (1910-1912). Noch als Student gründete Nikolaus Hein den katholischen Akademikerverein (1910) mit. Er unterrichtete zunächst in Echternach, ab 1915 an der Industrie- und Handelsschule in Luxemburg. Zugleich war er von 1914 bis 1915 Lehrbeauftragter am neu gegründeten Mädchenlyzeum. Nach dem Ersten Weltkrieg unterrichtete Nikolaus Hein am Athenäum und war zudem Hoflehrer des Erbprinzen Jean (1932-1939). Von 1924 bis 1949 lehrte er Literatur an den Cours supérieurs. Er führte zudem seine 1918 begonnene Tätigkeit als Übersetzer und Schriftleiter des Kammerberichts bis 1965 fort. Er ist der Schwiegervater von Joseph Groben.

Nikolaus Hein ist der Verfasser zahlreicher germanistischer Beiträge, vor allem zu Goethe. Er schrieb seine Abschlussarbeit über das Kulturerlebnis Goethes und Taines in Italien und die Abhandlung 1792 - Goethe in Luxemburg (1925, 1961 erweit. und umgearb. Ausgabe). Zusammen mit Nik Welter nahm er an den Feiern zum 100. Todestag Goethes in Weimar teil und hielt zwei Festvorträge für den Südwestdeutschen Rundfunk. Nikolaus Hein widmete sich der Vermittlung der deutschen Sprache und Literatur an den Gymnasien und erstellte das Deutsche Lesebuch für höhere Schulen (1925ff.), das ab 1955 unter dem Titel Der Brunnen u. a. von Joseph Groben überarbeitet und fortgeführt wurde. In den 1950er Jahren nahm er an zahlreichen internationalen Dichterkongressen teil. Vor dem Hintergrund seiner klassizistischen Ästhetikvorstellung verurteilte er die realistische und politische Literatur der Gruppe 47. Er fühlte sich Jakob Kneip, Stefan Andres, Hermann Kasack oder Paul Noesen, Nicolas Margue und Max Goergen verpflichtet.

Nikolaus Hein debütierte 1917 als expressionistischer Lyriker mit dem Gedichtband Lichter und Funken. Mit der ein Jahr später erschienenen Erzählung Heimkehr wandte sich Nikolaus Hein der Heimatkunstbewegung zu. So leitete er die nationale Identität von einem in der Naturlandschaft begründeten Heimatgefühl her. Vor allem die Mosellandschaft bestimmte den literarischen Kosmos seiner Gedichte und impressionistischen Prosaminiaturen. Der Heimatkunst verwandt war dabei Nikolaus Heins antimodernistische Furcht von der zivilisatorischen Bedrohung der Natur. Nikolaus Hein, der sich als volkstümlichen Dichter verstand, suchte den Weg der kulturellen Selbstbestimmung in der ländlichen Sozialidylle. Der posthum erschienene und unabgeschlossene Roman Gertrud (1999) und das Fragment Der Scheiterhaufen (1969) vervollständigten Nikolaus Heins Projekt, die Chronik des Dorfes Ehnen von der Frühen Neuzeit bis ins 20. Jahrhundert zu schreiben. Zum thematischen Moselrepertoire Nikolaus Heins gehörte auch der Winzerberuf, den er in zahlreichen Gedichten (Beim Rebenbinden, Der Winzer) besang. Vor allem die Gedichte An déiwer Nuecht, Mäi Wéngert, Fëscherléift, Muselgold und Trouschtgebiet am Krich haben einen hohen Bekanntheitsgrad, insbesondere in der Moselgegend. Die Gedichte wurden etwa von Jean-Pierre Beicht, Nik Entringer, Jos Kinzé, Pierre Nimax oder Michel Hülsemann/Jean-Pierre Schmit vertont.

Die Frage nach einer nationalen Eigenständigkeit in Politik und Kultur beschäftigte Nikolaus Hein anlässlich beider Weltkriege. Er begriff die luxemburgische Nation als Vermittlerin zwischen Deutschland und Frankreich, wobei er Luxemburg als eine politisch und historisch gewachsene Notgemeinschaft ohne genuine Kulturleistung verstand. Deshalb räumte er dem Deutschen als Schriftsprache das ästhetische Vorrecht vor dem Luxemburgischen ein. In den 1930er Jahren stand Nikolaus Hein NS-Deutschland und seiner Literatur durchaus wohlwollend gegenüber. Während der Besatzungszeit galt er bei den NS-Behörden als deutschfreundlich, doch versuchte er dem Druck der Kollaboration standzuhalten, indem er nichts in Luxemburg veröffentlichte und sich so wenig wie möglich in NS-Organisationen engagierte.

Erst nach 1945 konstruierte er wie in der Erzählung De Blannen Theis eine auf der Sprache basierende nationale Identität, feierte Michel Lentz, Dicks und Michel Rodange als Nationaldichter und veröffentlichte seine luxemburgischen Gedichte in den Zeitschriften D'Natio'n und d'Hémecht – La Patrie. In der Erzählung Der Verräter erinnerte Nikolaus Hein an die Geschichte der revolutionären Umbrüche von 1831. Er versuchte darin, die Genese Luxemburgs in ihren politischen und sozialen Prozessen anhand eines Einzelschicksals in einem kleinen Dorf aufzuzeigen. Das historische Zeitgemälde wurde 1947 mit dem luxemburgischen Prix de littérature ausgezeichnet. 1989 wurde es anlässlich des 150. Jahrestages der luxemburgischen Unabhängigkeit von Marc Olinger verfilmt (De falschen Hond), 2017 ins Niederländische übersetzt. Am Beispiel von Heins Roman Der Verräter erschien 2019 ein historisch-literarischer Reiseführer durch Ehnen, in dem Joseph Groben die lokale Ortsgeschichte illustriert. Im Todesjahr erschien sein Nachlassband Unterwegs mit zahlreichen Texten, die Nikolaus Hein zuvor verstreut in Zeitschriften und Zeitungen veröffentlicht hatte, u. a. in Nouvelle Revue luxembourgeoise-Academia, Les Cahiers luxembourgeois, Zeitung für kleine Leute, Luxemburger Wort oder Heimat und Mission. Sein Schwiegersohn Joseph Groben gab posthum die Texte Kleines Vermächtnis und Gertrud heraus. 2016 erschien das Gesamtwerk.

Nikolaus Hein war ab den 1930ern Mitglied der Gedelit, der Luxemburger Gesellschaft für deutsche Literatur und Kunst sowie, zwischen 1941 und 1942, des Kunstkreises und der Kulturkammer. 1962 gehörte er zu den ersten Mitgliedern des Institut grand-ducal, Section des arts et des lettres.

Dieser Artikel wurde verfasst von Claude D. Conter und Josiane Weber

Veröffentlichungen

Übersetzungen

Mitarbeit bei Zeitungen

  • Titel der Zeitschriften
    Academia. Mitteilungen aus dem Luxemburger Katholischen Akademiker-Verein
    Verwendete Namen
    Nikolaus Hein
  • Titel der Zeitschriften
    Cahiers luxembourgeois (Les). revue libre des lettres, des sciences et des arts
    Verwendete Namen
    Nikolaus Hein
  • Titel der Zeitschriften
    Heimat und Mission
    Verwendete Namen
    Nikolaus Hein
  • Titel der Zeitschriften
    Hémecht (d') - La Patrie. Erausgi vun der Unio'n vun de Letzeburger Freihêtsorganisatio'nen
    Verwendete Namen
    Nikolaus Hein
  • Titel der Zeitschriften
    Lëtzebuerger Land (d') / d'Letzeburger Land / LL. unabhängige Wochenschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur
    Verwendete Namen
    Nikolaus Hein
  • Titel der Zeitschriften
    Luxemburger Wort / d'Wort / LW
    Verwendete Namen
    -n.
    Nikolaus Hein
  • Titel der Zeitschriften
    Natio'n (D'). Nationalistesch Revue / Rewü
    Verwendete Namen
    Nikolaus Hein
  • Titel der Zeitschriften
    nos cahiers. Lëtzebuerger Zäitschrëft fir Kultur
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    Nikolaus Hein
  • Titel der Zeitschriften
    Nouvelle Revue luxembourgeoise : Academia. éditée par l'Association luxembourgeoise des universitaires catholiques
    Verwendete Namen
    Nikolaus Hein
  • Titel der Zeitschriften
    Nuova Europa = Nouvelle Europe = NEeuropa. arts, letters, science
    Verwendete Namen
    Nikolaus Hein
  • Titel der Zeitschriften
    Obermosel-Zeitung / OMZ
    Verwendete Namen
    Nikolaus Hein
  • Titel der Zeitschriften
    Revue Luxembourgeoise. (publiée par l'Université Populaire de Luxembourg)
    Verwendete Namen
    Nikolaus Hein
  • Titel der Zeitschriften
    Tageblatt / Escher Tageblatt = Journal d'Esch. Zeitung fir Lëtzebuerg
    Verwendete Namen
    N.H..n.
  • Titel der Zeitschriften
    Zeitung für kleine Leute
    Verwendete Namen
    Nikolaus Hein

Sekundärliteratur

Auszeichnungen

Mitgliedschaft

  • ALUC - Association luxembourgeoise des universitaires catholiques
  • A.V. - Katholischer Akademiker-Verein = ACEL I Association catholique des étudiants luxembourgeois (1910)
  • Gedelit
  • Gesellenverein
  • Institut grand-ducal Section des arts et des lettres
  • Luxemburgische Sprachgesellschaft (1924-35)

Archiv

Zitiernachweis:
Conter, Claude D./Weber, Josiane: Nikolaus Hein. Unter: , aktualisiert am 07.05.2021, zuletzt eingesehen am .