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Foto: Jean Back


Foto:
© Philippe Matsas/CNL

Jean Back

Luxemburg

Jean Back ist der Vater von Michelle Back. Er verbrachte seine Kindheit in Düdelingen. Nach dem Abitur am Lycée de garçons in Esch/Alzette trat er in den Dienst des Familien-, dann des Kulturministeriums. Von 1989 bis Ende 2015 leitete er das Centre national de l'audiovisuel in Düdelingen.

Jean Back ist gleichermaßen an Fotografie, Malerei und Literatur interessiert. 1990 trat er in Düdelingen mit der Fotoausstellung Lieux et portraits du bassin minier in Erscheinung. 2003 erschien der Roman Wollékestol, eine Hommage an seine Heimatstadt Düdelingen, wobei die eigene Kindheit als Grundlage für ein komplex montiertes Gegeneinander von Autobiografischem und Fiktionalem dient. Dieselbe Technik liegt auch der Novelle Amateur zugrunde, welche die überarbeitete und erweiterte Form einer von Gaston Rollinger 1971 im Lycée de garçons Esch/Alzette aufgegebenen Schülerarbeit ist und vor dem Hintergrund der Schülerunruhen und des Schülerstreiks von 1971 spielt. Amateur wurde 2010 mit dem European Prize for Literature ausgezeichnet und ist ins Tschechische, Ungarische, Bulgarische, Mazedonische, Albanische und Serbische übersetzt worden.

Den drei Erzählungen in Wéi Dag a Nuecht, sowie den umfangreicheren Erzählungen Karamell und Iesel gemeinsam ist, dass sie Menschen auf der sie gefährdenden Suche nach Identität darstellen und dabei Gefahr laufen, ein Borderline-Syndrom zu entwickeln. So gerät der Protagonist aus Karamell, Jip Portonigro, der Adoptivsohn eines Bergarbeiters aus Tetingen, aus dem Geichgewicht, als er sich auf die vergebliche Suche nach seinen leiblichen Eltern in der Schweiz macht und  von seiner verwitweten Schwester, mit der er als Jugendlicher ein Liebesverhältnis eingegangen ist, abgewiesen wird. Der Broker Till in Iesel wird mit seiner unkontrollierbaren Gewaltbereitschaft konfrontiert, die sein auf der Oberfläche erfolgreiches und geordnetes Leben aus dem Gleichgewicht bringt.

Zalto mortale enthält drei Bühnenmonologe, die das Schicksal einsamer, skurriler und am Leben scheiternder Zeitgenossen schildern. Hinter dem Schicksal eines suizidwilligen Lebensmittelhändlers, der auf Armprothesen angewiesen ist, eines Taxidermisten, dem über seiner Tätigkeit als Tierpräparator der Blick auf das reale Leben abhandengekommen ist, und eines Lastkraftwagenfahrers, der gegen das Alleinsein mit einem mitgeführten Hummers in einem Einmachglas ankämpft, werden gesellschaftliche Probleme wie Behinderung, Flüchtlingsfrage, Ausbeutung am Arbeitsplatz und Radikalisierung arbeitsloser Jugendlichen offen gelegt.

Im Mittelpunkt von Trakl Blues steht der Amateurfilm Die junge Magd, den eine Gruppe jugendlicher Filmamateure in den 1970er Jahren nach der Vorlage der Ballade Die junge Magd des österreichischen Autors Georg Trakl gedreht und in Luxemburg und Salzburg gezeigt hat. Auf zwei ineinander verschränkten Zeitebenen werden die Entstehungsgeschichte des Films und der Besuch von Salzburg und der Trakl-Gedenkstätte 2015, dem Jahr der großen Flüchtlingsströme nach Europa, gegeneinander montiert. Dem Buch beigelegt ist eine DVD des restaurierten und mit neuer Filmmusik von Jean Backs Sohn Pierre unterlegten Films.

In dem Band Kreuz und mehr hat Jean Back Erinnerungen an seine Reisen in sechs verschiedene Länder u. a. nach Porto, Berlin, Italien, Mazedonien und Albanien zusammengetragen. Konstitutiv ist eine Mischung von tatsächlich Erlebtem und Fiktionalem, die Beschreibungen fremder Kulturen und die Rückvergewisserung der eigenen Position. Im Kontrast dazu steht das Weihnachtsmärchen für Erwachsene Liebe Akira. Es schildert die Selbstfindung des Escher Metzgersohnes Ingo, der nach einem Unfall sein zerstörtes Gesicht unter Mullbinden versteckt und sich, unterstützt von Akira, der Heilkunst einer japanischen Schamanin anvertraut.

De Schapp beim Wal beschreibt den aussichtslosen Kampf eines gescheiterten Schauspielers, der sich in einem heruntergekommenen Schuppen am Rand eines Waldes eine kleine Idylle geschaffen hat und sich beweisen will, dass er zu Großem fähig ist, indem er gegen die Bagger und Bulldozer einer Baufirma kämpft, die dort eine Bauschuttdeponie anlegen wird. In seinen Omnipotenzphantasien verteidigt er sein Refugium, indem er mit einem Bulldozer  Gesteinsbrocken auf die Schienen der daran vorbeiführenden TGV Linie Luxemburg-Paris wirft und den Zugverkehr lahmlegt. Eingeschoben in den Text sind Schwarz-weiß-Fotografien der Landschaft und des real existierenden Schuppens von Jean Back.

Jean Back ist seit 2018 Mitglied des Institut grand-ducal-Section des arts et des lettres. 2018 wurde er ex aequo mit Gast Groeber mit dem Preis des Europäischen Parlaments für seine Kurzgeschichte European Cloud ausgezeichnet. 2019 erhielt er den Prix culturel der Stadt Düdelingen und nahm im gleichen Jahr belegt mit Anja Di Bartolomeo die Walfer Autorenresidenz wahr. Jean Back war Mitglied des Lëtzebuerger Schrëftstellerverbandes LSV bis zu seiner Auflösung im Jahr 2016. Er ist Gründungsmitglied und Mitglied des Verwaltungsrates des 2020 gegründeten Schriftstellerverbandes Associatioun: Lëtzebuerger Literatur (A:LL Schrëftsteller*innen).

Dieser Artikel wurde verfasst von Germaine Goetzinger

Veröffentlichungen

Übersetzungen

Mitarbeit bei Zeitungen

  • Titel der Zeitschriften
    Cahiers luxembourgeois (Les). revue libre des lettres, des sciences et des arts
    Verwendete Namen
    Jean Back
  • Titel der Zeitschriften
    Galerie. Revue culturelle et pédagogique
    Verwendete Namen
    Jean Back
  • Titel der Zeitschriften
    nos cahiers. Lëtzebuerger Zäitschrëft fir Kultur
    Verwendete Namen
    Jean Back

Sekundärliteratur

Auszeichnungen

Mitgliedschaft

  • A:LL Schrëftsteller*innen
  • Institut grand-ducal Section des arts et des lettres
  • LSV - Lëtzebuerger Schrëftstellerverband [1986-2016]
Zitiernachweis:
Goetzinger, Germaine: Jean Back. Unter: , aktualisiert am 13.11.2020, zuletzt eingesehen am .