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© Collection CNL

Marcel Reuland

Marcel Reuland-Wagner
Echternach Luxemburg

Marcel Reuland war der Sohn des Gymnasiallehrers und späteren Oberinspektors Michel Reuland. Er besuchte in Echternach die Primärschule und das Gymnasium, 1921 wechselte er an das Athenäum. Er studierte 1924 Philosophie und Philologie an den Cours supérieurs in Luxemburg, von 1925 bis 1929 Handelswissenschaften am Institut des hautes études commerciales in Antwerpen. Wegen fehlender Berufsaussichten studierte er zusätzlich Literaturwissenschaft in Luxemburg. Ab 1934 unterrichtete er Französisch und Latein an der Industrie- und Handelsschule in Luxemburg, von 1937 bis 1953 an der Escher Industrie- und Handelsschule, später Lycée de garçons, und ab 1953 am Lycée de garçons in Luxemburg. Während des Zweiten Weltkrieges wurde Marcel Reuland u. a. nach Kassel strafversetzt.

Marcel Reuland schrieb in luxemburgischer Sprache Komödien, Possen, Operetten, Erzählungen sowie Natur und Stimmungsgedichte. Er lieferte auch den gereimten Text der von René Collette illustrierten Comic-Lausbubengeschichte Den Tunn in der Revue de la jeunesse. Seine Stücke sind teilweise Adaptationen von ausländischen Klassikern, die einem luxemburgischen Umfeld angepasst sind: De Friddche gët Dokter (Le médecin malgré lui von Molière), De Friddche muss dru gläwen (Le mariage forcé von Molière) oder E Summerdram (A Midsummer Night's Dream von Shakespeare). D'Spill vun der Bidden oder De Märtes a seng Wonnergei stehen in der Tradition mittelalterlicher Possen, während D'Guckucksblummen, Gudd Noperen, Op der Märei und D'Joffer Silvia Originaldichtungen sind. Zwischenmenschliche Beziehungen, moralisches Fehlverhalten und Liebesgeschichten mit Hindernissen und über soziale Schranken hinweg werden in den Possen und Komödien thematisiert, wobei etwa durch falsch angewandte Fremdwörter Situations- und Sprachkomik entsteht. Marcel Reuland engagierte sich zusammen mit seinem Lehrerkollegen Léopold Hoffmann von 1945 bis 1951 beim Schülertheater des Escher Lycée de garçons und brachte Stücke von Isi Comes, Batty Weber, Lucien Koenig oder auch von Marcel Reuland selbst zur Aufführung, wie z. B. 1946 die Posse D'Spill vun der Bidden. 1947 inszenierte Marcel Reuland zusammen mit Léopold Hoffmann für die Escher Theatertruppe Liewensfro' sein erstes abendfüllendes Stück Op der Kirmes frei nach Shakespeare's Twelfth night, or, What you will. Marcel Reuland schrieb auch Hörspiele, die von Radio Luxemburg gesendet wurden. 1947 wurde E Summerdrâm von Marcel Reuland mit dem luxemburgischen Prix de littérature ausgezeichnet. Der von Radio Luxemburg verliehene Michel Rodange-Preis für Hörspiele wurde nach Marcel Reulands Tod umbenannt in Marcel Reuland-Preis. 1961 erhielt Josy Théato die einmalig verliehene Auszeichnung.

Marcel Reuland hat, ähnlich wie Tit Schroeder, nach dem Zweiten Weltkrieg der Lyrik in luxemburgischer Sprache zu neuem Aufschwung verholfen. Einige seiner Gedichte erschienen in Les Cahiers luxembourgeois, Eis Sprooch (Verein AL), Revue de la jeunesse und posthum in Arts et lettres. Die Gedichte, darunter historische Balladen, Sagen sowie Kinder- und Wiegenlieder, entstanden unter dem Einfluss der deutschen Romantik und vermitteln in einer modernen und differenzierten Sprache ohne Pathos jahreszeitliche Stimmungsbilder sowie Impressionen über Dörfer oder Städte aus der Minettegegend.

Die Musik, insbesondere das romantische Lied, spielte in Leben und Werk von Marcel Reuland eine große Rolle. Die Musik zu den Theaterstücken sowie zahlreichen Gedichten stammt von Chrétien Clement, Pierre Drauth, Gaston Gros, Jean-Pierre Kemmer, Jos Kinzé, Béby Kohl-Thommes, Jules Krüger, Josy Meisch, Max Menager, Louis Petit, Leo Schaeler, Jean-Pierre Schmit, Guy Schons, Nicolas Schuh, René Thiry und Albert Thorn. Lieder wie t'as Kirmes am Duerf sind ins Volksliedgut übergegangen.

Die meisten Werke Marcel Reulands erschienen zu seinen Lebzeiten nicht eigenständig. Posthum erschien die Sammlung Gedichter vum Marcel Reuland. In Dem Marcel Reuland sai Wierk sind neben den Gedichten der ersten Sammlung auch sämtliche Theaterstücke aufgenommen. 2005 wurde das Gesamtwerk vom Institut grand-ducal, Section des arts et des lettres in neuer Rechtschreibung wiederaufgelegt.

Dieser Artikel wurde verfasst von Nicole Sahl

Veröffentlichungen

Mitarbeit bei Zeitungen

  • Titel der Zeitschriften
    Academia. Mitteilungen aus dem Luxemburger Katholischen Akademiker-Verein
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    Marcel Reuland
  • Titel der Zeitschriften
    Arts et lettres. publication de la Section des arts et des lettres de l'Institut grand-ducal
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    Marcel Reuland
  • Titel der Zeitschriften
    Cahiers luxembourgeois (Les). revue libre des lettres, des sciences et des arts
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    Marcel Reuland
  • Titel der Zeitschriften
    Eis Sprooch (Actioun Letzebuergesch)
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    Marcel Reuland
  • Titel der Zeitschriften
    Eis Sprooch (Eis Sprooch). Veräinsblaat fir alles waat lëtzebuurgesch ass
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    Marcel Reuland
  • Titel der Zeitschriften
    Hémecht (d') - La Patrie. Erausgi vun der Unio'n vun de Letzeburger Freihêtsorganisatio'nen
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    Marcel Reuland
  • Titel der Zeitschriften
    Journal des professeurs
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    Marcel Reuland
  • Titel der Zeitschriften
    Marienkalender / Luxemburger Marienkalender / Lëtzebuerger Panorama
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    Marcel Reuland
  • Titel der Zeitschriften
    Revue de la Jeunesse. éditée par la Croix-rouge luxembourgeoise
    Verwendete Namen
    Marcel Reuland

Sekundärliteratur

Auszeichnungen

Mitgliedschaft

  • Institut grand-ducal Section des arts et des lettres
  • Liewensfrou Esch - Theaterverein

Archiv

Zitiernachweis:
Sahl, Nicole: Marcel Reuland. Unter: , aktualisiert am 11.07.2018, zuletzt eingesehen am .