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Foto: Léopold Hoffmann


Foto:
© Wolfgang Osterheld/Collection CNL

Léopold Hoffmann

Clerf Luxemburg

Pseudonyme: LH ; L.H.

Léopold Hoffmann ist der Sohn eines Lehrers, der Mann der Malerin Germaine Hoffmann und der Vater des Theaterregisseurs Frank Hoffmann. Er verbrachte seine Kindheit in Clerf. Nach dem Abitur 1935 am Gymnasium in Diekirch studierte er Germanistik, Altphilologie, Philosophie und Geschichte in Luxemburg, Paris, Bonn und Louvain. 1940 trat er den Referendardienst im Athenäum an, wurde jedoch nach drei Monaten in ein Umschulungslager in den Westerwald geschickt und anschließend nach Düsseldorf und Düren strafversetzt. Nach Zwischenstationen 1943 in Diekirch, dann als Lehrer in Clerf, kam er 1944 nach Esch/Alzette an die Flak. Er trat in den Dienst der Widerstandsorganisation LPL und leistete Kurierdienste. 1945 wurde er an das Lycée de garçons Esch versetzt, wo er ein Schülertheater gründete und D'Spill vun der Bidden von Marcel Reuland aufführte. 1948 studierte er Niederlandistik an der Universität Amsterdam. 1949 kam Léopold Hoffmann an das Athenäum, wo er bis 1979 Deutsch unterrichtete. Ab 1954 lehrte er ebenfalls deutsche Literatur an den Oberkursen.

Léopold Hoffmann trat zuerst als Literatur- und Kulturkritiker in Erscheinung. Im Luxemburger Wort, wo er die Rubrik Von Büchern und Menschen betreute, in Die Warte-Perspectives und Nouvelle revue luxembourgeoise-Academia veröffentlichte er zahlreiche Feuilletons, Theaterkritiken und vor allem Rezensionen zu Neuerscheinungen moderner deutscher und luxemburgischer Schriftsteller wie Heinrich Böll, Hermann Kasack, Hermann Lenz, Marcel Reuland, Nikolaus Hein, Anise Koltz und Roger Manderscheid. Er gehörte zu den Ersten, die sich wissenschaftlich mit Heinrich Böll auseinandersetzten. Auch beschäftigte er sich mit Ernst Koch und gab dessen Roman Prinz Rosa Stramin neu heraus.

In den 60er Jahren gehörte sein Interesse zuerst der Epik. Er schrieb Die Geschichten des Dichters Andreas, welche die Lieblosigkeit eines selbstgerechten Ästheten entlarven sowie Funkerzählungen, die von Tun Deutsch und Haidi Jacoby auf Radio Luxemburg übertragen wurden. Dann wandte er sich der literarischen Kleinform zu und schrieb vorwiegend Aphorismen und Kurztexte, die er selbst als "Mikro-Geschichten" bezeichnete. Ausgehend von einem Begriff oder einem Paradox und unter Einsatz von Antithesen, provozierenden Neologismen, Stakkatorhythmen und Substantivstil hinterfragt er kritisch menschliche Fehler wie Karrierismus, Opportunismus, Machtbesessenheit, Uneinsichtigkeit und gesellschaftlich bedenkliche Entwicklungen. Die Mikro-Geschichten sind narrativ-diskursive Konzentrate, die durch Paradoxe und Überspitzungen und mit bissig-heiterer Ironie ein Laster freilegen, wobei implizit ein alternativer positiver Wert visiert ist, und die Léopold Hoffmann als einen Moralisten ausweisen. Weitere Reflexionen gelten dem Schreiben und der Schriftstellerexistenz. Seit den 1980er Jahren bediente sich Léopold Hoffmann zunehmend der lyrischen Form und nahm den Begriff "Texte" in Anspruch, wobei Zeilenumbruch und Enjambement die episodische Struktur der Texte ausmachten. Aphorismen, Mikro-Geschichten und Texte erschienen in den Zeitschriften nos cahiers, Les Cahiers luxembourgeois und Galerie, bevor sie zu durchkomponierten Zyklen in Buchform zusammengetragen wurden: Literatur im Spiegel. Säuerliche Aphorismen (1966), Reflexe und Reflexionen. Mikro-Geschichten (1968), Brenn- und Blendpunkte. Aphorismen und Mikro-Geschichten (1970), Stress und Stille. Aphorismen und Mikrogeschichten (1974), Schnappschlüsse. Aphorismen und Mikro-Geschichten (1978), Gegen die Tüchtigen ist kein Kraut gewachsen. Aphorismen und Mikrogeschichten (1979), Wer will schon wissen, wie spät es ist. Texte (1983), Meinetwegen sowas wie Liebe. Erzählungen, Satiren & Texte (1986), Gebrochener Zeitschein (1993), Der Pelz der Reißwölfe (1997), Vor offenem Feuer oder Das Schicksal der Wörter in sprachloser Zeit (1999) und Schlitter (2006). 2020 erschien in der Reihe Lëtzebuerger Bibliothéik des Centre national de littérature eine von Samuel Hamen kommentierte repräsentative Auswahl seiner Texte, die durch einige unveröffentlichte Texte ergänzt wurden.

Léopold Hoffmann war Mitglied des P.E.N. Zentrum Deutschland, der europäischen Schriftstellervereinigung Die Kogge und des Institut grand-ducal, Section des arts et des lettres. 1989 erhielt er den Kulturpräis vum Cliärrwer Kanton, 1993 den Prix Batty Weber für sein Gesamtwerk.

Das größere autobiografische Gedicht Damals in Clerf wurde von Camille Kerger vertont.

Dieser Artikel wurde verfasst von Germaine Goetzinger

Veröffentlichungen

Übersetzungen

Mitarbeit bei Zeitungen

  • Titel der Zeitschriften
    Academia. Mitteilungen aus dem Luxemburger Katholischen Akademiker-Verein
    Verwendete Namen
    Léopold Hoffmann
  • Titel der Zeitschriften
    Arts et lettres. publication de la Section des arts et des lettres de l'Institut grand-ducal
    Verwendete Namen
    Léopold Hoffmann
  • Titel der Zeitschriften
    Cahiers luxembourgeois (Les). revue libre des lettres, des sciences et des arts
    Verwendete Namen
    Léopold Hoffmann
  • Titel der Zeitschriften
    Galerie. Revue culturelle et pédagogique
    Verwendete Namen
    Léopold Hoffmann
  • Titel der Zeitschriften
    Hémecht (d') - La Patrie. Erausgi vun der Unio'n vun de Letzeburger Freihêtsorganisatio'nen
    Verwendete Namen
    Léopold Hoffmann
  • Titel der Zeitschriften
    Journal des professeurs
    Verwendete Namen
    Léopold Hoffmann
  • Titel der Zeitschriften
    Luxemburger Wort / d'Wort / LW
    Verwendete Namen
    Léopold Hoffmann
  • Titel der Zeitschriften
    nos cahiers. Lëtzebuerger Zäitschrëft fir Kultur
    Verwendete Namen
    Léopold Hoffmann
  • Titel der Zeitschriften
    Nouvelle Revue luxembourgeoise : Academia. éditée par l'Association luxembourgeoise des universitaires catholiques
    Verwendete Namen
    Léopold Hoffmann
  • Titel der Zeitschriften
    podium wien
    Verwendete Namen
    Léopold Hoffmann
  • Titel der Zeitschriften
    Tageblatt / Escher Tageblatt = Journal d'Esch. Zeitung fir Lëtzebuerg
    Verwendete Namen
    L.H.
  • Titel der Zeitschriften
    Warte (Die) = Perspectives. Supplément culturel du Wort
    Verwendete Namen
    L.H.
    LH

Sekundärliteratur

Auszeichnungen

Mitgliedschaft

  • Die Kogge. Europäische Autorenvereinigung e.V. (Minden)
  • Institut grand-ducal Section des arts et des lettres
  • PEN International. Zentrum Deutschland

Archiv

Zitiernachweis:
Goetzinger, Germaine: Léopold Hoffmann. Unter: , aktualisiert am 07.05.2021, zuletzt eingesehen am .