02.01.1871 Mersch - 13.07.1951 Luxemburg
Nik Welter wuchs in Mersch auf. Nach dem Abitur am Athenäum studierte er von 1889 bis 1893 Germanistik, Romanistik und Philosophie in Luxemburg, Louvain und Paris. Er hospitierte in Bonn und Berlin, ehe er das Referendariat in Luxemburg antrat. Von 1895 bis 1906 war Nik Welter Lehrer am Lycée classique Diekirch, dann am Athenäum und an den Cours supérieurs in Luxemburg. 1909 gehörte er zu den Lehrern, die bereit waren, unentgeltlich an dem neugegründeten Mädchengymnasium zu unterrichten. Im selben Jahr verbrachte er drei Monate in Wien, wo er literarische Kontakte knüpfte und versuchte, sein Theaterstück Professor Forster, das er zu Professor Forsters Tochter umgearbeitet hatte, beim Burgtheater unterzubringen. 1918 trat Nik Welter auf Vorschlag der Sozialisten als parteiloser Minister für öffentliche Erziehung in die Regierung von Émile Reuter ein, die sich 1918/19 für den Erhalt der Dynastie und der Unabhängigkeit Luxemburgs einsetzte, im gleichen Kabinett waren auch Auguste Collart und Auguste Liesch. Welter demissionierte am 15. April 1921. Von 1922 bis 1936 war er Oberinspektor des Primärschulwesens.
Nik Welter schrieb Gedichte, Theaterstücke und Romane sowie literarhistorische und literaturwissenschaftliche Abhandlungen. Er war Mitarbeiter zahlreicher in- und ausländischer Literaturzeitschriften, z. B. Hochland, Die literarische Warte, Floréal, Academia oder Les Cahiers luxembourgeois. Er pflegte gute Kontakte zu ausländischen Künstlern und Fachkollegen wie zum Romanisten Eduard Koschwitz aus Königsberg, zum Schriftsteller Franz Xaver Thalhofer aus München, zum Sprachwissenschaftler Jules Ronjat oder zum Schauspieler Georg Reimers aus Wien. Viele Texte von Nik Welter sind im Ausland, z. B. in Wien, Frankfurt/Main oder München verlegt worden. 1925 erschien eine Gesamtausgabe seiner Werke bei Georg Westermann in Braunschweig. Sie enthält auch die bis dahin unveröffentlichten Texte Adlers Aufflug. Festspiel zum Schillerjubiläum 1905, Der Wurm. Ein Überrumplungsspiel aus dem Tropenwald in drei Aufzüge sowie Das Vaterunser. Ein Volksstück in einem Aufzug, eine deutsche Übersetzung von D'Vadronser.
Ausgangspunkt der Gedichte von Nik Welter ist oft eine konkrete Begebenheit, eine Sagengestalt wie Melusine, ein Landschaftselement wie etwa die Hochöfen der Minetteregion, die zu hymnischen Gesängen verdichtet werden. Der Burgfrau Tod ist eine literarische Adaptation der Schlossbrunnensage aus Fels, die unter dem Titel Der Raubritter von Heringen und der Kreuzfahrer von Fels und Bernard Pir unter dem Titel Raubritter und Kreuzfahrer bearbeitet haben. Sein im Januar 1903 in Escher Journal veröffentlichtes Gedicht Die Schmiede löste in der Abgeordnetenkammer einen Zwischenfall aus. Die Rechtspartei sah in dem Gedicht einen Versuch zur Aufhetzung des Volkes und als Aufruf zum Klassenhass, was die sozialistischen Abgeordneten als Anlass zur Verteidigung des Textes nahmen. Nik Welters Theaterstücke kreisen um historische Persönlichkeiten wie Mansfeld, Griselinde, Tochter des Ritters von Heringen, oder Kaiser Heinrich VII oder sie zeigen z. T. in naturalistischer Manier den Menschen im Konflikt mit den herrschenden gesellschaftlichen Regeln und Moralvorstellungen. Eine Reihe von Texten der Schaffensperiode vor 1918 wie Lene Frank, Professor Forster und Der Abtrünnige zeichnen sich durch Sozialkritik und Antiklerikalismus aus, während später gemäßigtere Töne anschlagen und die Texte dementsprechend umgeändert wurden. Gemeinsam ist seinen Helden, dass sie starke Persönlichkeiten darstellen, die sich nur in Übereinstimmung mit ihren Prinzipien verwirklichen können. Wegen seines kritischen Romans über Leben und Schicksal des Proletariers Franz Bergg im wilhelminischen Deutschland erhielt er 1913 Einreiseverbot ins Deutsche Kaiserreich.
Literaturwissenschaftlich steht die Beschäftigung mit den Dichtern der provenzalischen Vereinigung Felibrige, Théodore Aubanel, Jóusè Roumanille und Frédéric Mistral, mit dem ihn eine langjährige Freundschaft verband, im Vordergrund. Literarhistorisch trat Nik Welter mit einer Geschichte der französischen Literatur in Erscheinung, ehe er sich mit Die Dichter der luxemburgischen Mundart der Geschichte der Luxemburger Literatur zuwandte. Welters Schulbuch Das Luxemburgische und sein Schrifttum, das bis in die Nachkriegszeit mehrfach neu aufgelegt wurde, galt jahrelang als Standardwerk der Geschichte der Luxemburger Literatur. Daneben machte sich Nik Welter um die Rezeption Michel Rodanges verdient, indem er zusammen mit dem Mondorfer Badearzt Martin Klein einige Gesänge des Renert in De Letzeburger kommentierte und in öffentlichen Vorträgen über den bis dahin totgeschwiegenen Dichter referierte. Auch legte er neben dem Originaltext eine Einführung in Michel Rodanges Theaterstück Dem Grow Sigfrid seng Goldkuomer vor. Rivalitäten gab es jedoch teilweise zwischen Nik Welter und Batty Weber, diese wurden 1922-1923 im Abreißkalender in der Luxemburger Zeitung einerseits und in einer unter dem Pseudonym Ry gezeichneten Artikelserie im Luxemburger Wort andererseits ausgetragen.
Viele Gedichte von Nik Welter sind vertont worden u. a. von Helen Buchholtz, Max Menager, Henri Pensis, Jules Krüger, Alphonse Foos, Jean-Pierre Kemmer und Engelbert Humperdinck. Die bekanntesten Lieder sind die von Jean-Pierre Beicht vertonten De Wilhelmus und Wie unsre Väter flehten. Alfred Kowalsky lieferte die Musik zur Oper Griselinde, und Lou Koster schrieb u. a. die Musik zum Oratorium Der Geiger von Echternach.
Einige Werke von Nik Welter sind übersetzt worden, so z. B. Im Dienste und die Abhandlungen über Roumanille und Aubanel ins Französische sowie eine Auswahl seiner Gedichte ins Bulgarische.
1905 und 1907 nahm Nik Welter an den Kölner Blumenspielen teil. Seine Gedichte Eichentod, Danksagung und Die heilige Spinnerin wurden preisgekrönt. 1937 erhielt Welter den von der Universität Bonn verliehenen Joseph von Görres-Preis, mit dem Verdienste um das Deutschtum außerhalb Deutschlands belohnt wurden. In seiner Dankesrede betonte Welter ausdrücklich die Eigenständigkeit Luxemburgs.
| Titel | Jahr |
Sprache | Genres | Rezension |
|---|---|---|---|---|
| Dem Grow Sigfrid seng Goldkuommer. E Komëdesteck a 5 Acten. Mit einer literargeschichtlichen Einführung, herausgegeben von Nikolaus Welter Rodange, Michel aut. Welter, Nicolas (Welter, Nik) ed. |
1929 | LTZ |
Titel der Zeitung/Zeitschrift |
benutzte Namen |
|---|---|
| Academia. Mitteilungen aus dem Luxemburger Katholischen Akademiker-Verein | Welter, Nik |
| Cahiers luxembourgeois (Les). revue libre des lettres, des sciences et des arts | Welter, Nik |
| Floréal. revue libre d’art [et] de littérature = freie Rundschau für Kunst und Litteratur | Welter, Nik |
| Hémecht (d') - La Patrie. Erausgi vun der Unio'n vun de Letzeburger Freihêtsorganisatio'nen | Welter, Nik |
| Hochland. Monatsschrift für alle Gebiete des Wissens, der Literatur und Kunst | Welter, Nik |
| Jonghémecht / Jong-Hémecht. Zeitschrift für heimatliches Theater, Schrift- und Volkstum | Welter, Nik |
| Landwirth (Der) / Landwirt (Der) | Welter, Nik |
| Letzeburg. Blätter für nationales Leben | Welter, Nik |
| Literarische Warte | Welter, Nik |
| Luxemburger Schulfreund. Organ. des Kath.Lehrer- und Lehrerinnenvereins | N.W. Welter, Nik |
| Luxemburger Volksbildungskalender | Welter, Nik |
| Luxemburger Wort / d'Wort | Ry Welter, Nik |
| Marienkalender / Luxemburger Marienkalender / Lëtzebuerger Panorama | Welter, Nik |
| Natio'n (D'). Nationalistesch Revue / Rewü | Welter, Nik |
| Obermosel-Zeitung / OMZ | Welter, Nik |
| Rappel. Organ vun der L.P.P.D. = organe de la Ligue luxembourgeoise des prisonniers et déportés politiques | Welter, Nik |
| Schule und Scholle. Jahrbuch der Landschule | Welter, Nik |
| Tageblatt / Escher Tageblatt = Journal d'Esch. Zeitung fir Lëtzebuerg | Orion |
| Weltstimmen. Weltbücher in Umrissen | Welter, Nik |
| Zeitung für kleine Leute | Welter, Nik |
| Name | Auszeichnung | Ausgezeichnetes Werk | Jahr |
|---|---|---|---|
| Kölner Blumenspiele (Köln) | 1905 | ||
| Kölner Blumenspiele (Köln) | 1907 | ||
| Joseph von Görres-Preis | 1937 |
| Name |
|---|
| Hémechtssprôch |
| Luxemburgische Sprachgesellschaft (1924-35) |