Logo Ministere
Luxemburger Autorenlexikon
CNL - Centre national de la littérature

Luxemburger Autorenlexikon

des Centre national de littérature in Mersch

 
 
Schnellsuche
Autor

Welter, Nik

Welter, Nicolas; Welter, Nikolaus

Pseud.: N.W.; N.W.; Orion; Ry

02.01.1871 Mersch - 13.07.1951 Luxemburg


1534.jpg
Nik Welter
Foto: Unbekannt ©

Nik Welter wuchs in Mersch auf. Nach dem Abitur am Athenäum studierte er von 1889 bis 1893 Germanistik, Romanistik und Philosophie in Luxemburg, Louvain und Paris. Er hospitierte in Bonn und Berlin, ehe er das Referendariat in Luxemburg antrat. Von 1895 bis 1906 war Nik Welter Lehrer am Lycée classique Diekirch, dann am Athenäum und an den Cours supérieurs in Luxemburg. 1909 gehörte er zu den Lehrern, die bereit waren, unentgeltlich an dem neugegründeten Mädchengymnasium zu unterrichten. Im selben Jahr verbrachte er drei Monate in Wien, wo er literarische Kontakte knüpfte und versuchte, sein Theaterstück Professor Forster, das er zu Professor Forsters Tochter umgearbeitet hatte, beim Burgtheater unterzubringen. 1918 trat Nik Welter auf Vorschlag der Sozialisten als parteiloser Minister für öffentliche Erziehung in die Regierung von Émile Reuter ein, die sich 1918/19 für den Erhalt der Dynastie und der Unabhängigkeit Luxemburgs einsetzte, im gleichen Kabinett waren auch Auguste Collart und Auguste Liesch. Welter demissionierte am 15. April 1921. Von 1922 bis 1936 war er Oberinspektor des Primärschulwesens.

Nik Welter schrieb Gedichte, Theaterstücke und Romane sowie literarhistorische und literaturwissenschaftliche Abhandlungen. Er war Mitarbeiter zahlreicher in- und ausländischer Literaturzeitschriften, z. B. Hochland, Die literarische Warte, Floréal, Academia oder Les Cahiers luxembourgeois. Er pflegte gute Kontakte zu ausländischen Künstlern und Fachkollegen wie zum Romanisten Eduard Koschwitz aus Königsberg, zum Schriftsteller Franz Xaver Thalhofer aus München, zum Sprachwissenschaftler Jules Ronjat oder zum Schauspieler Georg Reimers aus Wien. Viele Texte von Nik Welter sind im Ausland, z. B. in Wien, Frankfurt/Main oder München verlegt worden. 1925 erschien eine Gesamtausgabe seiner Werke bei Georg Westermann in Braunschweig. Sie enthält auch die bis dahin unveröffentlichten Texte Adlers Aufflug. Festspiel zum Schillerjubiläum 1905, Der Wurm. Ein Überrumplungsspiel aus dem Tropenwald in drei Aufzüge sowie Das Vaterunser. Ein Volksstück in einem Aufzug, eine deutsche Übersetzung von D'Vadronser.

Ausgangspunkt der Gedichte von Nik Welter ist oft eine konkrete Begebenheit, eine Sagengestalt wie Melusine, ein Landschaftselement wie etwa die Hochöfen der Minetteregion, die zu hymnischen Gesängen verdichtet werden. Der Burgfrau Tod ist eine literarische Adaptation der Schlossbrunnensage aus Fels, die Heinrich Adolf Reuland unter dem Titel Der Raubritter von Heringen und der Kreuzfahrer von Fels und Bernard Pir unter dem Titel Raubritter und Kreuzfahrer bearbeitet haben. Sein im Januar 1903 in Escher Journal veröffentlichtes Gedicht Die Schmiede löste in der Abgeordnetenkammer einen Zwischenfall aus. Die Rechtspartei sah in dem Gedicht einen Versuch zur Aufhetzung des Volkes und als Aufruf zum Klassenhass, was die sozialistischen Abgeordneten als Anlass zur Verteidigung des Textes nahmen. Nik Welters Theaterstücke kreisen um historische Persönlichkeiten wie Mansfeld, Griselinde, Tochter des Ritters von Heringen, oder Kaiser Heinrich VII oder sie zeigen z. T. in naturalistischer Manier den Menschen im Konflikt mit den herrschenden gesellschaftlichen Regeln und Moralvorstellungen. Eine Reihe von Texten der Schaffensperiode vor 1918 wie Lene Frank, Professor Forster und Der Abtrünnige zeichnen sich durch Sozialkritik und Antiklerikalismus aus, während später gemäßigtere Töne anschlagen und die Texte dementsprechend umgeändert wurden. Gemeinsam ist seinen Helden, dass sie starke Persönlichkeiten darstellen, die sich nur in Übereinstimmung mit ihren Prinzipien verwirklichen können. Wegen seines kritischen Romans über Leben und Schicksal des Proletariers Franz Bergg im wilhelminischen Deutschland erhielt er 1913 Einreiseverbot ins Deutsche Kaiserreich.

Literaturwissenschaftlich steht die Beschäftigung mit den Dichtern der provenzalischen Vereinigung Felibrige, Théodore Aubanel, Jóusè Roumanille und Frédéric Mistral, mit dem ihn eine langjährige Freundschaft verband, im Vordergrund. Literarhistorisch trat Nik Welter mit einer Geschichte der französischen Literatur in Erscheinung, ehe er sich mit Die Dichter der luxemburgischen Mundart der Geschichte der Luxemburger Literatur zuwandte. Welters Schulbuch Das Luxemburgische und sein Schrifttum, das bis in die Nachkriegszeit mehrfach neu aufgelegt wurde, galt jahrelang als Standardwerk der Geschichte der Luxemburger Literatur. Daneben machte sich Nik Welter um die Rezeption Michel Rodanges verdient, indem er zusammen mit dem Mondorfer Badearzt Martin Klein einige Gesänge des Renert in De Letzeburger kommentierte und in öffentlichen Vorträgen über den bis dahin totgeschwiegenen Dichter referierte. Auch legte er neben dem Originaltext eine Einführung in Michel Rodanges Theaterstück Dem Grow Sigfrid seng Goldkuomer vor. Rivalitäten gab es jedoch teilweise zwischen Nik Welter und Batty Weber, diese wurden 1922-1923 im Abreißkalender in der Luxemburger Zeitung einerseits und in einer unter dem Pseudonym Ry gezeichneten Artikelserie im Luxemburger Wort andererseits ausgetragen.

Viele Gedichte von Nik Welter sind vertont worden u. a. von Helen Buchholtz, Max Menager, Henri Pensis, Jules Krüger, Alphonse Foos, Jean-Pierre Kemmer und Engelbert Humperdinck. Die bekanntesten Lieder sind die von Jean-Pierre Beicht vertonten De Wilhelmus und Wie unsre Väter flehten. Alfred Kowalsky lieferte die Musik zur Oper Griselinde, und Lou Koster schrieb u. a. die Musik zum Oratorium Der Geiger von Echternach.

Einige Werke von Nik Welter sind übersetzt worden, so z. B. Im Dienste und die Abhandlungen über Roumanille und Aubanel ins Französische sowie eine Auswahl seiner Gedichte ins Bulgarische.

1905 und 1907 nahm Nik Welter an den Kölner Blumenspielen teil. Seine Gedichte Eichentod, Danksagung und Die heilige Spinnerin wurden preisgekrönt. 1937 erhielt Welter den von der Universität Bonn verliehenen Joseph von Görres-Preis, mit dem Verdienste um das Deutschtum außerhalb Deutschlands belohnt wurden. In seiner Dankesrede betonte Welter ausdrücklich die Eigenständigkeit Luxemburgs.

Germaine Goetzinger

Eigene Werke

Titel
Jahr
Sprache Genres Rezension
Ein Königsbegräbnis
Welter, Nik aut.
1899
DEU
Frederi Mistral, der Dichter der Provence
Welter, Nik aut.
1899
DEU
Aus alten Tagen. Balladen und Romanzen aus Luxemburgs Sage und Geschichte
Welter, Nik aut.
1900
DEU
Siegfried und Melusine. Dramatisierte Volkssage in drei Abteilungen
Welter, Nik aut.
1900
DEU
Griselinde. Eine Dichtung
Welter, Nik aut.
1901
DEU
Theodor Aubanel, ein provenzalischer Sänger der Schönheit
Welter, Nik aut.
1902
DEU
Frühlichter. Gedichte
Welter, Nik aut.
1903
DEU
Die Söhne des Oslings. Ein Bauerndrama aus der Zeit der französischen Revolution
Welter, Nik aut.
1904
DEU
Der Abtrünnige. Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen
Welter, Nik aut.
1905
DEU
Die Dichter der luxemburgischen Mundart. Literarische Unterhaltungen
Welter, Nik aut.
1906
DEU
Lene Frank. Ein Lehrerinnendrama in 4 Aufzügen
Welter, Nik aut.
1906
DEU
Prof. Forster. Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen
Welter, Nik aut.
1908
DEU
Geschichte der französischen Literatur
Welter, Nik aut.
1909
DEU
In Staub und Gluten
Welter, Nik aut.
1909
DEU
Segnungen der Stunde. Aus meinem Wiener Tagebuch
Welter, Nik aut.
1910
DEU
Hohe Sonnentage. Ein Ferienbuch aus Provence und Tunesien
Welter, Nik aut.
1912
DEU
Mansfeld. Ein Schicksalsspiel in vier Aufzügen
Welter, Nik aut.
1912
DEU
Franz Bergg. Ein Proletarierleben
Welter, Nik aut.
1913
DEU
Hochofen. Ein Büchlein Psalmen
Welter, Nik aut.
1913
DEU
Das Luxemburgische und sein Schrifttum
Welter, Nik aut.
1914
DEU
Über den Kämpfen. Zeitgedichte eines Neutralen
Welter, Nik aut.
1915
LTZ
Mutter Marie. Sonderdruck
Welter, Nik aut.
[1916]
DEU
D'Vadronser. E Stëck aus dem Lewen an engem Akt
Welter, Nik aut.
1918
LTZ
Griselinde. Oper in drei Aufzügen und vier Bildern. Musik von Alfred Kowalsky
Welter, Nik aut.
1918
DEU
Dantes Kaiser. Geschichtliches Charakterspiel in fünf Aufzügen
Welter, Nik aut.
1922
DEU
Den Dicks als Mensch an als Dichter. Virdrag vum Nik. Welter [Virdrag gehalen den 1. Dezember 1923 zu Bre'ssel am Palais Egmont virun der Letzeburger Gesellschaft "D’Fraternelle"]
Welter, Nik aut.
1924
LTZ
Gesammelte Werke. 5 vol
Welter, Nik aut.
1925
DEU
Im Dienste. Erinnerungen aus verworrener Zeit
Welter, Nik aut.
1925
DEU
Mit Kranz und Palme. Erinnerungsblätter
Welter, Nik aut.
1925
DEU
Im Werden und Wachsen. Aus dem Leben eines armen Dorfjungen
Welter, Nik aut.
1926
DEU
Mariensommer. Ein Büchlein Lieder
Welter, Nik aut.
[ca. 1929-30]
DEU
Mundartliche und hochdeutsche Dichtung in Luxemburg. Ein Beitrag zur Geistes- und Kulturgeschichte des Großherzogtums
Welter, Nik aut.
1929
DEU
Die Braut. Ein geschichtliches Spiel in drei Aufzügen
Welter, Nik aut.
1931
DEU
Grossmama. Die Tragödie einer Seele in einem Aufzuge
Welter, Nik aut.
1931
DEU
Das politische Lied im Grossherzogtum während der Jahre 1830-1832
Welter, Nik aut.
[1932]
DEU
Goethes Husar. Aus seinem Leben. Dichtung und Wahrheit in drei Aufzügen
Welter, Nik aut.
1932
DEU
Aus Heimat und Kindheit. Geschichten und Erinnerungen
Welter, Nik aut.
1934
DEU
Frauen. Eine dramatische Schicksalsreihe in drei Folgen. 1. Mädchen. Drei Einakter - 2. Schwestern! Ein Schauspiel in vier Aufzügen - 3. Mutter. Drei Einakter
Welter, Nik aut.
1934
DEU
Freundschaft und Geleit. Erinnerungen
Welter, Nik aut.
1936
DEU
Luxemburg. Ein vaterländischer Weihgesang, vertont von Alfons Foos
Welter, Nik aut.
1936
DEU
Lene Frank. Lehrerinnendrama in vier Aufzügen. Eingeleitet und kommentiert von Germaine Goetzinger. (Lëtzebuerger Bibliothéik ; 3)
Welter, Nik aut.
Goetzinger, Germaine ed.
1990
DEU
Singrün. Eine Frühlingsnovelle. Aus dem Nachlaß. Mit einem Vorwort von Cornel Meder
Welter, Nik aut.
1995
DEU
Krücken. Schauspiel in vier Aufzügen
Welter, Nik aut.
[s.d.]
DEU

Mitarbeit an anderen Werken

Mitarbeit bei Zeitungen und Zeitschriften

Titel der Zeitung/Zeitschrift
benutzte Namen
Academia. Mitteilungen aus dem Luxemburger Katholischen Akademiker-Verein
Welter, Nik
Cahiers luxembourgeois (Les). revue libre des lettres, des sciences et des arts
Welter, Nik
Floréal. revue libre d’art [et] de littérature = freie Rundschau für Kunst und Litteratur
Welter, Nik
Hémecht (d') - La Patrie. Erausgi vun der Unio'n vun de Letzeburger Freihêtsorganisatio'nen
Welter, Nik
Hochland. Monatsschrift für alle Gebiete des Wissens, der Literatur und Kunst
Welter, Nik
Jonghémecht / Jong-Hémecht. Zeitschrift für heimatliches Theater, Schrift- und Volkstum
Welter, Nik
Landwirth (Der) / Landwirt (Der)
Welter, Nik
Letzeburg. Blätter für nationales Leben
Welter, Nik
Literarische Warte
Welter, Nik
Luxemburger Schulfreund. Organ. des Kath.Lehrer- und Lehrerinnenvereins
N.W.
Welter, Nik
Luxemburger Volksbildungskalender
Welter, Nik
Luxemburger Wort / d'Wort
Ry
Welter, Nik
Marienkalender / Luxemburger Marienkalender / Lëtzebuerger Panorama
Welter, Nik
Natio'n (D'). Nationalistesch Revue / Rewü
Welter, Nik
Obermosel-Zeitung / OMZ
Welter, Nik
Rappel. Organ vun der L.P.P.D. = organe de la Ligue luxembourgeoise des prisonniers et déportés politiques
Welter, Nik
Schule und Scholle. Jahrbuch der Landschule
Welter, Nik
Tageblatt / Escher Tageblatt = Journal d'Esch. Zeitung fir Lëtzebuerg
Orion
Weltstimmen. Weltbücher in Umrissen
Welter, Nik
Zeitung für kleine Leute
Welter, Nik

Sekundärliteratur in Auswahl

Autor
Jahr
Info
1903 La littérature du Grand-Duché de Luxembourg
1929 Mundartliche und hochdeutsche Dichtung in Luxemburg. Ein Beitrag zur Geistes- und Kulturgeschichte des Großherzogtums
1935 Nikolaus Welter und sein dramatisches Werk
[1937] Zur Erinnerung an die Verleihung des Joseph von Görres-Preises 1937 an Nikolaus Welter, Luxemburg. [Hrsg.: Johann Wolfgang Goethe-Stiftung]
1945 Dichter unseres Landes. 1900-1945
1946 Festschrëft dem Nik Welter fir sei 75. Geburtsdag iwerrêcht.
Hury, Carlo
1963 Bibliographie subjective et objective des membres de la Section linguistique décédés depuis 1947. In: Institut Grand-Ducal, Section de Linguistique, de Folklore et de Toponymie, fasc. 10, 1963, p. 7-63
1964-1967 Geschichte der Luxemburger Mundartdichtung. Erster Band: Von den Anfängen bis zu Michel Rodange. Zweiter Band: Von Aendréi Duchscher bis zur Gegenwart. Mit einer Bibliographie von Carlo Hury und einem Geleitwort von Prof. Dr Hugo Moser
1971 Nik Welter. Zum 100. Geburtstag am zweiten Januar 1971. In: Luxemburger Marienkalender. 90 (1971) S. 86-92
Schlechter, Pit
1974 Triviales Theater. Untersuchungen zum volkstümlichen Theater am Beispiel des luxemburgischen Dialektdramas von 1894-1940
Goetzinger, Germaine
1990 [Einleitung und wissenschaftlicher Kommentar = Introduction et commentaires scientifiques] In: Lene Frank, S. 15-71
1992 Luxemburgische Literaturgeschichte. Autoren deutscher, französischer, luxemburgischer Sprache
Hilbert, Roger
1996 Gemeng Miersch, Kulturkommissioun [Hrsg./éd.]: 125. Gebuurtsdag vum Nik Welter gebueren 1871 zu Miersch. Text: Roger Hilbert. Konzept: Guy Pauly
2003 Wallfahrt des Herzens. Wege zu Dichter und Gedicht
2005 Précis d’histoire de la littérature en langue luxembourgeoise
Welter, Antoinette
2011 "Salut au peuple...". Il y a soixante ans décédait Nicolas Welter (1871-1951), In: Le Jeudi 21.07.2011
Goetzinger, Germaine
2012 Ein Ettelbrücker Beitrag zur nationalen Theaterkultur. Nikolaus Welter und die Lyra. In: Lyra Ettelbrück. 100 Jahre Chorgesang und Theater, S. 399-409

Archiv

CNL: L-0044
ANLux: FD 118
BNL: Ms 399, 632, 690

Literaturpreise

Name Auszeichnung Ausgezeichnetes Werk
Jahr
Kölner Blumenspiele (Köln) 1905
Kölner Blumenspiele (Köln) 1907
Joseph von Görres-Preis 1937

Mitgliedschaft

Name
Hémechtssprôch
Luxemburgische Sprachgesellschaft (1924-35)
Zuletzt geändert 06.02.2013